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Riedls Dax-Radar

Zitterpartie Richtung 11.000 Dax-Punkte

Nach dem Kurssturz im Dax kann sich die Korrektur noch etwas ausweiten, eine große Abwärtswende aber ist wenig wahrscheinlich. Spannend wird es für E.On- und Deutsche-Bank-Aktionäre.

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DAX-Korrektur zu 11.000 Punkten Quelle: rtr

Im ersten Quartal war die US-Wirtschaft schwächer als erwartet. Das ist zwar auch auf Sonderfaktoren zurückzuführen (kalter Winter, Hafenarbeiterstreik), dennoch hatten Anleger wohl letztlich etwas mehr Dynamik erwartet.

Dabei sind die Gründe für die Abkühlung keineswegs überraschend: Verantwortlich ist vor allem der hohe Dollar, der den US-Unternehmen im internationalen Geschäft weh tut; dazu kommen die für das ölproduzierende Land USA schmerzlich niedrigen Ölpreise. Dass der Aufschwung schon seit 2009 läuft und demnach auch von sich aus langsam müde werden könnte, ist ein zusätzliches Risiko.

Nun kommt es auf das zweite Quartal an. Sollte die US-Wirtschaft dann abermals schwächer als erwartet abschneiden, könnte das dann Folgen auf die amerikanische Zinspolitik haben.

Bisher allerdings deuten mehr Anzeichen darauf hin, dass die US-Wirtschaft im zweiten Quartal wieder etwas besser aussieht: Zum einen fallen die Sonderbelastungen des ersten Quartals weg; zum anderen hat sich der Ölpreis etwas über den Tiefen stabilisiert. Eine weitere Erholung der Ölnotierungen in Richtung 70 oder sogar 75 Dollar könnte in den nächsten Wochen möglich sein. Bemerkenswert ist, dass sich zuletzt das für die USA wichtige WTI-Öl stärker als europäisches Brent-Öl erholt hat.

Ebenfalls weiterhin durchaus stabil ist der nächste wichtige Faktor des US-Aufschwungs, der Konsum. Trotz Überhitzungserscheinungen auf dem Immobilienmarkt gibt es noch keine Anzeichen, dass der private Verbrauch an Fahrt verliert. Die Arbeitslosigkeit ist vergleichsweise niedrig.  

Insgesamt könnte die US-Wirtschaft in diesem Jahr an die 2,5 Prozent Wachstum schaffen. Eine Neuorientierung der Zinspolitik sollte damit nicht einsetzen – also ist weiterhin mit einer großzügigen Geldversorgung zu rechnen. Ob es dann im zweiten Halbjahr oder 2016 zu einer Zinserhöhung kommt, ist natürlich offen.

Diese US-Aktien lieben die Analysten

Wieder Rettungsanker Dow Jones?

Die US-Börsen haben auf die Wirtschaftsdaten in den USA kaum reagiert. Das hat vor allem zwei Gründe: Zum einen wird das Zinsniveau in den USA niedrig bleiben, zum anderen besteht nun auch wieder die Aussicht auf einen etwas schwächeren Dollar – eben weil die Wahrscheinlichkeit einer baldigen Zinserhöhung in den USA geringer geworden ist.

Das allerdings, und damit sind wir beim Dax, bekommt deutschen und europäischen Aktien überhaupt nicht. Deshalb läuft hier eine kräftige Korrektur, die Mitte März begonnen hat und die seit Mitte April an Tempo zulegt.

Deutsche Aktien wurden in den vergangenen Monaten von drei Triebkräften angefeuert: Niedrigen Zinsen, günstigen Energiepreisen und einer schwachen eigenen Währung. Nun drohen zwei dieser Faktoren schwächer zu werden oder sogar wegzufallen. Im Öl gibt es eine leichte Erholung, das wird sich in der Kostenrechnung der Unternehmen in den nächsten Wochen niederschlagen; und im Euro ist die Erholung sogar richtig scharf. Heute Morgen gleich um zwei Cent auf 1,12 Dollar.

Das alles trifft auf einen Aktienmarkt, der nach den Rekordanstiegen der vergangenen Wochen ohnehin reif für einen Rückschlag geworden ist.

Abwärtsrisiko noch nicht ausgeschöpft

Kurzfristig hat sich die Situation eingetrübt, die Korrektur könnte sich sogar ausdehnen – so lautete an dieser Stelle vor einer Woche das Fazit zum Dax. Daran hat sich nach dem jüngsten Abtaucher nichts geändert. Nach dem kurzfristigen Verkaufssignal um 11.700 reicht das Abwärtspotenzial zunächst einmal bis rund 11.000. Hier trifft der Dax auf den seit Oktober bestehenden Aufwärtstrend.

Den sollte er verteidigen, und dabei hilft vor allem eine wahrscheinlich stabilere US-Börse. Seit mehreren Jahren läuft zwischen europäischen und amerikanischen Börsen dieses Spiel: Je nach Zins- und Währungsvorteil ist mal der eine Markt vorne, mal der andere. Beide zusammen verlaufen aber in einer großen Aufwärtsbewegung.  

Entscheidend für langfristige Anleger ist, dass es nicht auch noch zu einer deutlichen Schwäche der US-Aktien kommt. Das wäre dann ohne Frage eine gefährliche Mischung und könnte zu einer Abwärtswende führen. Bisher allerdings spricht mehr für eine Korrektur im Dax als für das Ende der Hausse.

