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Schlechte Geschäfte mit Namen Quandt Ein Investment-Star stürzt ab

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Das Misstrauen ist groß

Zwölf prominente "Verzocker"
Vince McMahon Quelle: AP
Eike Batista Quelle: dpa
Kweku Adoboli Quelle: REUTERS
Nick Leeson Quelle: REUTERS
Nelson Bunker Hunt; Herbert William Hunt
Jerome Kerviel Quelle: REUTERS
John Paulson Quelle: REUTERS

Auch eine andere Superreiche tritt nicht mehr in Erscheinung. José Marie Kolb, ein Mitglied des Milliardärs-Clans Werhahn (Diamant-Mehl, Zwilling), war 2009 bei Altira eingestiegen. 2010 taucht Kolb noch im Geschäftsbericht auf („Unsere Großaktionäre sind uns auch in diesem Jahr treu geblieben“), heute ist sie nicht mehr beteiligt. Allianz Global Investors, die seit 2008 auf die Altira-Aktie setzten, sind 2011 ebenfalls ausgestiegen. „Das Misstrauen ist groß. Vielen ist die ABL-Gruppe zu undurchsichtig“, sagt ein Insider.

Wie groß das Misstrauen ist, lässt sich an den Börsenkursen ablesen. Die Altira-Aktie, in der Spitze 60 Euro wert, kostet jetzt 2,50 ; der Finanzvertrieb Aragon fiel von 32 auf 2,40 Euro. Die Kursentwicklung von Heliad und dem Fondsanbieter FIHM (früher SHB) ist ähnlich grauenvoll. Eine CFC-Aktie, in der Spitze 18 Euro wert, notiert heute unter 15 Cent.

Schlechte Geschäfte

Seit zwei Jahren nur noch abwärts - Kursentwicklung der Aragon-Aktie (in Euro), wichtige Unternehmensmeldungen und Empfehlungen von Silvia Quandt Research (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

Dass Anleger zurückweichen, ist verständlich: Vielen ABL-Beteiligungen geht es schlecht. Aragon hat in den vergangenen drei Geschäftsjahren auf Konzernebene insgesamt einen Verlust von 13,7 Millionen Euro gemacht. Altira verzeichnet für den Zeitraum einen Verlust von 22,2 Millionen, der Solarfinanzierer Ecolutions ein Minus von 17 Millionen Euro, Heliad machte 30,5 Millionen Euro Verlust. Eine Dividende erhielten Aktionäre bislang nur von Altira – und das auch nur in einem einzigen Jahr.

Die nicht börsennotierte Silvia Quandt & Cie. allerdings blieb über Jahre profitabel. Angermayer sagte 2007, die Stärke der Gesellschaft bestehe darin, dass sie nicht um Fusionen oder Börsengänge kämpfen müsse, die Mandate bekomme sie von ABL. Sie platzierte Kapitalerhöhungen für Altira oder Ecolutions und brachte Beteiligungen wie CFC an die Börse.

Der Nukleus der Gruppe mit dem großen Namen „Quandt“ warb fleißig Investoren und schrieb eifrig Researchberichte. Das fällt dem Unternehmen nun auf die Füße. Weil die Silvia Quandt & Cie. sie in die heute strauchelnden ABL-Unternehmen lockte, will so mancher Investor mit Silvia Quandt nichts mehr zu tun haben. Dabei steht oft der Verdacht im Raum, dass sie weniger für externe Aktionäre als vielmehr zum Vorteil der ABL-Gruppe agiert, den eigenen Grundsätzen („Stelle Anleger und Kunden an erste Stelle“, „Setze ethische Maßstäbe an“) zum Trotz.

Zweifelhafte Studien

Silvia-Quandt-Analysten schreiben Aktienstudien und verbreiten sie. Solche Studien können bei kleinen Werten Kurse bewegen. Analysten sollen deshalb unabhängig entscheiden, ob sie eine Aktie zum Kauf oder Verkauf empfehlen, auf keinen Fall darf der Arbeitgeber Einfluss nehmen. So ist das laut Geschäftsführer Ralf Groenemeyer auch bei Silvia Quandt Research.

Die von Quandt öffentlich verbreiteten Studien lassen aber, gelinde gesagt, genau daran Zweifel aufkommen. Denn sie kennen für Aktien aus dem ABL-Reich im Wesentlichen nur eine Empfehlung: Kaufen! Und das unabhängig davon, wo der Aktienkurs gerade steht und wie sich das Unternehmen operativ entwickelt.

Meist wurden hohe Kursziele angesetzt. Doch die Werte fielen ins Bodenlose. Groenemeyer sieht darin keinen Fehler: Die Verschlechterung des Marktumfelds habe bei einer Vielzahl von Unternehmen zu einer schlechteren Kursentwicklung als vorher angenommen geführt. Kursziele für Unternehmen der ABL-Gruppe seien auch teilweise deutlich nach unten angepasst worden. Den Rat, Aktien aus dem ABL-Reich zu verkaufen, haben die Analysten aber nicht ein einziges Mal erteilt.



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