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Riedls Dax-Radar

Die Aktienrally geht weiter

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Schwellenland ist abgebrannt? - von wegen...

Die Angst vor Krisen in Russland, China, Brasilien, Indien, der Türkei und in anderen Schwellenländern hat Anleger hierzulande in den vergangenen Monaten schwer verunsichert; als ob die ganze Welt nur noch ein Schwellenland im Abwärtstaumel wäre. Ausschläge an der chinesischen Börse wurden hierzulande mit mehr Nervosität beobachtet als das Auf und Ab im Dow Jones – obwohl die Märkte in Shanghai für die Tendenz an den Weltmärkten nur eine Randerscheinung sind.

Natürlich sind die offiziell angegebenen Wachstumszahlen in China, die bei sechs bis sieben Prozent liegen, nicht mit den in Europa veröffentlichten Werten zu vergleichen. Doch das waren die Zahlen zur chinesischen Wirtschaft noch nie – und trotzdem ist die Konjunktur in den vergangenen zwei Jahrzehnten massiv und substanziell gewachsen.

Es kommt bei einem Land wie China nicht darauf an, ob es jetzt ein oder zwei Prozent mehr oder weniger sind. Entscheidend ist, ob die große Aufwärtsentwicklung noch läuft. Und das ist sowohl in der chinesischen Wirtschaft als auch an der Börse der Fall.

Die fünf großen Gefahren für Chinas Wirtschaftswachstum

An den eigentlichen, säkularen Wachstumskräften in China hat sich nichts geändert: Eine riesige, zum Teil immer noch junge Bevölkerung, die ihren Anteil am Wohlstand haben will und die – gemessen an chinesischen Verhältnissen – dafür noch nie so gute Chancen gehabt hat wie heute.

Auch die anderen Schwellenländer konjunkturell abzuschreiben, dürfte verfrüht sein. Russland hat sich nicht nur durch die Aktion in Syrien wieder ins internationale Spiel gebracht, die Stabilisierung an den Energiemärkten ist eine wichtige Stütze. Spannend wird es beim Rubel: Er hat gegenüber Euro und Dollar nun zweimal sein Tief getestet, einmal zu Jahresbeginn, einmal im August. Wenn hier die Stabilisierung gelingt, wäre das ein wichtiges Signal für ein Comeback Russlands.

Auf Brasilien und die Türkei jetzt schon zu setzen, wäre verfrüht. Doch auch hier zeigt die Entwicklung keineswegs zwangsläufig nach unten. Für Brasilien wird es entscheidend sein, ob sich die Notierungen an den internationalen Rohstoffmärkten stabilisieren. Dafür gibt es durchaus Anhaltspunkte, immerhin läuft die Rohstoffbaisse schon seit 2011. Der Türkei kommt zugute, dass das Land in den aktuellen Konflikten (vom Syrienkrieg bis zur Flüchtlingsfrage) eine Schlüsselstellung innehat. Und ein Land mit einer solchen Bedeutung kann in der Regel immer mit substanzieller Hilfe von außen rechnen – und auch das zeichnet sich derzeit ab.

Doch nur eine Bärenmarkt-Rally?

Allein in den vergangenen fünf Tagen hat der Dax 500 Punkte gewonnen. Seit dem 2. Oktober, als an dieser Stelle erstmals wieder Chancen im Dax beschrieben wurden, sind es 1000 Punkte Plus. Ist der Markt damit schon wieder zu weit gelaufen?

Strenggenommen findet im Dax noch immer nur eine Bärenmarktrally statt. Trotz der jüngsten Avancen verläuft der Dax unterhalb der 200-Tage-Linie, unterhalb des Abwärtstrends, der sich seit Frühjahr gebildet hat und unterhalb des vorangegangenen Tiefs vom Juli. Zudem hat die Erholungsbewegung vom Oktober die klassischen Kennzeichen eines kurzen, abgeschlossenen Trends mit einer ersten Erholungsbewegung, einer Konsolidierung und einem zweiten Anstieg. So gesehen wäre es nicht verwunderlich, wenn der Dax in den nächsten Tagen wieder etwas nachgibt.

Auch die Marktstärke ist unter mittelfristigem Blickwinkel noch nicht berauschend. Bisher notieren erst 40 Prozent der Dax-Aktien oberhalb ihrer 200-Tage-Linie. Selbst wenn sich dieser Wert noch etwas verbessern sollte, signalisiert das nach wie vor einen Markt in der Schwebe.

Fazit: Die hohe Dynamik im Dax spricht für eine Fortsetzung der Erholung. Damit es für den Gesamtmarkt aber wirklich Entwarnung gibt, müsste der Dax in den nächsten Wochen in den Bereich 11000 bis 11500 vordringen. Dort könnte er dann wiederum eine kurze, mehrwöchige Konsolidierung einleiten – und danach seinen langfristigen Aufwärtstrend fortsetzen.

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