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Risikoinvestment Was der Prospekt von Saudi Aramco über die Risiken zum Börsengang verrät

Nach langer Verzögerung beim geplanten Börsengang des Ölriesen Aramco soll am kommenden Sonntag die Zeichnungsfrist für Aktien des saudischen Energiekonzerns beginnen. Quelle: REUTERS

Der Börsengang des weltgrößten Ölkonzerns könnte das höchste Neuangebot an Aktien aller Zeiten werden. Saudi Aramco könnte auf einen Schlag wertvoller als Apple oder Microsoft sein – aber die Aktien bergen Risiken.

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Dass die Aktie von Saudi Aramco in keinem ernst zu nehmenden Fonds für Nachhaltigkeit oder Ethik auftauchen sollte, das liegt auf der Hand. Da ist nicht nur das eher schmutzige Ölgeschäft, sondern auch die Eigner stehen dem entgegen. Die haben nicht nur vor Jahresfrist brutal den Journalisten Jamal Kashoggi ermorden lassen, sondern sind mitverantwortlich für hunderttausende Tote im Jemen. Zudem gilt Saudi Arabien der Terrorfinanzierung verdächtig.

Darüber hinaus nennt der am Wochenende vorgelegte 658 Seiten starke Prospekt zahlreiche Allgemeinrisiken und unternehmensspezifische Risiken. Wenig überraschend werden die Ertragslage und der Mittelzufluss (Cashflow) des Unternehmens maßgeblich durch die Preisbildung am internationalen Rohölmarkt beeinflusst. Saudi Aramco verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass das Unternehmen einen erheblichen Teil seines Rohöls und seiner raffinierten Produkte an Kunden in Asien exportiert. Nachteilige wirtschaftliche oder politische Entwicklungen in Asien könnten sich deshalb negativ auf die Ertragslage des Unternehmens auswirken.

Zudem sind die erwarteten Einnahmen auch davon abhängig, wie genau sich bisherige Schätzungen für nachgewiesene Reserven als valide oder realisierbar erweisen werden. So decken unabhängige Zertifizierungsschreiben eines Drittanbieters nicht die Schätzzahlen für Reserven ab, die Saudi Arabien selbst ermittelt hat. Die Gesellschaft könne zudem Verluste aufgrund von Risiken im Zusammenhang mit unzureichenden Versicherungen erleiden. Auch könnten zunehmende Bedenken hinsichtlich des sicheren Gebrauchs von Chemikalien und Kunststoffen und ihrer möglichen Auswirkungen auf die Umwelt negative Folgen für die Geschäfte haben.

Saudi Aramco erwähnt, dass das Management-Team des Unternehmens nur über begrenzte Erfahrung in der Verwaltung einer Aktiengesellschaft verfügt und dass das Unternehmen davon abhängig ist, wie hoch die Regierung die Latte für das maximale Niveau der Rohölproduktion legt. Politische und soziale Instabilität und Unruhen sowie tatsächliche oder potenzielle bewaffnete Konflikte in der Region und andere Bereiche können sich ebenfalls auf die Ertrags- und Finanzlage des Unternehmens auswirken, dazu zählt Saudi Aramco auch explizit Terrorismus. Mitte September etwa hatte es Anschläge auf Anlagen des Unternehmens gegeben.

Hohe Regierungsabhängigkeit und teurer als Apple

Die Regierungsabhängigkeit könnte dazu führen, dass Saudi Aramco Projekte durchzuführen oder Initiativen außerhalb des Unternehmens zu unterstützen hat, die möglicherweise nicht mit der unmittelbaren Geschäftstätigkeit vereinbar sind. Zudem kann es sich auf die Finanzlage und die Ertragslage des Unternehmens nachteilig auswirken, wenn Saudi-Arabien die Bindung der Heimatwährung an den US-Dollar auflösen würde.

Der Börsengang des weltgrößten Ölkonzerns könnte das höchste Neuangebot an Aktien aller Zeiten werden. Analysten schätzen den Wert in einer breiten Spanne von 1,2 bis 2,3 Billionen Dollar. Schon im unteren Bereich der Spanne wäre Saudi Aramco auf einen Schlag wertvoller als die teuersten börsennotierten Firmen Apple, Microsoft oder Amazon. Angeblich sollen bis zu zwei Prozent der Aktien an die Saudische Börse, ein Viertel davon wiederum an Privatanleger. Zwei Prozent würden in der Mitte der Schätzungen über 30 Milliarden Dollar an Emissionsvolumen bedeuten und damit mehr als der bisher größte Börsengang. Den Rekord hält noch der chinesische Internetgigant Alibaba, der 2014 rund 25 Milliarden Dollar einspielte.

Start am 17. November, Preis am 4. Dezember

Wie viele Aktien es zu welchem Preis geben wird, ist noch nicht bekannt. Die Werbetour startet am 17. November. Privatanleger dürfen dann bis zum einschließlich 28. November zeichnen, so der Stand der Dinge. Profianleger sollen bis 4. Dezember Zeit haben. Dann soll auch der Verkaufspreis der Aktien festgelegt werden.



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