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Riedls Dax-Radar

USA als wichtige Kursstütze für den Dax

Die Zwischenerholung im Dax läuft. In Kürze wird sich entscheiden, ob daraus mehr wird als eine Bärenmarktrally. Die nächsten Monate an den Aktienmärkten werden kein Spaziergang.

Aktien haben den schwächsten Jahresstart seit Jahrzehnten hingelegt. Quelle: REUTERS

Die Stimmung in der Wirtschaft ist schlecht. Der vielbeachtete Ifo-Indikator ist zuletzt sogar unter 100 gesunken. In den USA ist die Zahl der Pessimisten so hoch wie seit Monaten nicht mehr. Der Goldpreis hat in den vergangenen Wochen 200 Dollar gewonnen. Das war einer der stärksten Anstiege in der gesamten Goldpreis-Baisse seit 2013.

Aktien haben hingegen den schwächsten Jahresstart seit Jahrzehnten hingelegt. Und nun verliert auch noch die amerikanische Wirtschaft, die lange als wesentlich robuster galt als die europäische. Dennoch, ausgerechnet aus Amerika kommen nun Signale, die der laufenden Bärenmarktrally ordentlich Treibstoff geben.

In den Abschlüssen vieler US-Unternehmen, zumal der großen, internationalen Konzerne im Dow Jones, hat der im vergangenen Jahr starke Dollar tiefrote Spuren hinterlassen. Der Pharma- und Medizintechnikkonzern Johnson & Johnson etwa hätte dank eines operativ stabilen Geschäfts eigentlich wie üblich einen soliden Umsatzanstieg erzielt. Hat er aber nicht, weil die Währungsverluste im internationalen Geschäft zu hoch waren. Der amerikanischen Notenbank Fed dürfte diese Entwicklung bei amerikanischen Vorzeigeunternehmen mehr zu denken geben als die marode Wirtschaft in vielen Schwellenländern.

Das wurde 2015 aus 100.000 Euro
Ukraine Quelle: dpa
Brasilien Quelle: dpa
Ölverschmierte Hände Quelle: dpa
Aktien Griechenland Quelle: dpa
Magere Schweine Quelle: dpa
Kaffee Quelle: dpa
Atomkraft Quelle: dpa

Der Vermögensverwalter Jens Ehrhardt, der die Aktienmärkte seit jeher betont von der Zinsseite her betrachtet, sieht in der Notenbankpolitik von Janet Yellen den eigentlichen Grund für den scharfen Einbruch an den Aktienmärkten. Im Umkehrschluss aber hieße das: Sollte sich diese von Yellen im Dezember eingeleitete Zinspolitik als Irrweg erweisen, gäbe es auch keinen Grund mehr für die Aktienbaisse.

Ausgeglichenes Doppel mit Dollar und Euro

Im Dezember hat Yellen die Zinsen erhöht, weil die US-Wirtschaft über Monate sehr gut lief. Wahrscheinlich wollte sie schon früher die Zinsen straffen, aber die aufziehende Krise an den Anlagemärkten hat sie zögern lassen. Manche Kritiker meinen, sie hätte zu lange gezögert und das Zeitfenster für die Zinswende nicht richtig genutzt. Einerlei – denn wenn die Einschätzung von Ehrhardt stimmt, hätte sie damit früher oder später ohnehin Wirtschaft und Aktienmarkt abgewürgt.

Alle Dax-Aktien im Check für 2016

Kann die Fed, nach den bitteren Erfahrungen der vergangenen Wochen, die Zinsen überhaupt noch einmal substanziell anheben? Für Janet Yellen geht es wahrscheinlich nur noch darum, in der aktuellen Situation den Schaden zu begrenzen, also die US-Wirtschaft nicht noch tiefer abkippen zu lassen. Einen neuen Versuch einer großen Zinswende dürfte sie kaum noch starten.

Nichts zeigt dieses Spannungsfeld so gut wie die Währungsmärkte. Der Euro, der von 2014 bis 2015 fast ein Drittel seines Werts gegenüber dem Dollar eingebüßt hat, konnte sich in den vergangenen Monaten stabilisieren – trotz Krisen in Europa, verhaltener Wirtschaftsentwicklung und dem Auseinanderdriften des alten Kontinents, sichtbar derzeit vor allem durch die Gefahr eines Brexits.

Zwischen 1,05 Dollar und 1,15 Dollar vollzieht der Euro derzeit ein Kursbild, das einer klassischen Wende sehr ähnlich ist: einem Doppelboden, der bei einem Anstieg über 1,15 Dollar ein starkes Kaufsignal gäbe. Die technische Schwäche, die dieser Konstellation vorangegangen ist, war die Erwartung der amerikanischen Zinswende. Wenn diese Erwartung nun aber verfliegt, könnte der Euro in den nächsten Monaten sogar stärker werden, als bisher erwartet.

Noch ist es nicht soweit. Vor allem der EZB dürfte das wiederum nicht gefallen, genau deshalb kamen von Draghi sofort Hinweise auf eine noch laxere Geldpolitik seinerseits. Dass sich der Euro daraufhin auch schnell wieder von der neuralgischen Obergrenze bei 1,15 Dollar entfernt hat, spricht bis auf weiteres für eine Seitwärtsbewegung, also Schwankungen des Euro in der Bandbreite 1,05 bis 1,15 Dollar.

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