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Riedls Dax-Radar
Einstiegschancen: Der Dax bietet nach seiner jüngsten Korrektur neue Kaufgelegenheiten. Quelle: Getty Images

Zweite Chance für Dax-Favoriten

Ängste um die Konjunktur, schwache Unternehmenszahlen und politischer Gegenwind aus den USA dämpfen die Kurse. Dabei bietet der Dax gerade nach seiner jüngsten Korrektur neue Kaufchancen: Etwa bei der Münchener Rückversicherung, dem gefallenen Favoriten SAP und womöglich sogar bei der Deutschen Bank.

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Der Dax hängt hinterher: Während die taktgebenden US-Märkte neue Höhen erreichen, ist der Deutsche Aktienindex unter 12.400 Punkte gerutscht, das Top-Niveau vom Mai. Es gibt eine Reihe von Problemen, die dem Dax das Leben schwer machen:

- Die politische Neuorientierung in der EU und die Krisen um Großbritannien und Italien sorgen weiterhin für Unsicherheit; ein klassischer Risikofaktor für die Börsen.

- Die Konjunktur in Europa ist jetzt schon schwächer als in den USA. Nun zeichnen sich auch noch wachsende Spannungen mit Präsident Trump ab, für den nach der Auseinandersetzung mit China verstärkt der alte Kontinent ins Visier gerät.

- Die größte Krisenbranche weltweit, die Autobranche, ist in keinem Börsenindex so stark vertreten wie im Dax. Das zog die Notierungen schon in den vergangenen Jahren nach unten. Die jüngsten Probleme bei Daimler und BMW machen offensichtlich, dass die Branche trotz vollmundiger Bekenntnisse noch immer keine überzeugenden Langfriststrategien präsentiert.

- Auch die Chemieindustrie entwickelt sich zum Sorgenkind. Bei BASF und Covestro sind es vor allem Konjunkturprobleme, bei Bayer (auch wenn hier die Pharmakomponente immer wichtiger wird) ist die größte Unsicherheit das Spezialproblem Monsanto. Immerhin hat die Aktie in den vergangenen Monaten deshalb nicht mehr weiter nachgegeben, sondern sich zwischen 52 und 62 Euro stabilisiert. Der allgemeine Pessimismus dürfte weitgehend eingepreist sein. Zudem mehren sich Anzeichen, dass Schadensersatzzahlungen für Glyphosat in einzelnen Fällen im überschaubaren Millionenbereich liegen.

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- Selbst Überflieger wie SAP erwischt es derzeit. Die Expansion in die Cloud verläuft nicht linear, sondern führt angesichts der hohen Investitionen immer wieder zu Rückschlägen. Dämpfende Folgen aus dem Handelsstreit mit den USA kommen hinzu. Am langfristigen Aufwärtstrend der SAP-Aktien ändert dies aber nichts. Notierungen zwischen 105 und 115 Euro sind Nachkaufgelegenheiten.

- Eine zusätzliche Belastung könnte auf der Währungsseite entstehen. Nicht nur Trump, sondern auch der IWF bezeichnet den Dollar als überbewertet. Seit in den USA die Zinsfantasie wieder aufflammt und die Renditen zehnjähriger Bonds von drei Prozent auf zwei Prozent zusammengeschnurrt sind, hat der Euro an den Währungsmärkten zugelegt. Gerade für die angeschlagenen Branchen im Dax, die in der Regel ein umfangreiches internationales Geschäft haben, ist das ein Nachteil.

Der größte Klimagewinner im Dax: die Münchener Rückversicherung

Nicht alle Aktien im Dax leiden unter der deutsch-europäischen Schwäche. Stärkste Branche sind derzeit die Versicherungen. Die jüngsten Zahlen der Münchener Rück sind exzellent, allerdings lässt sich ein Quartalsgewinn von rund einer Milliarde Euro nicht auf das Gesamtjahr hochrechnen. Völlig zurecht halten die Münchener deshalb auch an ihrem bisherigen Jahresziel von 2,5 Milliarden Euro fest.

Die Münchener Rück hat den zusätzlichen Charme, der größte Klimagewinner im Dax zu sein. Die Zunahme von Schäden aus Naturkatastrophen führt zwar immer wieder zu hohen Schadenszahlungen. Langfristig aber hat dies den Effekt, dass immer mehr Unternehmen bereit sind, für substanzielle Versicherungen hohe Prämien zu bezahlen. Eventuelle Kursrücksetzer bei der Münchener Rück in den Bereich um 210 Euro sind Gelegenheiten zum Aufstocken.

Sogar für die Deutsche Bank, auch wenn sie mit 14,5 Milliarden Euro Börsenwert keine Rolle mehr für die Richtung des Index spielt, gibt es Hoffnung. Im Juni fiel die Deutsche nicht mehr durch den Stresstest der amerikanischen Notenbank. Das ist ein bemerkenswerter Erfolg, im vergangenen Jahr hatte die Fed hier noch den Daumen nach unten gedreht. Bei Standard & Poor’s das gleiche Bild: Im vergangenen Jahr wurde die Deutsche Bank von der Ratingagentur noch herabgestuft, dieses Jahr kann sie ihr Rating behaupten, sogar mit „stabilem Ausblick“.

Für S&P ist die aktuelle Sanierungsstrategie der Deutschen Bank der gründlichste Versuch seit der Finanzkrise, die Bank wieder auf die Beine zu bringen. Dass die Anleger nach wie vor skeptisch sind und das harte Eigenkapital (47 Milliarden Euro) nur mit 31 Cent für den Euro bezahlen, ist eine gute Voraussetzung für eine Turnaround-Spekulation. Letztlich könnte sich zwischen sechs und acht Euro die große Bodenbildung der Aktie abspielen. Wer mitzocken will, kann am jüngsten Tief bei 5,90 Euro eine Verlustbegrenzung setzen – für den Fall, dass es nach dem Scheitern der operativen Wende wider Erwarten doch zu einer verwässernden Kapitalerhöhung kommt.

Fazit zum Dax: Im Gegensatz zu den amerikanischen Indizes konnte der Dax bisher nur unterdurchschnittliche Gewinne aus der jüngsten Zinsfantasie schlagen. Statt bis zum nächsten Widerstandsniveau um 12.800 Punkte vorzudringen, machte er bei 12.660 Punkte kehrt. Kurzfristig sollte sich nun der Bereich um 12.200 Punkte, den der Dax zweimal verteidigt hat, als Untergrenze herausstellen. Bis zur nächsten Sitzung der Fed am 31. Juli könnte es einen Anstieg in den Bereich 12.400 bis 12.600 Punkte geben. Wichtigster Rückhalt für den großen Aufwärtstrend bleibt weiter die positive Tendenz an den US-Märkten. Hier hat der Dow Jones mit dem Anstieg über die bisherige Top-Zone (26.500 bis 27.000 Punkte) ein starkes Kaufsignal gegeben.

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