Riedls Dax-Radar

Zweiter Dax-Rückschlag steht noch aus

Die Stimmung an den Börsen kühlt sich ab. Doch reif zum Einstieg sind die Aktienmärkte noch nicht.

Der Dax pendelt sich derzeit bei 10.200 Punkten ein. Quelle: dpa

In der für Börsianer entscheidenden Frage, ob die Aktienmärkte nun ihren großen Trend nach oben noch halten oder schon eine Baisse eingeschlagen haben, kam der Dax in den vergangenen zwei Wochen nicht weiter. Nach wie vor pendelt er um die Mittelachse der vergangenen zehn Tage, die etwa bei 10.200 Punkten verläuft. Schon geben findige Derivate-Banken spezielle Papiere heraus, mit denen Anleger in solchen Seitwärtsphasen verdienen können. Schlagzeilen von erhöhter Volatilität auf der Stelle machen die Runde. Dabei ist die Situation im Dax und an den Weltbörsen alles andere als entspannt.

Die Risiken manifestieren sich. In der chinesischen Wirtschaft werden die Schwächesignale immer offensichtlicher, die Gefahren der Überspekulation und die Angst davor, die administrative Steuerung des großen Aufschwungs könnte am Ende doch versagen.

Neue Ausfälle bei europäischen Banken?

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Dazu kommt die Krise in den großen Schwellenländern Brasilien und Russland. In Südamerika ist ein Ende des Konjunkturrückgangs nicht in Sicht. Zudem entstehen Befürchtungen, dass diese Schwäche über direkte Wirtschaftsverbindungen europäischer Unternehmen auf die EU stärker als erwartet durchschlägt.

Betroffen sind vor allem spanische Banken, die zum Teil 30 bis 40 Prozent ihrer operativen Geschäfte in Südamerika abwickeln – und denen jetzt neue Risiken erwachsen; in einer Zeit, in der die Banken ohnehin einen schwierigen Spagat vollziehen müssen: Einerseits gilt es, wegen regulatorischer Vorschriften immer mehr Eigenkapital vorzuhalten; andererseits drohen neue Abschreibungen, sollte es in Südamerika zu unerwarteten Ausfällen kommen.

