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Riedls Dax-Radar

Absturzgefahr gebannt, Börsenrally voraus

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Spannung bei E.On und RWE

Selbst die schwer gedrückten Versorgeraktien machen wieder Boden gut. Sie haben wegen der geschwundenen Marktkapitalisierung zwar nicht mehr die Bedeutung für den Dax wie in den vergangenen, guten Jahren. Doch wenn selbst E.On und RWE ein paar Euro zulegen, ist das kein schlechtes Zeichen für die Gesamtstimmung.

Der fundamentale Hintergrund der Versorger ist problematisch. Ohne Frage ist es positiv, dass sie nach dem von der Bundesregierung in Auftrag gegebenen Gutachten keine neuen Rückstellungen für den Rückbau ihrer Kernkraftwerke und die Entsorgung der Altlasten vornehmen müssen. Bei E.On stehen hier derzeit etwas mehr als 18 Milliarden Euro in der Bilanz, bei RWE sind es mehr als 10 Milliarden. Hätten die Versorger hier sofort mehrere Milliarden zusätzlich zurückstellen müssen, hätte das ihre ohnehin angespannte Kapitallage noch einmal verschärft.

Wie teuer nun der Rückbau und die Altlasten in ferner Zukunft wirklich werden, kann heute niemand sagen. Allein die Veränderung des Zinsniveaus bis dahin beeinflusst die Höhe der Rückstellungen dafür in hohem Maße. RWE und E.On sind zwar in ihrer Bilanzpolitik bestätigt worden und müssen nicht aufstocken, die große Unsicherheit über die wirklichen Belastungen aber bleibt – und Unsicherheit ist ein klassischer Kursdrücker.

Schluss mit Versorger-Bashing

Positiv sind die Signale aus der Regierung zu werten. Bisher sah es nach einer harten Konfrontation mit dem Wirtschaftsministerium aus. Nun aber gibt es Äußerungen, nach denen Gabriel durchaus mit der weiteren Zukunft der Versorger plant – das heißt: mit ihrer Existenz wird in Zukunft gerechnet. Selbst das wurde an der Börse in den vergangenen Tagen und  Wochen in Zweifel gezogen.

Börse



Der Haken daran: Nun einfach als Aktionär auf die Wende der Aktienkurse zu setzen, könnte sich als naiv erweisen. Wieder sei hier das Beispiel der Commerzbank genannt. Auch hier hat sich der Staat für den Bestand der Bank eingesetzt. Das aber verhinderte nicht, dass letztlich Aktionäre über dramatisch sinkende Kurse die Zeche bezahlten. Es wäre nicht verwunderlich, wenn es im Fall der Versorger ähnlich käme.

Konkret heißt das: E.On und RWE sind derzeit kein Investment, sondern allenfalls ein schneller Zock für diejenigen, die sich kurze bis mittelfristige Marktbewegungen zutrauen. Dass E.On-Aktien mittlerweile auf dem Niveau von 1994 angekommen sind (auf die Vorgänger Veba und Viag bezogen) und RWE auf dem Stand von 1987, signalisiert die Ausnahmesituation, in der beide Konzerne stecken – auch nach der Entspannung in der Rückstellungsfrage.

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