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Saudi-Arabien und Nahost Der größte Börsengang der Welt

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Gut vorbereitet mit gekürzten Staatsausgaben

Das Problem für die Saudis: Der gesamte Nahe Osten ist normalerweise keine Region, die für gute Nachrichten bekannt ist. In Syrien und Jemen tobt ein Bürgerkrieg, in Teilen des Irak herrscht der „Islamische Staat“. Eine hohe Geburtenrate und autoritäre Regierungen erhöhen die Fragilität der Staaten. Trotzdem gibt es positive Nachrichten, die die Region für Anleger interessant machen. Denn so wie Saudi-Arabien stehen viele arabische Länder vor einer Trendwende.

„Aus makroökonomischer Sicht ist die Region momentan sehr interessant“, sagt Bassel Khatoun, Chefstratege für die Region in Dubai, von der Fondsgesellschaft Franklin Templeton. „Die Jahre 2015 und 2016 waren geprägt von einer Konsolidierung: Viele Regierungen haben ihre Staatsausgaben drastisch reduziert und Subventionen gekürzt.“ Das hat in vielen Ländern zu eingeschränktem Wachstum geführt. So hatte Saudi-Arabien zwischen 2014 und 2016 seine Ausgaben um 28 Prozent verringert. Dieses Jahr will Riad erstmals wieder mehr Geld ausgeben.

Gemessen an dem, was aus der Region kommt, sind die Länder des Nahen Ostens auf dem weltweiten Finanzmarkt unterrepräsentiert: Zwar beträgt ihr Anteil an der globalen Wirtschaftsleistung 2,6 Prozent, aber nur 0,3 Prozent sind in Aktienindizes repräsentiert. Die Aufnahme in den MSCI EM würde das schlagartig ändern – und jede Menge Kapital anziehen. „Internationale Anleger werden dann an Saudi-Arabien kaum mehr vorbeikommen“, sagt Khatoun. „Erfahrungsgemäß löst eine Aufnahme in den Index eine Rally aus.“

Auch im bevölkerungsreichsten arabischen Land ist Bewegung: Ägypten. Noch vor wenigen Monaten stand der Staat kurz vor der Zahlungsunfähigkeit. In Supermärkten, klagten Expats, gebe es keinen Philadelphia und keine Barilla-Nudeln mehr. Die breite Bevölkerung traf eher, dass gutes Obst, einer der wenigen Exportartikel, nur noch ins Ausland verkauft wurde. Auf den heimischen Märkten landete B-Ware. Entsprechend wuchs der Unmut der einfachen Leute auf den staubigen Straßen Kairos.

Die Märkte für Geduldige
Wo lässt es sich am besten nach Rendite fischen?Zwischen 1900 und Ende 2016 gewannen die Aktienmärkte weltweit im Schnitt 5,1 Prozent pro Jahr, die Inflation herausgerechnet. Zu diesem Ergebnis kommt die Credit Suisse in ihrem „Global Investment Returns Yearbook“ 2017, das im Februar veröffentlicht wurde. Für die Berechnung stützt sich die Schweizer Bank auf die Daten der Professoren Elroy Dimson, Paul Marsh und Mike Staunton von der London Business School. Der Datensatz erfasst die Performance von 70.000 Börsentagen und vergleicht die Aktienmärkte aus 21 Ländern. Wer trotzte den Krisen der vergangenen Jahrzehnte besonders gut? Ein Überblick. Quelle: dpa
Österreich Quelle: Wiener Börse
Italien Quelle: REUTERS
Belgien Quelle: Fotolia
Frankreich Quelle: REUTERS
Deutschland Quelle: dpa
Portugal Quelle: dpa

Devisen fehlten, weil Kairo damit das ägyptische Pfund stützte. Der Tourismus war wegen des Terrorismus – al-Qaida hatte unter anderem ein russisches Flugzeug mit Urlaubern über dem Sinai abgeschossen – eingebrochen. Und die Einnahmen aus einer teuren Erweiterung des Suez-Kanals waren längst nicht so hoch wie angenommen.

Kein halbes Jahr später ist die Lage anders: Der Internationale Währungsfonds hat dem Land 2,75 Milliarden Dollar geliehen – die erste Tranche eines Zwölf-Milliarden-Kredits. Denn Ägypten hat sich an schmerzhafte Reformen gewagt: Den Wechselkurs gab Kairo im November frei. Die ägyptische Währung sank daraufhin rapide. Die Kapitalkontrollen sollen zunächst auf 100.000 Dollar gelockert werden. Für die ägyptischen Bürger sind die Einschnitte zwar schmerzhaft. Auch Subventionen für Benzin hat Kairo gekürzt – der Liter Super kostet jetzt umgerechnet 33 Cent – und zudem eine Mehrwertsteuer eingeführt.

Bald aber dürften die Reformen spürbar etwas bringen und die „ägyptische Wirtschaft ihr Potenzial ausschöpfen“, sagt IWF-Chefin Christine Lagarde. Sie glaubt, dass der Kredit und die damit verbundenen Reformanstrengungen internationale Anleger anziehen werden. Kairo rechnet mit elf Milliarden Dollar über Staatsanleihen und Aktien.

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