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Riedls Dax-Radar
Warren Buffett Quelle: imago images

Wenn Buffett kauft, stimmt der Trend

Turbulenzen in Schwellenländern sind ein Risiko für die Börsen, dürften den Aufwärtstrend aber nur vorübergehend bremsen. Die zentralen Antriebskräfte, reichliche Geldversorgung und gute Konjunktur, sind intakt.

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Warren Buffett stockt seine Beteiligung an Apple auf und kauft eigene Aktien. Diese Aktionen des Altmeisters werfen ein Schlaglicht auf das Dilemma der Börsen: Einerseits gibt es Top-Aktien, die offensichtlich immer noch gute Aussichten bieten. Andererseits ist das Angebot an diesen Werten so gering geworden, dass man die reichlich vorhandenen Anlagemittel schon in das eigene Unternehmen stecken muss. 

Oder man kauft für 48 Millionen Dollar einen Ferrari GTO Baujahr 1962, wie vor kurzem ein solventer Autofreund, der damit einen neuen Rekordpreis auf dem Oldtimermarkt bezahlte. Knapp 600.000 Euro kostet derzeit schon ein Reihenhaus in Düsseldorf in guter Lage, das vor einem Jahrzehnt gerade einmal halb so viel gekostet hat. Jetzt hat es eine junge Familie zum Wohnen gekauft, nicht zum Spekulieren. 

Buffett, teure Ferraris und die Entwicklungen am Immobilienmarkt geben Aktienanlegern eine wichtige Botschaft: Die grundlegende Voraussetzung der Hausse, die Liquiditätsversorgung, ist intakt. 

Die teuersten Oldtimer von Pebble Beach
Versteigerung beim Bonhams und RM Sotheby's Quelle: WirtschaftsWoche
Versteigerung beim Bonhams und RM Sotheby's
Versteigerung Bonhams imd RM Sotherby's
Versteigerung Bonhams und RM Sotheby's
Versteigerung Bonhams und RM Sotheby's
Versteigerung Bonhams und RM Sotheby's
Versteigerung Bonhams und RM Sotheby's

Auch bei der zweiten Säule sieht es nicht schlecht aus: Die Entwicklung der weltweiten Konjunktur zeigt nach oben. In den großen Wirtschaftsräumen Nordamerika, Europa und China mögen die Wachstumsprognosen zwar immer wieder justiert werden, am großen Aufwärtstrend aber hat sich bisher nichts geändert. 

Eine reichliche Geldversorgung und eine Konjunktur, die in den Industriestaaten in einer Bandbreite von ein bis drei Prozent zulegt, sind klassische Zutaten für einen langfristigen Aktienanstieg. Den vorerst letzten großen Einschnitt gab es vor einem Jahrzehnt in der Finanzkrise. Dabei kam es vorher zu einer Überhitzung und danach zu einem Konjunktureinbruch. Damit verglichen sieht die aktuelle Entwicklung viel harmloser aus. 

Krisenherde in der Türkei und in Argentinien 

Das heißt natürlich nicht, dass es keine Gefahren gäbe. Kursturbulenzen finden derzeit sehr wohl statt, am heftigsten auf den Währungsmärkten. Der Argentinische Peso kollabiert, weil sich die Hoffnungen auf ein Comeback der Marktwirtschaft durch Präsident Mauricio Macri in Luft aufgelöst haben. In der Türkei sieht es immer mehr danach aus, dass die Mischung aus innenpolitischen Spannungen, Krieg im Nachbarland Syrien und der speziellen Auseinandersetzung mit den USA den langen Wirtschaftsaufschwung der vergangenen Jahre abrupt beenden. Der Argentinische Peso und die Türkische Lira stehen im Zentrum der Schwellenländer-Schwäche. Mit heruntergezogen werden der Brasilianische Real, die Indische Rupie, der Südafrikanische Rand, der Mexikanische Peso und der Chinesische Renminbi. 

Dabei gibt es drei wichtige Gründe, die gegen eine globale Ausweitung der Schwellenländerkrise sprechen. 

