Riedls Dax-Radar: Zweiter Dax-Rückschlag steht noch aus
Der Dax pendelt sich derzeit bei 10.200 Punkten ein.
Foto: dpaIn der für Börsianer entscheidenden Frage, ob die Aktienmärkte nun ihren großen Trend nach oben noch halten oder schon eine Baisse eingeschlagen haben, kam der Dax in den vergangenen zwei Wochen nicht weiter. Nach wie vor pendelt er um die Mittelachse der vergangenen zehn Tage, die etwa bei 10.200 Punkten verläuft. Schon geben findige Derivate-Banken spezielle Papiere heraus, mit denen Anleger in solchen Seitwärtsphasen verdienen können. Schlagzeilen von erhöhter Volatilität auf der Stelle machen die Runde. Dabei ist die Situation im Dax und an den Weltbörsen alles andere als entspannt.
Die Risiken manifestieren sich. In der chinesischen Wirtschaft werden die Schwächesignale immer offensichtlicher, die Gefahren der Überspekulation und die Angst davor, die administrative Steuerung des großen Aufschwungs könnte am Ende doch versagen.
Neue Ausfälle bei europäischen Banken?
Der erste Schritt
Börsenneulinge, die einen Teil ihres Geldes in Aktien, Fonds und ETFs investieren wollen, um ihr Erspartes zu vermehren, brauchen zunächst ein Depot. Wie das funktioniert und was es kostet, erklären wir in wenigen Schritten.
Infoquelle: Frankfurter Börse
Foto: FotoliaDas Depot
Um an der Börse mitmachen zu können, müssen Sie ein Depot bei einer klassischen Bank oder einem Discountbroker eröffnen. Dabei können Leistungen, Konditionen und Gebühren sehr unterschiedlich sein – je nachdem, wie Sie das Depot nutzen möchten. Daher lohnt sich vorab ein genauer Vergleich der Angebote.
Was kostet es?
Zur Orientierung finden sich im Netz etliche Broker-Vergleiche. Häufig sind Depots bei klassischen Banken teurer als bei Discountbrokern, was unter anderem daran liegt, dass Letztere keine Beratung anbieten und auch keine Filialen haben. Angebracht kann eine Bankberatung aber durchaus sein, wenn Sie eine hohe Summe über mehrere Jahre anlegen wollen. Achten Sie bei kostenlosen Depots aber genau aufs Kleingedruckte: die Verwaltungsgebühren sind häufig nur dann günstig, wenn auch regelmäßig gehandelt wird. Andernfalls können zusätzliche Kosten anfallen.
Wie wird das Depot aktiviert?
Keine Panik, geht alles ganz einfach. Wenn Sie ein Depot bei einem Online-Broker eröffnet und alle Daten im Anmeldeformular ausgefüllt haben, müssen Sie sich danach mit Ihrem Personalausweis über eine Postfiliale identifizieren. Sonst könnte sich ja jemand anderes einfach in Ihrem Namen anmelden. Hat der Postbeamte Ihre Identität geprüft und Ihr ausgedrucktes Anmelde-Formular unterschrieben, senden Sie die Unterlagen per Post zur Depotbank Ihrer Wahl. Die Zugangsdaten für Ihr eigenes Online-Depot liegen dann nach ein paar Tagen in Ihrem Briefkasten.
Welcher Risikotyp?
Bei der Depot-Eröffnung werden Sie auch nach Ihrer Börsenerfahrung gefragt; das ist gesetzlich vorgeschrieben und im Wertpapierhandelsgesetzt verankert. Schließlich ist der Handel mit Wertpapieren immer mit Risiken verbunden, über die Sie aufgeklärt werden müssen. Die Depotbank überträgt durch dieses Prozedere die Haftung auf ihre Kunden. Es gibt auch Broker, die bei jeder Transaktion noch mal gesondert auf ein mögliches Risiko hinweisen.
Was kaufen?
