WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Royal Bank of Scotland Was der Rechenfehler der RBS für Anleger bedeutet

Seite 2/3

Absicherung über Finanzinstrumente

Technisch läuft die Absicherung über Optionen. Das sind Finanzinstrumente, die ihrem Besitzer das Recht geben, zum Beispiel den Dollar zu einem späteren Zeitpunkt zu einem bereits heute vereinbarten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Veränderungen des Optionspreises sollen Währungsschwankungen ausgleichen. Weil Optionen irgendwann fällig werden, viele Zertifikate aber unbegrenzt laufen, müssen immer wieder neue Optionen mit ihnen verknüpft werden. „Dies alles genau zu berechnen und stets möglichst aktuell zu halten ist für Emissionsbanken durchaus kompliziert und kann im Laufe der Jahre zu einer erheblichen Fehlerquote führen“, sagt ein ehemaliger Banker von Goldman Sachs.

Für Anleger können Fehler in der Quanto-Berechnung teure Folgen haben. Wenn der Basiswert eines Zertifikats, etwa der Goldpreis, in einem Jahr um 15 Prozent steigt und die Währungssicherung zwei Prozent pro Jahr kostet, bleiben unterm Strich 13 Prozent übrig. Wenn nun aber die Emissionsbank die Quanto-Gebühr falsch berechnet und womöglich vier Prozent abzieht, bleiben dem Anleger nur noch elf Prozent. Je länger solche Fehlberechnungen anhalten, umso größer der Schaden für Anleger.

Genau dieser Langzeiteffekt machte sich bei den RBS-Papieren bemerkbar.

So investieren Sie 2016 gegen den Schwarm
1. Tipp: Kaufen Sie Rohstoffe und Bodenschätze Quelle: dpa
Kaufen Sie Aktien aus Schwellenländern Quelle: dpa
Kaufen Sie Anleihen Quelle: REUTERS
Kaufen Sie britische Aktien Quelle: REUTERS
Verkaufen Sie Konsumgüter Quelle: dpa
US-Amerikanische Flaggen wehen am 27.04.2007 in New York, USA hinter einem Straßenschild mit der Aufschrift "Wall Street" Quelle: dpa
JP Morgan Quelle: REUTERS

Zu den beliebtesten Zertifikaten auf dem deutschen Markt gehören seit mehr als zehn Jahren Papiere auf den Goldpreis. Jede führende Zertifikatebank hat ein solches Papier im Angebot; natürlich auch in Quanto-Version, verspricht die doch die gleiche Wertentwicklung wie die bekannte Goldpreiskurve in Dollar, weil sie die Währungsschwankungen eliminiert. Einer der Bestseller dieser Art, ein währungsgesichertes Goldzertifikat der Deutschen Bank, wurde sogar von Börsen und Fachgremien als „Zertifikat des Jahres“ ausgezeichnet.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    WirtschaftsWoche warnte vor „fataler Gebührenfalle“

    In der Phase des Goldpreisanstiegs bis 2011 liefen alle Gold-Quantos fast genauso wie Gold in Dollar – auch das wichtigste RBS-Gold-Zertifikat mit der Nummer A0AB84. Seit 2011 jedoch, das zeigt der Chartvergleich, driften die Kurven auseinander. Während Gold in Dollar in der Baisse 2011 bis 2015 um 45 Prozent sank, verlor das RBS-Zertifikat 60 Prozent. Das vergleichbare Papier der Deutschen Bank schlug sich deutlich besser.

