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Riedls Dax-Radar (Teil 3)
Quelle: Imago/Bloomberg

Nach Dax-Rekord: Die spannendsten Wende-Spekulationen

Der deutsche Aktienindex Dax ist auf den höchsten Stand seiner Geschichte gestiegen. Welche Papiere für Anleger interessant werden – und wovon man besser die Finger lässt. Teil 3 eines Kurz-Checks aller 30 Einzelaktien im Dax.

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Der Dax ist auf den höchsten Stand seiner Geschichte gestiegen. Der Leitindex war bereits im frühen Handel auf bis zu 13 818,65 Punkte gestiegen und hatte damit die alte Bestmarke vom Februar übertrumpft. Zum Schlussgong stand noch ein Plus von 1,49 Prozent auf 13 790,29 Punkte zu Buche. Sie lesen hier den dritten Teil einer Artikelserie, die alle 30 Einzelaktien im Dax einem Schnellcheck unterzieht. In Teil 1 ging es um die Konjunkturgewinner und Trend-Favoriten im Dax. Teil 2 nimmt die Aktiengruppe der soliden Dauerläufer und Wackelkandidaten mit Nachholbedarf in den Fokus.

Fünfte Gruppe: Momentum-Spieler

Mit hohen Kursgewinnen und zum Teil langfristigen Trends sind einige Dax-Aktien ganz besonders verlockend. Wer hier mitspielt, sollte von den grundlegenden Trends und dem Geschäftsmodell der jeweiligen Unternehmen wirklich überzeugt sein. 

Delivery Hero, Dax-Aufsteiger des vergangenen Jahres, konnte seinen Kurs binnen zwei Jahren vervierfachen. Dabei macht der Essenslieferdienst nicht einmal echte Gewinne, punktet aber durch hohes Umsatzwachstum, zusätzlich angetrieben durch die Coronakrise. Ob sich das Geschäftsmodell eines Tages auch durch nachhaltige Erträge auszeichnet, ist offen. Dass Delivery Hero in manchen Ländern auf politischen Widerstand stößt und die Aktie analytisch überbewertet ist, mahnt zur Vorsicht. Andererseits zieht der Kurs so dynamisch nach oben, dass ein Ende dieses Momentum-Trends noch nicht absehbar ist.

Seit Vonovia vor fünf Jahren in den Dax aufstieg, hat sich die Aktie in einer kontinuierlichen Aufwärtsbewegung verdoppelt. Die große regionale Streuung der 400.000 eigenen Wohnung erweist sich als Vorteil. Mit durchschnittlich 2000 Euro Verkehrswert je Quadratmeter ist hier auch keine Überbewertung in Sicht. Die internationale Expansion kommt voran. Der stabile Anteil des Mietgeschäfts und die solide Finanzierung machen das Unternehmen resistent gegen eine Abschwächung des Immobilienbooms. Zwischen 50 und 55 Euro könnte die Aktie für Neukäufer wieder interessant werden.

Deutsche Wohnen entwickelte sich in den vergangenen Monaten nicht mehr ganz so dynamisch, da der Immobilienkonzern fast drei Viertel seiner Wohnungen in Berlin hat. Das ist eine Chance, weil Berlin ein Wachstumsmarkt ist – aber auch in Risiko, weil die Stadt stark reguliert wird. Mit Spannung wird das Urteil des Verfassungsgerichts in Karlsruhe erwartet, ob der Mietendeckel in Berlin bestehen bleibt. Für den jüngsten Trend der Aktie wäre es vorteilhaft, dass die Kurse in der aktuellen Korrektur nicht unter 40 Euro rutschen.

Sechste Gruppe: Wende-Spekulationen

Einige Aktien im Dax locken mit einem hohen Kurspotenzial, sollte dem Unternehmen die Wende gelingen. Wer mitmacht, braucht Nervenstärke und Durchhaltevermögen.

Die Deutsche Bank verdient mit ihrem Investmentbanking, dem Geschäft mit Wertpapieren und Anlagemärkten, wieder wichtiges Geld. Die Kostensenkungen kommen langsam voran, die Kreditausfälle werden in einer Bad Bank ausgelagert. Analytisch ist die Aktie keineswegs teuer, doch eine nachhaltig stabile Gewinnentwicklung steht bisher noch aus. Bei Kursen um zehn Euro ist die Erholung der Aktie erst einmal zum Stoppen gekommen. Solange die Notierungen nicht wieder unter den Bereich 7,50 bis 8,00 Euro sinken, bleibt das Szenario der Wendespekulation intakt.

Bayer sollte eigentlich mit seiner Kombination aus Pharmageschäft, frei verkäuflichen Medikamenten und Agrarchemie an der Börse viel mehr wert sein als es die aktuelle Marktkapitalisierung widerspiegelt. Doch die Altlasten der Monsanto-Übernahme, tausende offenen Klagen und ein riesiger Schuldenberg, drücken den Kurs. Ein Anstieg über das Niveau von 60 Euro wäre ein positives Signal. Davon ist die Aktie derzeit weit entfernt, Anleger sollten erst einmal zurückhaltend bleiben.

MTU Aero Engines kommt mit seiner Erholung dank der Nachfrage im Frachtverkehr voran. Doch bis die Luftfahrt insgesamt wieder das Niveau von vor der Krise erreicht, wird es Jahre dauern. Immerhin, energiesparende Technik des Triebwerkspezialisten MTU wird in Zukunft gefragt sein. Dem Kursanstieg auf über 200 Euro könnte im Zuge einer verschärften Coronakrise wieder ein Rückschlag in Richtung 160 Euro folgen.

Adidas zog in der Erholung nach dem ersten Lockdown bis auf 300 Euro an. Nun warten Anleger auf die Erholung nach der zweiten Coronaphase. Ob die Aktie angesichts der jüngsten Verschärfung der Pandemie ihr Niveau halten kann, ist fraglich. Strategisch wäre der Verkauf der problematischen US-Tochter Reebok eine Entlastung.

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SAP wird von der Pandemie stärker getroffen als erwartet. Offensichtlich halten sich in der Coronakrise doch zahlreiche Kunden von weiteren Softwareinvestitionen zurück. Die Entwicklung hin zum Cloudgeschäft kommt voran, ist aber aufwendig. Zahlreiche Zukäufe führen zu hohen Firmenwerten in der Bilanz – das birgt Abschreibungsrisiken, sollten sich die Neuerwerbungen nicht wie erwartet entwickeln. Bei Kursen unter 100 Euro ist die Aktie zunächst ein spekulativer Kauf. Unter 90 Euro allerdings sollte der Kurs nicht sinken. In diesem Fall könnte es sogar zu einer zweiten Verkaufswelle kommen.

Mehr zum Thema: Kaufen, halten, verkaufen – alle 30 Dax-Aktien im Check. Außerdem zur Anlagestrategie 2021: Sollten Anleger lieber Aktien und Gold oder Immobilien und Bitcoin kaufen?

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