Für Börsenneulinge, die über einen längeren Zeitraum in einer Anlage investiert bleiben wollen, kann sich ein Aktienfonds anbieten, bei dem sogenannte Fondsmanager die konkrete Auswahl der Aktien übernehmen – dafür aber auch für ihre Leistungen eine Gebühr berechnen. Umgehen lässt sich das, wenn man in Indexfonds (ETFs) investiert, die einzelne Aktienindizes abbilden und deren Kursentwicklung unmittelbar folgen. Eine einzelne Aktie bietet sich dann an, wenn Sie sich „ein Stück von Unternehmen XY“ kaufen möchten. Dann sind Sie als Aktionär an dem Unternehmen beteiligt, werden zu den Hauptversammlungen eingeladen und Jahr für Jahr mit einer Dividende am Konzerngewinn beteiligt.
Wie teuer ist das Handeln?
Die sogenannten Order-Kosten können von Bank zu Bank und von Broker zu Broker stark schwanken. Überlegen Sie also gut, wie oft Sie handeln wollen und wie groß die Aufträge jeweils sind - gerade bei kleinen Auftragsgrößen können Mindestgebühren schnell zu Buche schlagen. Auch hier bieten die Broker-Vergleiche im Netz eine gute Übersicht, welcher Anbieter für welche Situationen der Günstigste ist.
Kosten Teilausführungen extra?
Es kann sein, dass eine Order von beispielsweise 100 Aktien aufgesplittet wird in mehre Transaktionen, wenn im Handelssystem mehrere Gegenangebote vorhanden sind. Von Vorteil für Sie kann das dann sein, wenn Sie dadurch einen teilweise besseren Preis bekommen, weil vielleicht zunächst 50 Aktien für eine Gebühr von 9 Euro gekauft werden und dann noch mal 50 Aktien für eine Gebühr von 10 Euro. Aber Vorsicht: Es gibt Banken, die ihren Kunden für die Teilausführungen noch mal extra eine Gebühr berechnen, obwohl ihnen selbst an der Börse keine weiteren Handelsgebühren entstehen. Prüfen Sie also, wo Sie bei einer Aufsplittung der Order zusätzlich etwas bezahlen müssen und wo nicht.
Lassen sich Teilausführungen vermeiden?
Bis zu einem bestimmten Volumen gibt es beispielsweise im Frankfurter Handel bei deutschen Dax-, Tecdax und MDax-Aktien grundsätzlich keine Teilausführung.
Dazu kommt die Krise in den großen Schwellenländern Brasilien und Russland. In Südamerika ist ein Ende des Konjunkturrückgangs nicht in Sicht. Zudem entstehen Befürchtungen, dass diese Schwäche über direkte Wirtschaftsverbindungen europäischer Unternehmen auf die EU stärker als erwartet durchschlägt.
Betroffen sind vor allem spanische Banken, die zum Teil 30 bis 40 Prozent ihrer operativen Geschäfte in Südamerika abwickeln – und denen jetzt neue Risiken erwachsen; in einer Zeit, in der die Banken ohnehin einen schwierigen Spagat vollziehen müssen: Einerseits gilt es, wegen regulatorischer Vorschriften immer mehr Eigenkapital vorzuhalten; andererseits drohen neue Abschreibungen, sollte es in Südamerika zu unerwarteten Ausfällen kommen.
Mit Chinas Aktienmarkt fing alles an: Jahrelang propagierte die Regierung in Peking den Einstieg in Aktien – ganz offiziell in den Staatsmedien. Der kleine Mann sollte an der Börse investieren und den chinesischen Unternehmen zu Kapital verhelfen. Doch mit dem stagnierenden Wirtschaftswachstum kamen Zweifel auf. Die Börsen in Schanghai und Shenzhen brachen innerhalb weniger Wochen drastisch ein. Und das Virus China begann, sich auszubreiten.
Foto: dpaSo zog Chinas Schwäche zum Beispiel auch das deutsche Aktienbarometer nach unten. Viele exportorientierte Dax-Unternehmen, vor allem die Autobauer, haben gelitten. Weil am Donnerstag die USA zusätzlich mit guten Konjunkturdaten aufwarten konnten und die Zinswende damit näher zu rücken scheint, ließ der Leitindex am Freitag weiter Federn. Zum Handelsschluss notierte er gut 300 Punkte tiefer bei 10.124 Punkten. Auf Wochensicht verlor der Dax knapp acht Prozent oder 861 Punkte.
