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Rohstoffe Kakao wird zum braunen Gold

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Kakao, Käfer und Maden

Oft bringen die Schiffe mit dem Kakao auch unliebsame Gäste: Maden, Käfer und Würmer. Kakao dürfe daher nur separat gelagert werden, auch wegen des starken Aromas, das sich auf andere Waren übertragen würde. Die Kakaobohnen gehen von der Schaufel des Radladers direkt in einen Container, den Lkws zu den Kakaofabriken bringen.

Solche Fabriken betreibt Barry Callebaut aus der Schweiz. Gegen schwankende Preise an den Rohstoffmärkten wappnen sich die Schweizer so: Sie setzen in der Kalkulation für einen Liefervertrag die bei Abschluss geltenden Rohstoffpreise an. Auf die Preise für Kakaobohnen und andere Rohstoffe schlagen sie ihre Marge drauf. Zwischen Vertragsabschluss und Lieferung vergehen jedoch mehrere Monate. In der Zwischenzeit schwanken die Rohstoffpreise. Callebaut sichert sich daher zusätzlich über Termingeschäfte mit Kakao an der Börse ab.

Den Kakao selbst lagert Callebaut aber nicht bei sich. Das überlässt sie Dienstleistern wie Cotterell. Immer wenn in der Produktion Bedarf ist, rufen die Kakaoverarbeiter Rohkakao im Lager des Logistikers ab. So sparen sie eigene Lagerflächen und können auch außerhalb der Erntesaison Kakao just in time bestellen.

Anteil der Produktionsebenen am Kakaoumsatz (zum Vergrößern bitte anklicken)

Die größte Schokofabrik der Welt

Im belgischen Wieze steht eines der Werke, in denen Barry Callebaut aus Kakaobohnen die Schoko-Grundmasse produziert. Arbeiter wuchten in einer dunklen Lagerhalle Jutesäcke mit Kakaobohnen von Holzpaletten. Am oberen Ende schlitzen sie die Säcke auf und kippen die Bohnen in große Trichter. In vier Meter langen, silberfarbenen Containern rösten die Arbeiter die Kakaobohnen etwa 20 Minuten lang. „Mit der Schale“, betont Alexandre Bourdeaux, Chef der Schokoladenakademie von Barry Callebaut in Wieze, „das gibt ein besseres Aroma.“

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    Die größte Schokoladenfabrik der Welt steht in einem Dorf mit etwa 800 Einwohnern. Eng und kurvig sind die Straßen von Wieze, knapp eine Autostunde nordwestlich von Brüssel, die Häuser klein und unauffällig. Die meisten der Dorfbewohner verdienen ihr Geld in der mehr als 100 Jahre alten Schokoladenfabrik von Barry Callebaut. Der Konzern aus Zürich mit 4,8 Milliarden Euro Umsatz und weltweit 9000 Mitarbeitern übernahm das Werk in den ,als er den belgischen Hersteller Callebaut schluckte.

    Für die Kakaomasse zermahlen die Arbeiter die gerösteten Bohnen so lange, bis ein dunkler, zähflüssiger Brei entsteht. Essen lässt sich die Masse nicht – viel zu bitter. Brocken der inzwischen abgekühlten und damit festen Kakaomasse laufen per Förderband in eine weitere Maschine, die sie mit Walzen zu feinem Kakaopulver verarbeitet. Das anschließende Konchieren verleiht der Schokolade ihren Schmelz. Das Pulver wird dabei zusammen mit Kakaobutter, Zucker und Milchpulver in Rührwerken stundenlang durchgeknetet.

    Die größten Kakaoproduzenten der Welt

    Die flüssige braune Masse lagert Barry Callebaut in beheizten Tanks. Rohre führen nach draußen zur Laderampe. Hier wird die Schokoladenmasse in die Tanks der wartenden Lkws gepumpt, die sie zu den Fabriken der Schokoladenindustrie fahren. Dort werden sie in handliche Tafeln gegossen oder in anderen Süßigkeiten verarbeitet. Callebauts Kunden sind dann wiederum die Konzerne, deren Marken im Supermarkt auf Schokoholics warten: Unilever, Nestlé oder Mars zum Beispiel.

    Wie viel die Multis an Callebaut zahlen, lässt sich zumindest abschätzen. Nach einer Studie von Voice Network, hinter der Umwelt- und Entwicklungshilfeorganisationen stehen, kostet eine Tonne Kakao, nachdem sie zu Vorprodukten für Schokolade verarbeitet wurde, 4434 Dollar einschließlich 211 Dollar Gewinn. Mars, Unilever und Nestlé packen als Schokoladenhersteller noch einmal 6425 Dollar je Tonne drauf. Daran verdienen sie etwa 870 Dollar. Den größten Anteil am Preis für Schokolade haben jedoch der Einzelhandel und der Fiskus mit 44 Prozent. Beim Farmer bleiben im Schnitt dagegen nur 6,6 Prozent vom Umsatz hängen. Bei einer Tafel Schokolade für einen Euro wären das nur etwa sieben Cent. Verdient wird mit Kakao vor allem am Ende der Produktionskette.

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