Erster Grund: In den meisten Schwellenländern ist die konjunkturelle Entwicklung besser als es die eigene Währung widerspiegelt. China und Russland sind auf moderatem Wachstumskurs. In Mexiko beruhigt sich die Lage nach den jüngsten Vereinbarungen mit den USA; in Südafrika besteht durch die neue Regierung zumindest die Hoffnung auf eine langsame Verbesserung. Indien hat vor kurzem Frankreich als sechstgrößte Volkswirtschaft überholt und ist für die Weltbank ein langfristiger Wachstumskandidat. 

So sieht das Portfolio von Warren Buffett aus

Zweiter Grund: Die in vielen Fällen erhöhten Rohstoffpreise sind für die Schwellenländer unterm Strich ein Vorteil. Russland profitiert von erholten Öl- und Gasnotierungen, China von höheren Metall- und Kohlepreisen, Brasilien von teureren Agrargütern. Problematisch wird es wiederum für die Türkei, die reichlich Rohstoffe einführen muss. Ambivalent ist die Situation in Indien, wo einerseits langfristig mit einem enormen Rohstoffhunger zu rechnen ist, andererseits die Entdeckung und der Abbau von Rohstoffen erst am Anfang steht. 

Dritter Grund: Der Zinsanstieg in Amerika, der in der Regel eine Sogwirkung großer Gelder weg von den Schwellenländern hin zu den USA zufolge hat, dürfte sich verlangsamen. Die jüngsten Äußerungen von Fed-Chef Jerome Powell, der sich besonders auf Alan Greenspan bezog, deuten darauf hin, dass der Druck für weitere Zinserhöhungen in den USA geringer wird. Die Währungsmärkte reagierten prompt, indem der Euro drehte und seine alte Entscheidungszone um 1,16 Dollar wieder nach oben durchstieß. Die jüngste, überraschende Stärke des Euro und die Schwäche des Dollar könnten auf einen Paradigmenwechsel weisen, weg von Janet Yellens Zinswende-Politik. Zugleich schwenkt Powell auf die Linie von US-Präsident Trump ein, dem weitere Zinserhöhungen ein Dorn im Auge sind. Am Kapitalmarkt wurde die neue Linie sofort honoriert: Mit 2,86 Prozent liegt die Rendite für zehnjährige US-Anleihen mittlerweile wieder deutlich unter der Drei-Prozent-Marke. 

Weder Überhitzung noch Rezession in Sicht

Fazit für den Dax: Die Schwellenländerkrise ist ein Risiko, dürfte die große Tendenz an den Asset-Märkten aber nur vorübergehend bremsen. Bemerkenswert ist, wie schnell die Angst vor einer Türkei-Krise an der deutschen Börse verflogen ist. Die Geldpolitik der Fed, die mit Jerome Powell weniger restriktiv als unter seinen Vorgängen ablaufen dürfte, spricht für eine gute Grundversorgung mit Liquidität. Die wirtschaftliche Aufwärtstendenz in den Ankerregionen ist intakt, weder Überhitzungen noch Abgleiten in eine Rezession sind vorerst in Sicht. Die taktgebenden Indizes in den USA sind auf Rekordkurs (vor allem die Technologiewerte) oder fast genau am Top, wie der Dow Jones. Zentrale Aktien wie Apple, Amazon, Microsoft oder Cisco unterstützen die grundlegende Aufwärtstendenz. Andere Branchen, derzeit vor allem die Gesundheits- und Pharmawerte, ziehen nach.

Der Dax hat in diesem Umfeld in den vergangenen Tagen die Untergrenze bei 12.100 Punkten erst einmal verteidigt. Im Gegensatz zu der Entwicklung in den USA fiel der Anstieg wenig dynamisch aus. Kurzfristig wäre es gut, wenn der Dax bei seinem aktuellen Rücksetzer nicht mehr ganz so weit abtaucht wie Ende Juni und Mitte August. Optimal wäre ein kleines Tief im Bereich zwischen 12.200 und 12.300 Punkten und danach ein deutlicher Anstieg in Richtung 200-Tage-Linie. Ein Rückgang auf 12.100 Punkte wäre ein Schwächezeichen, ein Rutsch unter die 12.000er-Zone sogar ein ernstes Verkaufssignal. 

Die starke Entwicklung in den USA spricht aber eher für ein positives Szenario.

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