Foto: REUTERSDie voraussichtlich schlimmste Woche des Jahres für Aktien hat am Freitag auch die Wall Street nicht verschont. Nach enttäuschenden Konjunkturdaten aus China lagen die wichtigsten Indizes in New York zur Eröffnung deutlich im Minus. Der Dow-Jones-Index lag mit 16.815 Punkten ein Prozent im Minus. Der breiter gefasste S&P-500 tendierte mit 2.016 Zählern ebenfalls fast ein Prozent tiefer.
Foto: APNicht nur an den Börsen, auch bei den Währungen ging es zuletzt deutlich bergab. Anfang der Woche gab die chinesische Zentralbank überraschend den Yuan-Wechselkurs frei – woraufhin dieser um mehrere Prozent nach unten rauschte. Auch in den Folgetagen konnte die Regierung den Kurs nur mit Mühe über Devisenverkäufe stabilisieren. Grundsätzlich will Peking daran festhalten, den Referenzkurs für den Wechselkurs nach Angebot und Nachfrage zu bestimmen.
Foto: dpaNicht nur der Yuan, auch die Schwellenländerwährungen allgemein haben in dieser Woche stark gelitten. Die türkische Lira, zum Beispiel, erreichte einen historischen Tiefstand nach dem anderen. Der Grund: Investoren ziehen ihr Geld aus den Schwellenländern ab und investieren es eher wieder im Dollar und Euro-Raum. Viele Schwellenländer hängen am Tropf Chinas. Das Vertrauen der Investoren schwindet daher.
Foto: REUTERSNach unten ging es diese Woche auch für den Ölpreis. Zuletzt kostete ein Barrel Brent noch 45,90 Dollar, ein Barrell der Sorte WTI noch knapp über 40 Dollar. Experten gehen längst davon aus, dass der Preisverfall weitergeht. Der Grund: Die USA hat durch die Schieferölförderung in nur vier Jahren die eigene Ölproduktion nahezu verdoppelt. Das dadurch steigende Angebot will und kann die Opec auch mittelfristig durch eigene Produktionskürzungen nicht kompensieren.
Foto: dpaDoch nicht nur der Ölpreis leidet: Auch die Aktien der großen Ölunternehmen Exxon Mobil, Chevron, Royal Dutch Shell und Petrochina sind zuletzt deutlich eingebrochen. Experten warnen Anleger derzeit vor einem Wiedereinstieg.
Foto: dpaKasachstan ist der größte Ölexporteur Südostasiens – und leidet ganz besonders unter dem schwachen Ölpreis. Um die Wirtschaft wettbewerbsfähig zu halten, hat der Präsident gerade die Währung, den Tenge, freigegeben. Dieser rutschte daraufhin drastisch ab. Man müsse sich langfristig auf Ölpreise zwischen 30 und 40 Dollar je Barrell einstellen, hieß es aus der Hauptstadt Astana.
Foto: dpaWo es überall abwärts geht, muss es auch Profiteure geben. Ungeachtet aller Schwarzmalerei, Gold habe als Krisenwährung und Inflationsschutz ausgedient, ist der Goldpreis zuletzt wieder gestiegen – auf rund 1.150 Dollar je Feinunze. Der Langfristtrend sinkender Goldpreise bleibt aber dennoch intakt. Große Fondsgesellschaften und Vermögensverwalter haben Gold aus ihren Depots geworfen.
Foto: dpaDie Gemeinschaftswährung hat sich im unsicheren Marktumfeld gut gehalten. Nachdem die Griechenland-Sorgen vorerst ausgestanden scheinen, hat sich der Euro am späten Freitagnachmittag auf einen Kurs von 1,1342 Dollar gemausert. Die Warnungen einiger Investmentbanken, der Euro würde bald gleichauf zum Dollar stehen, haben sich damit bislang nicht bewahrheitet.
Foto: dpaHeikel bleibt die Lage in Russland. Zum einen kämpft das Land in der Ukraine und neuerdings im Syrien-Konflikt um seine Rolle als Weltmacht; zum anderen ist es wirtschaftlich vor allem durch die Energiepreisbaisse substanziell angeschlagen. Wobei der jüngste Deal zwischen dem Staatskonzern Gazprom und BASF hier ein wichtiges Zeichen der Entspannung ist – unten dazu mehr.
