WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Saudi-Arabien und Nahost Der größte Börsengang der Welt

Seite 3/3

Reformen in Ägypten

Templeton hält das Ägyptische Pfund für unterbewertet, seitdem das Land als Voraussetzung für einen IWF-Kredit seine Währung freigegeben hat. Vor den Unruhen des Arabischen Frühlings 2011 lag das Wachstum bei rund fünf Prozent. Momentan wächst das BIP um drei Prozent. Zur allgemeinen Entspannung trägt vor allem der langsam steigende Ölpreis bei. Seit dem Tiefpunkt von 25 US-Dollar vor zwei Jahren hat er sich mehr als verdoppelt. „Das wirkt sich positiv auf die Wirtschaft der Länder aus“, sagt András Szálkai, Fondsmanager bei Raiffeisen Capital Management. „Die Stimmung unter Investoren hat sich sichtlich geändert, nachdem die Opec-Länder im Dezember vereinbart haben, weniger Öl zu fördern.“

Die Kursraketen seit der Finanzkrise

Ägypten ist zwar kein großer Ölproduzent, profitiert aber dank Pipelines und Suez-Kanal vom Ölgeschäft. Noch stärker am Ölpreis hängt das Königreich Saudi-Arabien.

Es will die Abhängigkeit aber verringern und steht wirtschaftlich besser da als vor drei Jahren: Im Dezember 2015 hat Riad die Benzinpreise um 50 Prozent erhöht, beziehungsweise Subventionen gekürzt. Auch die Gehälter im aufgeblähten Staatsdienst wurden gesenkt. Seit 2014 schrumpften die Staatsausgaben um ein Drittel. 2020 soll der Haushalt ausgeglichen sein.

In den übrigen Golfstaaten ist die Lage ähnlich: Sie sind auf dem Weg, unabhängiger vom Rohstoff Öl zu werden. 2018 soll in den Ländern des sogenannten Golf-Rats, zu dem sich die meisten Staaten der Arabischen Halbinsel zusammengeschlossen haben, eine Mehrwertsteuer eingeführt werden. In Oman und Bahrain kürzten die Regierungen Wasser- und Energiesubventionen und reduzierten die Staatsausgaben. Für einen Wirtschaftsaufschwung dürften auch zwei Großereignisse sorgen: 2020 findet in Dubai die World Expo statt. 2022 ist dann Katar Gastland der Fußballweltmeisterschaft. Beide Märkte gelten als die zugänglichsten und transparentesten der Region.

Die Raiffeisen-Bank hält neben Lebensmittelversorgern Immobilienaktien aus der Region für attraktiv. „Neben den Großereignissen stehen in den Golfstaaten viele Investitionen in die Infrastruktur an, wovon die Baubranche profitiert“, sagt András Szálkai, von Raiffeisen Capital Management.

Templeton setzt vor allem auf Finanz- und Bankaktien. Der Franklin MENA Fund (Mittlerer Osten/Nordafrika) besteht zu mehr als der Hälfte aus Aktien dieser Sektoren. Das hat banale Gründe: Die Börsen in der Golfregion sind noch relativ jung. „Da es zunächst vor allem Banken und Versicherungen sind, die an die Börse gehen, ist dieser Sektor stark repräsentiert“, sagt Fondsstratege Khatoun. Vor allem aber dürfte der Finanzsektor von einem stärkeren Dollar und steigenden Zinsen profitieren. Die meisten Währungen der Arabischen Halbinsel sind an den Dollar gekoppelt und ziehen bei Wertsteigerungen der US-Währung mit.

Die Risiken bleiben hoch: Saudi-Arabien gilt trotz seines Reformprogramms als Pulverfass. Der Wohlstand ist ungleich verteilt, und eine hohe Geburtenrate sorgt für sozialen Sprengstoff. 70 Prozent der Bevölkerung sind heute unter 30. Viele Männer gelten als gering qualifiziert, aber anspruchsvoll und arrogant. 70 Prozent der knapp 30 Millionen Saudis arbeiten für den Staat. Die Wirtschaft wird von rund acht Millionen, meist asiatischen Gastarbeitern am Laufen gehalten.

Eine Frau an der Spitze der Börse ist da bislang nicht viel mehr als ein Feigenblatt.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%