Royal Mail Britische Post auf dem Sprung an die Börse

Die britische Post soll privatisiert werden. Das frische Kapital könnte ihrer Pakettochter GLS helfen, der Deutschen Post erfolgreicher als bisher Konkurrenz zu machen.

Ein Wagen der Royal Mail in London Quelle: Reuters

Die britische Post war selbst für Margaret Thatcher heilig. Obwohl die ehemalige britische Premierministerin vor fast keiner Privatisierung zurückschreckte, blieb die 1516 gegründete Royal Mail im Staatseigentum. Der Kopf der Queen zierte Generationen von Briefmarken und diente damit als eine Art Garant, die Post nicht zu privatisieren. Selbst als das Unternehmen vorschlug, ihre Briefkästen in den Heimatstädten der britischen Olympiasieger goldfarben zu streichen, zweifelten einige Briten zunächst: Die roten Briefkästen der weltweit ältesten Post gehören schließlich zum Stadtbild wie die Beefeater vor dem Tower of London.

Doch nun schlägt die Ökonomie die Tradition. Die Staatskasse ist leer, die britische Post braucht Geld, um sich zu modernisieren und nicht länger mit Krankenhäusern und Schulen um Gelder kämpfen zu müssen. Da hilft keine königliche Briefmarke mehr, sondern nur noch der Börsengang, hat Premierminister Cameron entschieden. In den nächsten Wochen soll es so weit sein, und es könnte der viertgrößte Börsengang eines Postunternehmens werden. Auf rund drei Milliarden Pfund schätzen Experten das Unternehmen.

Börsengang Royal Mail – Die Eckdaten

Deutsche Post, aufgepasst! Ein Teil des frischen Kapitals könnte in die europäische Pakettochter GLS (General Logistics Systems) fließen und damit für mehr Wettbewerb im wachsenden deutschen und internationalen Paketmarkt sorgen. GLS ist für die Deutsche Post ein unerfreulicher alter Bekannter. Das Unternehmen hieß früher German Parcel und sorgte im vorvorigen Jahrzehnt zusammen mit dem DPD (heute französische Post) dafür, dass der Bonner Konzern jahrelang tiefrote Zahlen schrieb.

Zwar ist die Pakettochter GLS heute mit einem Umsatz von mehr als 1,5 Milliarden britischen Pfund das Tafelsilber der Royal Mail. In Jahren, in denen das Briefgeschäft Verluste schrieb, erzielte GLS stets Gewinne, zuletzt waren es operativ 128 Millionen Pfund. Auf dem deutschen Paketmarkt folgt sie allerdings abgeschlagen auf die DHL, den DPD, die amerikanische UPS und die Otto-Tochter Hermes.

Daran könnte sich nach dem Börsengang etwas ändern. Bislang konzentrierte sich GLS eher auf Geschäftskunden, im mühseligen Geschäft mit den Endkunden war das Unternehmen bislang schwach. So steigerte GLS den Umsatz 2012 in Deutschland lediglich um ein halbes Prozent, während die deutsche DHL um mehr als neun Prozent zulegte. Mit frischem Kapital aber könnte GLS bald auch im Endkundengeschäft angreifen. „Denn gerade im Bereich E-Commerce kann es GLS sich nicht leisten, da nicht einzusteigen“, sagt Logistikberater Horst Manner-Romberg.

Die anderen Paketdienstleiter machen es schließlich vor: Konkurrent UPS hatte jüngst angekündigt, 4500 Paketshops einzurichten und so im Geschäft mit den Endkunden zu wachsen. Die Deutsche Post investiert 750 Millionen Euro in ihre Paketzentren und will in ihrem größten 50.000 Pakete pro Stunde abfertigen.

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