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Riedls Dax-Radar
Hektisches Spiel um den großen Börsentrend im Dax. Quelle: dpa

Welche der fünf Top-Dax-Werte sich jetzt lohnen

Die Kurskorrektur im Dax könnte sich ausweiten. Kurzfristige Erholungen bieten die Möglichkeit, Kasse zu machen. Das sind die Aussichten der fünf größten Dax-Werte SAP, Siemens, Allianz, Bayer und BASF.

Fast 1000 Punkte hat der Dax in nicht einmal zwei Wochen verloren. Das ist heftig, aber nicht ungewöhnlich. In der zweiten Juni-Hälfte ging es mit ähnlicher Dynamik bergab; Ende Januar bis Anfang Februar waren die Verluste sogar noch größer. Keiner dieser Abschläge hat die große Tendenz umgedreht und eine Baisse eingeleitet.

Dennoch, der deutsche Aktienmarkt ist ernsthaft angeschlagen. Die Konstellation einer oberen Wendeformation im Kurs ist nicht wegzudiskutieren. Sie besteht nicht nur im Dax, sondern ebenso ausgeprägt in MDax, SDax, TecDax sowie vielen europäischen Indexkurven. Auch zahlreiche Einzelwerte zeigen deutliche Anzeichen einer langfristigen Ermüdung. 

Der Dax sackte am Donnerstagnachmittag bis zu der als entscheidend geltenden Untergrenze von 11.400 Punkten. Nach diesem ersten Ausverkauf kam es zu einer vorsichtigen Erholung. Am Freitag setzt der Dax diese Erholung fort und erreicht im Laufe des Vormittags bisher in der Spitze 11.700 Punkte. 

Hektische Sprünge dieser Art kennzeichnen die angespannte Lage an den Aktienmärkten. Die Volatilitätsindizes, mit denen die erwarteten Kursschwankungen gemessen werden, sind in den 20er-Bereich vorgedrungen. Das ist erhöhte Nervosität, aber noch kein Crash-Modus. Der wird erst bei 30 bis 40 Prozent erreicht – wie etwa im Februar dieses Jahres. Das aber heißt: Sollte in den nächsten Tagen die Stabilisierung fehlschlagen, müssen Anleger danach mit weiteren, womöglich heftigen Turbulenzen rechnen. In der Regel gehen Volatilitätsspitzen mit sinkenden Kursen einher. 

Auch an den US-Börsen, die sich bisher vergleichsweise gut gehalten haben, kam es am Donnerstag zu schweren Verlusten. Oft treten an den US-Märkten am Ende einer schwachen Sitzung starke Käufer auf. Davon war dieses Mal nichts zu sehen. Dow Jones, Nasdaq und S&P sind bis in den wichtigen Bereich ihrer langfristigen Durchschnittslinien zurückgefallen. Wie im Dax bedeutet das: Auf diesem Niveau sollte es erst einmal zu einer Erholung kommen. 

Das Umfeld gäbe eine solche Erholung her. In Kürze beginnt die Berichtssaison für das Sommerquartal. Da die allgemeinen Wirtschaftszahlen für die vergangenen Monate nicht schlecht waren und die Erwartungen vieler Anleger sich mittlerweile eingetrübt haben, besteht wenig Enttäuschungspotenzial. Wie Aktien in einer solchen Situation reagieren, zeigt sich – in der zweiten Reihe – an einem Klassiker wie Südzucker: Obwohl die Gewinne zusammengeschmolzen sind, kann sich die Aktie nach mehreren schwachen Wochen deutlich erholen. 

Im Dax vollzieht Bayer, einer der fünf wichtigsten Indexwerte, eine ähnliche Entwicklung. Hier kam es im September im Umfeld schlechter Nachrichten zu einem Kurstief um 70 Euro; seitdem läuft eine moderate Erholung. Die Diskussion um den Monsanto-Kauf  und die Frage, wie erfolgreich Bayer mit neuen, bahnbrechenden Medikamenten ist, werden Börsianer weiterhin umtreiben. Bis 85 Euro könnte die Aktie in den nächsten Wochen vordringen. Das große Kursbild spricht aber eher dafür, dass sich danach die Abwärtsbewegung fortsetzen könnte. 

