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Riedls Dax-Radar

Starker Aktienmarkt mit Appetit auf mehr

Allen Krisen zu Trotz ging der Dax erstmals mit mehr als 11.000 Punkten aus dem Handel. Eine Lösung im Griechenland-Streit könnte ein weiteres Kaufsignal sein. Was für und was gegen weitere Kursgewinne spricht.

DAX mit über 11000 Punkten Quelle: dpa Picture-Alliance

Die griechische Regierung ist offensichtlich zu Verhandlungen mit der EU über weitere Hilfen bereit; die harte deutsche Haltung signalisiert, dass es hier noch einige zähe Gespräche geben wird. Für die Wertpapiermärkte hat sich durch die jüngsten Aktionen der Griechen nichts an der bisherigen Einschätzung geändert: Es wird eher mit einer Einigung gerechnet, die allerdings die Geberländern letztlich teurer kommen dürfte als bisher angenommen. Dafür aber, so die Logik der Märkte, werden die Zinsen umso länger unten bleiben – was wiederum die Hausse am Laufen hält.

Dass der Dax trotz medial schwer präsenter Dauerkrisen in Griechenland und Russland am Allzeithoch notiert, ist für viele Außenstehende und selbst Börsenaktive unverständlich. Es fällt derzeit leichter, Argumente gegen Aktien zu finden als dafür:

Fünf schwere Probleme für den Aktienmarkt…

  • Die Krise in Russland hat zu einer neuen Eiszeit zwischen den westlichen Industrienationen und Russland geführt – wobei das für Deutschland allein schon wegen seiner geographischen Lage eine schwierige Situation ist (die sich derzeit vor allem in Reibungen mit dem atlantischen Partner USA offenbart.)

  • In Europa und weltweit ist die Verschuldung so weit gestiegen, dass nach einer gängigen buchhalterischen Rechnung bei vielen Ländern keine reale Chance mehr besteht, dass diese Schulden in absehbarer Zeit in realen Werten zurückgezahlt werden.

  • Das Misstrauen in die Papierwährungen wächst rund um den Globus – vor allem, da immer mehr Notenbanken dazu übergehen, durch Zinssenkungen und andere administrative Eingriffe die Währungen zu drücken, um damit einerseits die Wirtschaft im eigenen Land zu stützen und andererseits deflationäre Tendenzen durch importierte Preissteigerungen abzuschwächen.

  • Als Folge der Geldschwemme sind bei Anleihen, Immobilien und zum Teil auch bei Aktien Bewertungsblasen entstanden, die sich durch fundamentale Gewinn- und Renditeentwicklungen nicht mehr rechtfertigen lassen. Wenn etwa rumänische Staatsanleihen mittlerer Laufzeit keine zwei Prozent Rendite mehr bringen, ist es offensichtlich, dass das Risiko nicht mehr angemessen bezahlt wird.

  • Dass die Aktienmärkte seit dem Crash von 2008/09 nun schon im siebten Jahr der Hausse stehen (mit einer mittleren Unterbrechung 2011), schürt die Angst vor dem Zusammenbruch. Statistisch gab es in den vergangenen drei Jahrzehnten alle fünf Jahre einen Crash oder eine schwere Baisse.

Steht der gesamte Aktienaufschwung also auf tönernen Füßen – und führen die aktuellen Krisen in Griechenland und in Russland früher oder später zu dem großen Zusammenbruch?

Sicher beantworten lässt sich dieser Frage – leider – nicht. Denn ebenso, wie es zentrale Argumente gegen Aktien gibt, gibt es zentrale Argumente für Aktien.

Alle Dax-Aktien im Härtetest

…und fünf Gründe für weitere Kursgewinne

  • Die Krisen, aktuell vor allem in Russland und Griechenland, führen dazu, dass die Zinsen auf einem extrem niedrigen Niveau sind, das mit der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der starken Länder (etwa Deutschland) nichts mehr zu tun hat. Das ist wie ein Extraturbo, der die Konjunktur immer wieder am Laufen hält und Schwächephasen ausgleicht. Das ist gerade in den vergangenen Monaten wieder offensichtlich geworden durch stärkere Leistungsdaten und erhöhte Wachstumsprognosen.

  • Für europäische Unternehmen führt die Zinspolitik dazu, dass sie über einen günstigen Euro international beflügelt werden. Diese Währungsvorteile mögen ordnungspolitisch umstritten sein, faktisch führen sie zu höheren Umsätzen und Gewinnen – und das zählt für internationale Investoren.

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