Scalable Capital Woran erkenne ich einen guten ETF?

Wie finden Anleger den richtigen börsengehandelten Indexfonds im riesigen Angebot? Florian Prucker, Chef des Robo-Anlageberaters Scalable, kennt das Problem nur zu gut - und hat ein paar wichtige Ratschläge.

Florian Prucker ist Gründer und Geschäftsführer des Algo-Anlageberaters Scalable Capital. Das Unternehmen investiert für Anleger nach festen Regeln in verschiedene Märkte und nutzt dafür ausschließlich börsengehandelte Indexfonds, ETFs. Diese Fonds verfolgen keine eigene Anlagestrategie, sondern bilden einfach einen Index, etwa den Dax, ab. Das ist simpel und spart Kosten. Doch die Fonds verschiedener Anbieter unterscheiden sich oberflächlich kaum voneinander, die Auswahl fällt schwer. Dieses Problem haben Privatanleger genauso wie der Profi-Investor Prucker: Im Interview verrät er, woran er sich beim ETF-Kauf orientiert.

Herr Prucker, Ihr Unternehmen Scalable Capital setzt seine Anlagestrategien für Kunden mithilfe von börsennotierten Indexfonds, ETFs, auf. Nach welchen Kriterien suchen Sie die besten ETFs denn aus?
Grundsätzlich gibt es zwei Kriterien: Quantitative und qualitative. Qualitativ stellt sich vor allem die Frage, ob Sie einen physisch oder einen synthetischen replizierenden ETF möchten.

Also entweder einen ETF, der direkt in die im Index gehaltenen Wertpapiere investiert oder einen, der den Index mithilfe von Derivaten, sogenannten Swaps, nachbildet.
Genau. Wenn es für einen Index eine gute Auswahl physischer ETFs gibt und sie nur im einstelligen Basispunktebereich mehr kosten als synthetische, dann nehmen wir lieber physische. Ein Basispunkt entspricht dabei einem Hundertstel Prozent.

Florian Prucker Quelle: Presse

Swap-basierte ETFs sind also günstiger als physische. Aber Swaps haben einen schlechten Ruf, weil der Swap-Partner pleitegehen kann. Viele Anleger haben Angst davor.
Die Swaps der synthetischen ETFs sind zwar besichert. Aber ein gewisses Restrisiko bleibt eben doch. Und wenn man das günstig ausschließen kann, dann machen wir das. Anders sieht es etwa bei den Rohstoffmärkten aus. Da werden viele Indizes anhand von Forwards oder Futures abgebildet, die können Sie physisch nicht nachbilden. Um eine synthetische Lösung kommen Sie da also nicht herum. Auch in einigen Aktienmärkten wie China oder Lateinamerika wäre eine physische Nachbildung aufwendig und teuer. Aber bei einem liquiden Index wie dem Dax gibt es genügend physische ETFs.

Allein für diesen Index haben deutsche Anleger die Wahl zwischen sechs verschiedenen Indexfonds. Langfristig liefern sie zum Teil deutlich unterschiedliche Erträge. Hängt das mit den laufenden Kosten der ETFs, der Total Expense Ratio (TER) zusammen?
Vorweg: Wir waren nie Fans der TER, weil sie nicht so “total” ist, wie der Name nahelegt. Beispielsweise sind die Transaktionskosten eines ETFs für den Kauf von Wertpapieren darin gar nicht enthalten. Diese belasten jedoch die Wertentwicklung. Je niedriger sie sind, desto niedriger ist also die Abweichung vom Index und desto besser die Rendite für den Anleger. Die TER mag einen Teil der Renditeunterschiede erklären, aber bestimmt nicht alle.

Welche Rolle spielen Steuern?
Steuern waren ein großes Thema, durch die Investmentsteuerreform Anfang des Jahres hat sich das allerdings geändert.  Für deutsche Anleger ist es nun steuerlich egal, ob der Fonds in Deutschland, Luxemburg oder Irland sitzt. Das erleichtert die Auswahl geeigneter ETFs natürlich erheblich.

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Auch Erträge des Fonds haben Einfluss auf die Wertentwicklung. Viele ETFs verleihen zum Beispiel die Wertpapiere, die sie halten, an andere Marktteilnehmer. Das bringt Leihgebühren und mindert entsprechend die Kosten des ETFs. Andererseits sind Wertpapierleihen umstritten, weil der Leihnehmer ausfallen könnte. Wie stehen Sie zu dem Thema?
Wenn die Wertpapierleihe entsprechend besichert ist, halten wir sie für durchaus sinnvoll, um zusätzliche Rendite zu erzielen. Wichtig ist, dass man als Anleger fair behandelt wird. Es gab in der Vergangenheit Fälle, in denen Wertpapiere aus einem Fonds verliehen wurden und der Fondsanbieter die Erträge selbst einsteckte. Da haben Sie als Anleger dann ein Risiko, werden dafür aber nicht bezahlt. Das darf nicht sein. Aber wenn Sie fair für das erhöhte Risiko entschädigt werden, dann sehe ich keinen Grund, keine Leihe zu machen.

All diese Faktoren bestimmen die Wertentwicklung eines ETFs. Wie erkenne ich als Anleger solche mit besonders guter Wertentwicklung beziehungsweise besonders niedriger Abweichung vom Index?
Bei Fonds, die nichts ausschütten, können Sie einfach die Charts und den Index übereinanderlegen. Dafür können Sie die Tools nutzen, die viele Broker ihren Kunden anbieten. So können Sie recht einfach vergleichen, welcher ETF über einen längeren Zeitraum am nächsten am Index dran bleibt. Schwieriger wird der Vergleich bei ausschüttenden Fonds. Denn die Charts können die Wiederanlage der Erträge in der Regel nicht abbilden. Da müssen Anleger dann anhand der Factsheets darauf schließen, wie viel ausgeschüttet wurde und das zur Wertentwicklung hinzuaddieren. Das ist aber leider sehr aufwendig.

Die wichtigsten Fondstypen im Überblick

Eines Ihrer eigenen Auswahlkriterien ist die Handelbarkeit eines ETFs. Warum ist die Ihnen wichtig?
Die Bedeutung der Handelbarkeit nimmt zu, je größer man selber ist und je öfter man handelt. Denn große Volumina lassen sich nur bei entsprechender Liquidität am Markt ohne hohe Geld-Brief-Spannen oder Zeitverzögerungen bei der Ausführung platzieren. Wir nehmen daher gerne große ETFs.

Der Unterschied zwischen An- und Verkaufskurs an der Börse ist also dann geringer. Wie viel macht das bei den Kosten eines ETFs aus?
Das ist etwa die gleiche Dimension wie die Total Expense Ratio. Wir sprechen hier also von einem hohen einstelligen bis mittleren zweistelligen Basispunkte-Bereich. Der Unterschied wird natürlich relevanter, je kürzer ich den ETF halte. Oder umgekehrt: Je länger mein Anlagehorizont ist, desto unwichtiger wird die Geld-Brief-Spanne beim Handeln.

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