Auch BASF, in der Dax-Gewichtung derzeit Nummer fünf, hat schon ein Verkaufssignal geliefert. Hier war es der Rutsch unter die Marke von 80 Euro, der schnelle Rückgang auf 70 Euro folgte als Bestätigung. Kurzfristig liegt nun eine Gegenbewegung in der Luft. Die Konjunktur in der Chemiebranche läuft passabel, hohe Rohölpreise kann BASF durch sein umfangreiches Ölgeschäft abfedern. 

Bei Siemens, dem zweitschwersten Wert im Dax, ging der Rückschlag bis auf 100 Euro. Diese Zone ist wichtig, weil sie sich wie eine Achse durch das langfristige Kursbild zieht. Am 8. November wird Siemens die Eckdaten zum Geschäftsjahr 2017/18 veröffentlichen. Allzu viel sollten sich Anleger davon nicht erwarten, da es bei Siemens in den vergangenen Monaten einige operative Enttäuschungen gab und der Konzern eine Dauerbaustelle ist – womit immer wieder außerplanmäßige Aufwendungen anfallen. Immerhin, allzu teuer ist die Aktie für Siemens-Verhältnisse nicht mehr. Selbst in einer wackligen Börse sollte sich der Kurs zunächst zwischen 100 und 110 Euro halten. 

Die wichtigsten Aktien im Index KW41

Top-Wert im Dax bleibt SAP. Dass die Aktie in den vergangenen Tagen im Zuge der allgemeinen Abschläge auch nachgegeben hat, ist nicht auf eine Schwäche des Unternehmens zurückzuführen. Am 21. Oktober wird SAP die Zahlen zum dritten Quartal veröffentlichen. Die Erwartungen liegen bei mehr als einer Milliarde Euro Reingewinn. Insgesamt dürfte SAP in diesem Jahr auf deutlich mehr als vier Milliarden Euro netto steuern. Daran gemessen sind 120 Milliarden Euro Börsenwert natürlich kein Schnäppchen; doch selbst wenn die Aktie etwas unter 90 Euro rutscht, bleibt sie noch im langfristigen Aufwärtstrend. 

Sogar Vorteile hat die aktuelle Entwicklung an den Kapitalmärkten für die Allianz, Nummer drei im Dax. Mit der Aussicht auf höhere Zinsen fällt es den Versicherern leichter, für ihre Kunden Erträge zu erwirtschaften. Zudem konnte die Allianz in den vergangenen Jahren dank ihrer Finanzkraft ihre Marktposition in ihren Kerngeschäftsfeldern ausbauen. Günstig und rentabel ist die Aktie ohnehin. Die Spannbreite für die nächsten Wochen könnte zwischen dem Juni-Tief um 170 Euro und der Marke von 200 Euro liegen.

Bei Bayer und BASF kam es bisher zu größeren Verkaufssignalen. Bei Siemens sieht die Entwicklung etwas besser aus, Allianz ist weitgehend stabil, SAP eher stark. Geht es nach den fünf schwersten Einzelwerten im Dax, die derzeit zusammen fast 45 Prozent der Indexgewichtung ausmachen, setzt sich die mittelfristige Korrektur im Gesamtmarkt erst einmal fort. Nach den heftigen Verlusten der vergangenen Tage ist kurzfristig eine Erholung in den Bereich um 11.800 Punkte möglich. Danach dürfte aber ein weiterer Tiefentest anstehen, bei dem der Dax mindestens noch einmal bis 11.400 Punkte abrutscht. Wenn dieses Niveau nicht hält, könnte es in einem Ausverkauf bis in Richtung 10.000 Punkte gehen. Spätestens dann wird es um Neu- oder Rückkäufe gehen. Ein Kandidat dafür ist SAP.

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