An diesen Märkten kracht es
Mit Chinas Aktienmarkt fing alles an: Jahrelang propagierte die Regierung in Peking den Einstieg in Aktien – ganz offiziell in den Staatsmedien. Der kleine Mann sollte an der Börse investieren und den chinesischen Unternehmen zu Kapital verhelfen. Doch mit dem stagnierenden Wirtschaftswachstum kamen Zweifel auf. Die Börsen in Schanghai und Shenzhen brachen innerhalb weniger Wochen drastisch ein. Und das Virus China begann, sich auszubreiten. Quelle: dpa
So zog Chinas Schwäche zum Beispiel auch das deutsche Aktienbarometer nach unten. Viele exportorientierte Dax-Unternehmen, vor allem die Autobauer, haben gelitten. Weil am Donnerstag die USA zusätzlich mit guten Konjunkturdaten aufwarten konnten und die Zinswende damit näher zu rücken scheint, ließ der Leitindex am Freitag weiter Federn. Zum Handelsschluss notierte er gut 300 Punkte tiefer bei 10.124 Punkten. Auf Wochensicht verlor der Dax knapp acht Prozent oder 861 Punkte. Quelle: REUTERS
Die voraussichtlich schlimmste Woche des Jahres für Aktien hat am Freitag auch die Wall Street nicht verschont. Nach enttäuschenden Konjunkturdaten aus China lagen die wichtigsten Indizes in New York zur Eröffnung deutlich im Minus. Der Dow-Jones-Index lag mit 16.815 Punkten ein Prozent im Minus. Der breiter gefasste S&P-500 tendierte mit 2.016 Zählern ebenfalls fast ein Prozent tiefer. Quelle: AP
Nicht nur an den Börsen, auch bei den Währungen ging es zuletzt deutlich bergab. Anfang der Woche gab die chinesische Zentralbank überraschend den Yuan-Wechselkurs frei – woraufhin dieser um mehrere Prozent nach unten rauschte. Auch in den Folgetagen konnte die Regierung den Kurs nur mit Mühe über Devisenverkäufe stabilisieren. Grundsätzlich will Peking daran festhalten, den Referenzkurs für den Wechselkurs nach Angebot und Nachfrage zu bestimmen. Quelle: dpa
Nicht nur der Yuan, auch die Schwellenländerwährungen allgemein haben in dieser Woche stark gelitten. Die türkische Lira, zum Beispiel, erreichte einen historischen Tiefstand nach dem anderen. Der Grund: Investoren ziehen ihr Geld aus den Schwellenländern ab und investieren es eher wieder im Dollar und Euro-Raum. Viele Schwellenländer hängen am Tropf Chinas. Das Vertrauen der Investoren schwindet daher. Quelle: REUTERS
Nach unten ging es diese Woche auch für den Ölpreis. Zuletzt kostete ein Barrel Brent noch 45,90 Dollar, ein Barrell der Sorte WTI noch knapp über 40 Dollar. Experten gehen längst davon aus, dass der Preisverfall weitergeht. Der Grund: Die USA hat durch die Schieferölförderung in nur vier Jahren die eigene Ölproduktion nahezu verdoppelt. Das dadurch steigende Angebot will und kann die Opec auch mittelfristig durch eigene Produktionskürzungen nicht kompensieren. Quelle: dpa
Doch nicht nur der Ölpreis leidet: Auch die Aktien der großen Ölunternehmen Exxon Mobil, Chevron, Royal Dutch Shell und Petrochina sind zuletzt deutlich eingebrochen. Experten warnen Anleger derzeit vor einem Wiedereinstieg. Quelle: dpa
Kasachstan ist der größte Ölexporteur Südostasiens – und leidet ganz besonders unter dem schwachen Ölpreis. Um die Wirtschaft wettbewerbsfähig zu halten, hat der Präsident gerade die Währung, den Tenge, freigegeben. Dieser rutschte daraufhin drastisch ab. Man müsse sich langfristig auf Ölpreise zwischen 30 und 40 Dollar je Barrell einstellen, hieß es aus der Hauptstadt Astana. Quelle: dpa
Wo es überall abwärts geht, muss es auch Profiteure geben. Ungeachtet aller Schwarzmalerei, Gold habe als Krisenwährung und Inflationsschutz ausgedient, ist der Goldpreis zuletzt wieder gestiegen – auf rund 1.150 Dollar je Feinunze. Der Langfristtrend sinkender Goldpreise bleibt aber dennoch intakt. Große Fondsgesellschaften und Vermögensverwalter haben Gold aus ihren Depots geworfen. Quelle: dpa
Die Gemeinschaftswährung hat sich im unsicheren Marktumfeld gut gehalten. Nachdem die Griechenland-Sorgen vorerst ausgestanden scheinen, hat sich der Euro am späten Freitagnachmittag auf einen Kurs von 1,1342 Dollar gemausert. Die Warnungen einiger Investmentbanken, der Euro würde bald gleichauf zum Dollar stehen, haben sich damit bislang nicht bewahrheitet. Quelle: dpa

Heikel bleibt die Lage in Russland. Zum einen kämpft das Land in der Ukraine und neuerdings im Syrien-Konflikt um seine Rolle als Weltmacht; zum anderen ist es wirtschaftlich vor allem durch die Energiepreisbaisse substanziell angeschlagen. Wobei der jüngste Deal zwischen dem Staatskonzern Gazprom und BASF hier ein wichtiges Zeichen der Entspannung ist – unten dazu mehr.


Wenig Spielraum für die Fed

Pessimisten unter den Börsenstrategen sehen im Niedergang der Schwellenländer – und dabei ist China mit einbezogen – das größte Risiko auch für die alten Industrieländer: weil die Hoffnung auf die großen Wachstumsmärkte zerplatzt, durch die Rohstoffbaisse Deflationsrisiken hereinkommen, die schwachen Währungen (Rubel, Real, und jetzt auch Renminbi) das gesamte Weltfinanzsystem in Schieflage gerät.

Die Schwäche der Schwellenländer trägt auch dazu bei, dass sich der Spielraum der führenden Notenbank Fed einengt und sie womöglich von ihrer langen Linie abweichen muss. Bisher hatte die Fed geplant, die Zinsen in diesem Herbst, spätestens Ende des Jahres leicht zu erhöhen. Das wäre ein wichtiges Signal gewesen: für die Stabilität der Konjunktur und für die langsame Rückkehr zu wirtschaftlich normalen Zuständen (bei denen Zinsen ein realer Preis für Geld sind.)

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