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Riedls Dax-Radar
Die Logos von Amazon, Apple, Facebook und Google: Die großen Techwerte steigen an der Börse wieder in der Gunst der Anleger. Für den Dax ist das ein gutes Zeichen. Quelle: REUTERS

US-Techwerte stabilisieren den Dax

Die Dynamik von Konjunktur und Rohstoffpreisen dürfte bald zu einem neuen Renditeschub an den Anleihemärkten führen. Dennoch halten sich die Aktienbörsen erstaunlich gut. Sie verdanken das der neuen Stärke ihrer alten Technologie-Favoriten. 

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Seit der Spitze bei 1,75 Prozent Ende März sind die Renditen für zehnjährige US-Anleihen auf dem Rückzug. Die aufsehenerregende Aussage von Fed-Chef Jerome Powell über eine möglicherweise vorgezogene Zinserhöhung durch die amerikanischen Notenbank hat an dieser Tendenz bisher nichts geändert. Sie führte lediglich kurzfristig im Tagesverlauf zunächst zu einem schnellen Anstieg auf 1,59 Prozent, dann zu einem Rückschlag auf 1,36 Prozent. Und auch hinter solchen Ausschlägen stehen nicht weltbewegende Neueinschätzungen von Investoren, sondern es sind vor allem Folgen von Auflösungen von Terminpositionen, die im Vorfeld der Fed-Rede eingegangen worden sind. Mit aktuell 1,50 Prozent liegen die Renditen etwa in der Mitte der seit März leicht abwärts geneigten Schwankungszone. Es besteht also kurzfristig kein besonderer Druck in Richtung steigende oder fallende Zinsen. 

Das allerdings könnte sich in den nächsten Monaten ändern. Der Auslöser dafür dürfte von den Rohstoffmärkten kommen, die mittlerweile schwer in Bewegung geraten sind. 

Am Markt für Bauholz gab es sogar einen regelrechten Crash, bei dem sich die Notierungen seit der Spitze Anfang Mai glatt halbiert haben. Nun sind die Preise wieder bis auf das Niveau von September 2020 zurückgefallen. Kupfer notiert aktuell ein Zehntel unter der Preisspitze vom Mai, bei Eisenerz sind es etwa fünf Prozent, bei Aluminium zwei bis drei Prozent. Besonders heftig erwischte es die Edelmetalle Gold und Platin, bei denen es zu den schärfsten Preisrückgängen seit mehreren Monaten kam. 

Allerdings, so heftig diese Rückschläge auch kurzfristig aussehen, im großen Bild ist keine neue Abwärtstendenz in Sicht. Das zeigt sich vor allem am der wichtigsten Rohstoffkurve, dem Ölpreis. Hier haben die Notierungen für ein Fass Brent im Mai zwar ebenfalls nachgegeben, der Rückgang von 70 auf 65 Dollar fiel aber ziemlich verhalten aus. Seitdem Brent dann Anfang Juni wieder über das alte Hoch bei 70 Dollar vorgedrungen ist, setzt sich der alte Aufwärtstrend fort. Nächste Zielzone dürften die Preisspitzen aus dem Jahr 2018 sein, die im Bereich um 85 Dollar liegen.

Die generelle Aufwärtstendenz an den Rohstoffmärkten, die im Frühjahr 2020 nach dem Coronaeinbruch begann, ist nach wie vor intakt. Gegenbewegungen mögen auf Einzelmärkten wie Bauholz oder auch Stahl heftig ausfallen, an der großen Richtung ändern sie bislang nichts. 

Immer mehr Unternehmen werden Rohstoffkosten auf ihre Verkaufspreise überwälzen

Der Rohstoffboom hat mittlerweile eine solche Breite erreicht, dass er in immer mehr Branchen zu Preiserhöhungen führt. Dieser Effekt wird umso stärker ausfallen, je mehr die Nachfrage im Zuge der Konjunkturerholung anzieht und je mehr spezielle Rohstoffe von den großen Trends absorbiert werden: Das beginnt bei den fossilen Energieträgern Öl und Gas, bei denen der Bedarf weltweit gesehen keineswegs abbricht, geht über Kupfer und Silber für die Digitalisierung und die Energiewende bis hin zu Lithium für die Elektromobilität. 

Zu welchen Preiseffekten dies führen kann, zeigt das Beispiel des Konsumchemikers Henkel. Die Düsseldorfer konnten ihren Umsatz im ersten Quartal organisch, ohne Berücksichtigung von Währungsschwankungen, um 7,7 Prozent erhöhen. Der größte Teil davon, 6,0 Prozent, war auf steigende Mengen zurückzuführen, nur 1,7 Prozent auf höhere Preise. Dieses Verhältnis zeigt die typische Phase eines beginnenden Konjunkturanstiegs, in dem die Unternehmen zur Sicherheit lieber mehr verkaufen, als in gleichem Maße sofort dafür höhere Preise zu verlangen. An der Börse gerieten Henkel-Aktien sogar unter Druck, weil Ängste vor ausufernden Rohstoffkosten aufkamen. 

Doch gerade die starke Nachfrage nach Henkel-Produkten, nach Reinigungsmitteln genauso wie nach Klebstoffen, dürfte in Verbindung mit der führenden Marktposition des Unternehmens in den nächsten Monaten zu einer neuen Entwicklung führen: Um die steigenden Rohstoffkosten abzufangen, dürfte Henkel dies Schritt für Schritt auf die Verkaufspreise überwälzen. Und dann werden die Mengen nicht wie bisher 3,5mal so stark steigen wie die Preise, sondern vielleicht nur noch zweimal so stark – oder mittelfristig sogar in gleichem Verhältnis. 

Nun sind Henkel-Produkte aber in vielen Branchen vertreten, von der Autoindustrie über die Bauwirtschaft bis hin zum Verkauf im Einzelhandel. Preiserhöhungen werden sich also im industriellen Geschäft genauso auswirken wie im privaten Konsum. Und weil dies natürlich nicht nur Henkel so macht, sondern wahrscheinlich auch Beiersdorf oder Procter & Gamble, wird dies die allgemeine Preissteigerung und damit die Inflationstendenz weiter anheizen. Und spätestens dann werden auch die Zinsen nicht mehr nur moderat auf der Stelle treten. 

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