Wenig Spielraum für die Fed
Pessimisten unter den Börsenstrategen sehen im Niedergang der Schwellenländer – und dabei ist China mit einbezogen – das größte Risiko auch für die alten Industrieländer: weil die Hoffnung auf die großen Wachstumsmärkte zerplatzt, durch die Rohstoffbaisse Deflationsrisiken hereinkommen, die schwachen Währungen (Rubel, Real, und jetzt auch Renminbi) das gesamte Weltfinanzsystem in Schieflage gerät.
Die Schwäche der Schwellenländer trägt auch dazu bei, dass sich der Spielraum der führenden Notenbank Fed einengt und sie womöglich von ihrer langen Linie abweichen muss. Bisher hatte die Fed geplant, die Zinsen in diesem Herbst, spätestens Ende des Jahres leicht zu erhöhen. Das wäre ein wichtiges Signal gewesen: für die Stabilität der Konjunktur und für die langsame Rückkehr zu wirtschaftlich normalen Zuständen (bei denen Zinsen ein realer Preis für Geld sind.)
Inwieweit die Fed an dieser Linie angesichts der Schwellenländer-Schwäche festhalten kann, ist offen. Sicherlich hat Janet Yellen kein Interesse daran, wegen einer sturen Zinspolitik die US-Wirtschaft über einen noch stärkeren Dollar und noch schwächere Handelspartner (hier vor allem Brasilien) in die Bredouille zu bringen.
Andererseits darf Yellen natürlich nicht als Papiertigerin dastehen. Sie wird also wahrscheinlich weiterhin laut über Zinserhöhungen nachdenken, diesen Schritt aber auf der Zeitachse immer weiter nach hinten verschieben.
Man könnte meinen, für die Aktienmärkte sei das positiv, weil es die schier endlose Verlängerung der laxen Geldpolitik bedeutet. Dem ist aber nicht so. Denn an den Aktienmärkten wächst mittlerweile die Angst davor, dass mit niedrigen Zinsen (oder sogar noch niedrigeren, wie in Europa) die wirtschaftlichen Probleme nicht mehr zu bewältigen sind.
Baisse-Gefahr kommt vom Dow Jones
An den Börsen ist diese Unsicherheit der Grund dafür, dass die großen Trends schwer ins Wanken gekommen sind. Im Dow Jones hat der jüngste Rückschlag, der Ende August bei 15.666 Punkten sein bisheriges Tief gefunden hat, mittlerweile etwa das Ausmaß des 2011er-Crashs. Damals haben sich die Aktienmärkte nach wenigen Monaten wieder stabilisiert und ihren großen Aufwärtstrend fortgesetzt.
Indes, obwohl sich der Optimismus an den Weltbörsen abgekühlt hat, kann von einer nachhaltigen Stabilisierung jetzt noch nicht die Rede sein. Der Dow Jones ist mittlerweile so weit unter seinen 200-Tage-Durchschnitt gerutscht, dass alle bisherigen Erholungen nur vorübergehende Baisse-Rallys sind. Die 200-Tage-Linie selbst hat seit einer Woche sogar nach unten gedreht. Das letzte Mal, als es eine solche Konstellation im Dow gab, war Frühjahr 2008.
Bei 25 von 30 Dow-Jones-Aktien verlaufen die Kurse derzeit deutlich unterhalb der 200er-Linie. (Positive Ausnahmen sind die Defensiv-Klassiker Home Depot, Nike und Visa; McDonald’s und United Health halten sich noch vage.) Das ist eine Quote von 83 Prozent. Und das ist – ob man will oder nicht – unter mittelfristiger Perspektive stabile Baisse.
Natürlich, gerade die US-Börsen sind bekannt dafür, dass sie sich selbst in auswegloser Lage wie Münchhausen retten – sei es durch eine mitfühlende Notenbank oder erstaunlich starke Käufer, die am Ende einer Sitzung plötzlich koordiniert zuschlagen. Insofern ist das Kreuz über dem Dow noch nicht gemacht. Das aber ändert nichts daran, dass von den US-Märkten jetzt und wahrscheinlich noch in den nächsten Wochen ein ausgesprochen hohes Risiko für die weltweiten Börsen ausgeht.
Deutschland - Insel der Stabilität?