    Zehn kuriose Fakten über Gold
    Gold ist essbarEine Bedienung serviert eine Currywurst mit Blattgold und Champagner. Auch Süßspeisen, edle Pralinen oder Gebäck werden gern mit Blattgold verziert. Einen Eigengeschmack hat Gold nicht. Quelle: Berliner Wirtschafts- und Finanzstiftung Quelle: dpa/dpaweb
    Gold ist sehr gut formbarVon allen bekannten Metallen ist Gold dasjenige, das am besten dehn- und formbar ist - zugleich ist es sehr stabil. So kann aus nur einem Gramm Gold ein mehr als drei Kilometer langer Draht hergestellt werden, der dünner als ein menschliches Haar ist. Quelle: REUTERS
    Früher waren Olympia-Medaillen aus GoldDie deutsche Skirennläuferin Maria Höfl-Riesch posiert mit zwei Medaillen, die sie bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi 2014 gewann. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Goldmedaillen noch aus massivem Gold. Heute sind sie nur noch vergoldet. Schuld sind die seit dem Jahr 1900 stark gestiegenen Goldpreise. Bei einem aktuellen Goldpreis von etwa 1172 Dollar wäre die 500 Gramm schwere Medaille rund 18.840 Dollar wert. Quelle: dpa
    Deutsche sind Gold-FansDie Deutschen setzen auf Gold: Laut einer Studie, die der Edelmetallkonzern Heraeus bei der Berliner Steinbeis-Hochschule in Auftrag gegeben hatte, haben die Deutschen im Herbst 2014 mehr Gold in ihrem Privatbesitz als die US-Notenbank Fed eingelagert hat. Es sind etwa 8200 Tonnen. Quelle: dpa
    Gold als HeilmittelSeit Jahrtausenden wird Gold in der Naturheilkunde eine heilende Wirkung zugeschrieben. Auch heute noch werden Gold-Spritzen oder -Tabletten zum Beispiel gegen Rheuma angeboten. Die Therapie kann aber zahlreiche Nebenwirkungen haben und erfordert eine intensive ärztliche Betreuung. Quelle: dpa
    Das größte GoldnuggetHier ist das "Butte Nugget" zu sehen, eines der größten Goldnuggets, die je gefunden wurden. Noch größer war aber das Nugget "Welcome Stranger", das zwei Australier im Jahr 1869 fanden. Es maß zehn mal fünfundzwanzig Zentimeter. Quelle: AP
    Warum ist Gold kein offizielles Zahlungsmittel mehr?Der damalige US-Präsident Richard M. Nixon verkündete am 15. August 1971, dass der US-Dollar nicht mehr in Gold eintauschbar sei. Von da an verwandelten sich die Währungen der Welt in nicht einlösbares Papiergeld, Gold war keine Währungsdeckung mehr. Die Schweiz war lange eine Ausnahme: Bis das Alpenland 1999 in den IWF eintrat, waren noch 40 Prozent jedes Schweizer Frankens durch Gold gedeckt. Quelle: AP

    Die WirtschaftsWoche warnte am 16. September 2013 vor der „fatalen Gebührenfalle“ bei RBS-Quanto-Zertifikaten. Die RBS berechnete zum damaligen Zeitpunkt 3,66 Prozent jährliche Quanto-Gebühr, deutlich mehr als andere Banken. „Dass bestimmte Werte für die Festsetzung der Höhe der Quanto-Gebühr nicht aktualisiert worden waren, wurde damals nicht bemerkt“, sagt RBS-Sprecherin Andrea Blecker. Je länger die Zertifikate auf dem Markt waren, desto stärker wirkten sich die Fehler aus.

    Vor zwei Jahren begann die Royal Bank of Scotland damit, sich des Zertifikategeschäfts zu entledigen. Ab Herbst 2014 ging die ganze Palette der RBS in mehreren Schritten auf die französische Großbank BNP Paribas über. Spätestens bei dieser Migration, so vermuten Vertreter der beteiligten Banken gegenüber der WirtschaftsWoche, seien die falschen Kurse offensichtlich geworden. Am 14. Dezember 2015 informierte die RBS deshalb Kunden der Banken, über die ihre Zertifikate verkauft worden waren. Auf sechs Seiten listete sie die Zertifikate auf, bei der sie falsche Kurse festgestellt hatte.

    Inhalt
    Artikel auf einer Seite lesen
    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%