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Bei E.On knistert der Kurs

Wieder ins Blickfeld risikofreudiger Anleger rückt die E.On-Aktie. Kein Wunder, dass die Nachzügler genau beäugt werden, da die meisten Dax-Werte eben schon so weit gelaufen sind. Seit E.On die Aufspaltung in das alte Kraftwerksgeschäft (Uniper) und die E.On als Spezialist für erneuerbare Energien verkündet hat, ist der Kurs wie elektrisiert.

Der Grundgedanke hat Charme – und deshalb ist E.On derzeit schon einmal von sich aus interessanter als etwa die trägere RWE. Wenn E.On Mitte 2016 das Kraftwerksgeschäft an der Börse verkauft, wird reichlich frisches Geld an die E.On-Aktionäre fließen. Im Gegenzug wird natürlich die E.On-Aktie eine scharfe Bereinigung erleben, weil ja auch ein großer Teil des Geschäftsvolumens nicht mehr dabei ist.

Dennoch dürfte der Abschlag vielleicht doch nicht so hoch ausfallen, denn E.On neu ist mit seiner Konzentration auf erneuerbare Energien, Verteilung und einigen internationalen Stromgeschäften durchaus rentabel. Zudem sind die alten Belastungen durch die Kraftwerke vom Bein.

Und Uniper auf der anderen Seite sieht auch besser aus als jetzt im Verbund mit E.On, da die Finanzschulden im Wesentlichen bei der Mutter E.On landen. Allerdings, Uniper muss aller Voraussicht nach mehr als 15 Milliarden Rückstellungen für den möglichen Rückbau von Atomkraftwerken tragen.

Rückstellungen sind nicht zu verwechseln mit Rücklagen. Rückstellungen sind im Grunde offene Rechnungen, deren Höhe man heute noch nicht genau weiß, die aber schon einmal gebucht werden. Geld fließt dabei nicht. Das heisst: Wenn etwa Politiker fordern, man sollte doch die Rückstellungen der Atomkonzerne in Stiftungen überführen, so zeugt das von einem völligen Missverständnis der Lage. Rückstellungen sind letztlich Verbindlichkeiten. Einen Kapitalstock gäbe es nur, wenn es Rücklagen wären.

Diese Rückstellungen dämpfen natürlich den Wert von Uniper. Andererseits setzen die Stromkonzerne auch darauf, dass sie aus Atomklagen sogar etwas herausbekommen. Eine solche Entschädigung käme Uniper zugute.

Unterm Strich ist es 2016 sehr wahrscheinlich, dass der Börsenwert von E.On neu und Uniper zusammen deutlich über dem der heutigen E.On liegt. Und weil darauf in den nächsten Monaten wahrscheinlich immer mehr Anleger spekulieren, hilft das den E.On-Kursen schon jetzt. Insgesamt eine risikobehaftete Spekulation im Dax mit einem mehrjährigen Anlagehorizont.

Mühsame Wende der Deutschen Bank

Als Enttäuschung könnte man auf den ersten Blick die Deutsche Bank betrachten. Und in der Tat ist das, was das Vorstandsduo Anshu Jain und Jürgen Fitschen öffentlich liefert, wirklich kein großer Wurf. Sparen, schließen, schrumpfen. Eigentlich sollte die Deutsche Bank in der ersten Riege der internationalen Geldhäuser sein. Jetzt ist sie nur noch unter ferner liefen. Das ist blamabel. Ist die Spekulation auf eine Renaissance der Deutschen Bank damit abgeblasen?

Nein, keineswegs, nur wird sie eben noch mühsamer ausfallen, als bisher angenommen. Ohne Frage ist es gerade für den hochgejazzten Investmentbanker Jain ein Armutszeugnis, wenn die Deutsche Bank in einer Zeit, in der Anleihen und Aktien weltweit von Rekord zu Rekord eilen, soweit hinterher hinkt.

Dividendenstarke Aktien mit Kurspotenzial 2015

Dazu fallen die Belastungen aus Rechtsrisiken nun enorm aus. Die Deutsche bekommt nun die Rechnung, dass sich die Aufklärung lange verzögert hat. Doch auch andere Banken mussten tief in die Tasche greifen. UBS, BNP hatten eher einen Schlussstrich gezogen. Genau das haben Anleger honoriert.

Was spricht dennoch für die Deutsche?  

Die neuen Kostensenkungen drücken zwar kurzfristig auf die Zahlen, dürften aber mittelfristig die Renditen wieder erhöhen. Dann, spätestens im Verlauf 2016, sollte auch das Thema Rechtsrisiken abgehakt werden. Die Reduktion der Bilanzsumme und der Abbau von Risiken sollten ebenfalls vorankommen.

Dass die Deutsche Bank eine Universalbank bleibt, hat die Hoffnungen auf eine Aufspaltung zunichte gemacht. Das ist natürlich kurzfristig nicht gut für den Kurs. Mittelfristig hat die Deutsche Bank aber durchaus eine Chance, damit wieder ein vergleichsweise stabiles Geschäft aufzubauen.

Börse



Der größte Vorteil – und der ist durch die jüngste Enttäuschung eigentlich noch größer geworden – ist die niedrige Bewertung der Bank. Soeben ist die Marktkapitalisierung der Deutschen Bank unter 40 Milliarden Euro gesunken. Für eine Bank, die derzeit immerhin noch 1,96 Billionen Euro Bilanzsumme hat, ist das eigentlich ein Spottpreis.

Fazit zur Deutschen Bank: Kurzfristig sollten sich die Kurse zwischen nach der jüngsten Enttäuschung wieder stabilisieren, doch bis die Wende endgültig gelingt, kann es 2016 werden. Antizyklische Käufer müssen einen langen Atem mitbringen. Zwischen 25 und 28 Euro sollte eine interessante langfristige Einstiegsgelegenheit bestehen. 

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