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Rohstoffe Kakao wird zum braunen Gold

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Hängepartie in der Karibik

Als der Hamburger Kakaomakler Hans-Werner Lembke den Telefonhörer abnimmt, seufzt er. Schon der vierte Anruf aus der Karibik innerhalb von drei Tagen. Ein Exporteur aus Trinidad&Tobago sitzt auf einem Container im Hafen von Port of Spain.

Der Premiumkakao im Container ist schon verkauft. Allerdings steht nur der Aufschlag auf den jeweiligen Börsenpreis für Kakao guter Qualität bereits fest, das Differential. Zuschläge auf den Börsenpreis sind bei Edelkakaos beispielsweise aus Trinidad&Tobago, Ecuador oder Peru üblich. Erst wenn der Container auf dem Schiff ist, muss sich der Exporteur auf einen Börsenpreis festlegen.

Noch spielt der Exporteur auf Zeit, denn der Börsenpreis steigt. „Eigentlich sollte er das Geschäft jetzt eintüten, aber er versucht jeden Dollar mitzunehmen“, sagt Lembke.

Pokerspiel am Markt

Der Geschäftsführer des Maklerunternehmens HCCO kennt den Druck, unter dem Exporteure und Händler stehen. Er selbst hat mehr als 25 Jahre im Kakaohandel gearbeitet. Als Makler vermittelt er jetzt zwischen Exporteuren, Händlern und der Schokoladenindustrie. Lembke berät auch mittelständische Farmer, damit die den richtigen Zeitpunkt für den Verkauf ihrer Ernte nicht verpassen. Eigene Termingeschäfte an der Börse abzuschließen, um Preise abzusichern, lohnt sich für die meisten Farmer wegen der kleinen Mengen nicht.

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    Auch wenn die Farmer nicht selbst an der Börse aktiv sind, den Einfluss der Finanzmärkte spüren sie doch – über den Preis. „In den vergangenen Jahren hat sich der Markt spürbar verändert“, sagt Lembke, „der Einfluss der Spekulanten ist deutlich größer geworden.“

    Mehr Jobs, mehr Schokolade

    Börsenhändler Jack Scoville drängt sich um sechs Uhr morgens mit Hunderten anderer Pendler in einen Vorortzug nach Chicago. Kaum hat er einen Sitzplatz ergattert, streichen seine Finger über sein Smartphone, um die neuesten Kurse für Kakao abzurufen. Scoville vermittelt über die Börse Termingeschäfte, mit denen sich Unternehmen aus der Kakaobranche gegen schwankende Preise absichern können. Auch Hedgefonds, die mit Agrarrohstoffen zocken, gehören zu seinen Kunden.

    In London, dem nach New York zweitwichtigsten Terminmarkt für Kakao, ist es zwölf Uhr, der Handel ist in vollem Gange: Die Tonne kostet umgerechnet 3060 Dollar. Noch sieht alles nach einem ruhigen Tag aus. Erst als Scoville den Zug verlassen und sein Büro im 13. Stock im Gebäude der Chicagoer Terminbörse erreicht hat, dreht der Markt auf: 3100 Dollar je Tonne. Europa, weltgrößter Abnehmer von Rohkakao, hat überraschend gute Arbeitsmarktdaten gemeldet. Mehr Jobs, mehr Einkommen gleich mehr Nachfrage nach Schokolade.

    Der Börsenhandel ist für Exporteure wie für Verarbeiter das wichtigste Preisbarometer. Ernteprognosen, Wetteraussichten, Lagerbestände und die Nachfrage aus der Schokoladenindustrie – all das spiegelt sich im Börsenpreis wider.

    Was Anleger bei Kakao-Investments beachten müssen

    Gehandelt wird hauptsächlich in New York, das den Dollar-Raum in Südamerika und Asien abdeckt, sowie London, das die in Pfund abgerechneten Preise für Kakao aus Westafrika auslotet.

    Scovilles Telefon klingelt im Minutentakt. Inzwischen steht Kakao bei 3120 Dollar. 60 Terminkontrakte über 600 Tonnen im Wert von zwei Millionen Dollar setzt Scoville um; für ihn ein überdurchschnittlich guter Tag. Bis zum Handelsschluss in den USA legt Kakao um rund 60 Dollar je Tonne zu.

    „Mitunter passiert tagelang gar nichts, und dann kommt die eine Nachricht, die den Markt bewegt, das macht den Job so spannend“, sagt Scoville. Er ist Vize-Präsident der Broker- und Analystenfirma The Price Futures Group, die an der Warenterminbörse Chicago Board of Trade (CBOT) sitzt. An der CBOT werden Industrie- und Edelmetalle, Agrarrohstoffe, aber auch Gas und Öl gehandelt.

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