Und davon wird sich der Dax nicht lösen können. Natürlich ist es positiv, wenn die Wirtschaftsaussichten hierzulande nach den jüngsten Indikatoren sogar robuster sind als die Stimmung. Zudem zeigt sich, dass führende Unternehmen wie derzeit Daimler ziemlich unbeirrt an ihrem langfristigen Wachstumskurs festhalten können. (Der mögliche Einstieg des chinesischen Partners BAIC würde diese robuste Perspektive unterstreichen.)
Solche Nachrichten sprechen derzeit zumindest für Deutschland dafür, dass die Aktienmärkte nicht vor einem Crash oder einer langen Baisse stehen, sondern sich mitten in einer scharfen Korrektur befinden. Allerdings fehlt auch am deutschen Markt bisher noch die notwendige Stabilisierung, nach der man an schwachen Tagen einfach kaufen könnte.
Selbst im vergleichsweise moderaten Crash von 2011 – in dessen Ausmaß sich die bisherigen Verluste noch abspielen – gab es nach einem ersten Rückschlag und einer nachfolgenden Erholung einen zweiten Rückschlag. Angesichts der unsicheren Nachrichtenlage und der Schwächesignale der Kurse ist es unwahrscheinlich, dass die Märkte 2015 glimpflicher davonkommen als 2011.
Für den Dax kann man damit die Entwicklung der nächsten Monate auf zwei mögliche Szenarien reduzieren: Entweder die Märkte setzen das Muster der scharfen Korrektur fort – dann dürfte es mindestens noch einmal unter 10.000 gehen, maximal sogar bis 8500. Oder es kommt im zweiten Abschwung doch zu einem stärkeren Verfall als 2011. Der Dow Jones könnte dann in den Bereich 14.000 bis 13.000 sinken, der Dax mindestens bis an seine alte Obergrenze um 8100.
Solange die Entscheidung darüber nicht gefallen ist, drängen sich Neukäufe nicht auf. Vielmehr geht es jetzt darum, einen guten Teil Liquidität in Reserve zu halten, um dann – auf welchem Niveau auch immer – wieder Qualitätsaktien zu kaufen. Und dazu werden Klassiker gehören wie die genannten Daimler und BASF.
Russische Förderung der BASF
Für die Ludwigshafener gab es zuletzt wichtige Nachrichten. BASF wird seinen im vergangenen Jahr aus politischen Gründen abgeblasenen Assettausch mit Gazprom nun doch durchziehen. Dabei geht das Gashandelsgeschäft inklusive Gasspeicher komplett an den Partner Gazprom. BASF erhält dafür direkten Zugang zur sibirischen Gasförderung.
Auf einen Schlag wird BASF damit 12 Milliarden Euro von bisher 74 Milliarden Euro Jahresumsatz verlieren, denn diese Umsatzgröße des Gashandels wurde im jüngsten Geschäftsbericht voll eingebucht. Die Umsatzbewertung der BASF-Aktie steigt damit etwa um ein Fünftel. Auf der anderen Seite sind von den neuen Quellen wahrscheinlich erst ab 2018 echte Umsätze und Gewinne zu erwarten.
Dennoch, unterm Strich hat der Deal für BASF mehr Vorteile. BASF wollte schon länger das margenschwache Gashandelsgeschäft loswerden, das einst gegen die Dominanz von E.On Ruhrgas aufgebaut wurde. Die direkte Förderung in Sibirien ist für BASF langfristig wichtiger, zudem erhöhen sich die Gasreserven wahrscheinlich um etwa ein Drittel. Dass BASF in politisch schwieriger Zeit weiter mit seinem langjährigen Partner Gazprom zusammenarbeiten kann, ist für die Ludwigshafener von grundsätzlichem Wert.
An den Zahlen zur Gewinnbewertung der Aktie wird sich kaum etwas ändern. Wesentlich besser könnten die Renditekennzahlen des Unternehmens ausfallen, da der Gewinnbeitrag des Gashandelsgeschäfts bisher ziemlich mager war.
Und dass die Energienotierungen derzeit so niedrig sind, könnte sich im Nachhinein sogar als günstiges Umfeld für ein solches Investment erweisen. Denn wegen des weltweit ungebrochenen Verbrauchs sind langfristig ohne weiteres auch wieder einmal höhere Gaspreise denkbar.