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Schlechte Geschäfte mit Namen Quandt Ein Investment-Star stürzt ab

Unbezahlte Rechnungen, hoch gestiegene und dann wieder abgestürzte Kurse, flüchtende Aktionäre: Christian Angermayer, einst eine der glamourösen Figuren der Finanzszene, wird entzaubert – und das gründlich. Ein Lehrstück für Anleger.

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Christian Angermayer Quelle: Laif

Raumtemperatur und Stimmung sind auf Eisschrank-Niveau, als Jürgen Rüttgers kurz vor elf seinen Platz im Tagungsraum des Dortmunder Hotels Pullman einnimmt. Der Ex-Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen lehnt sich zurück, blickt gedankenverloren in den Raum, seine Mundwinkel hängen tief. Ein bitterer Tag: Als Aufsichtsrat der CFC Industriebeteiligungen AG muss Rüttgers eine außerordentliche Hauptversammlung (HV) abhalten. CFC musste für einige seiner Töchter Insolvenz anmelden, die frustrierten Aktionäre – die CFC-Aktie hat binnen eines Jahres 85 Prozent an Wert verloren – stellen eine Menge unangenehmer Fragen.

CFC (Eigenwerbung: „Companion for Companies“) gehörte lange zur Angermayer, Brumm und Lange Gruppe (ABL), also zum Reich des Christian Angermayer. Kurz vor der Schreckens-HV stiegen seine Unternehmen im Februar bei CFC aus.

Der 34-jährige Angermayer galt lange Zeit als einer der aufstrebenden Sterne am Frankfurter Finanzhimmel. Allzu gern umgab er sich mit Prominenten, die ihm Aufmerksamkeit verschafften und die nötige Seriosität verliehen, um an Investoren für seine Projekte zu kommen.

Prominente Freunde

In die Kategorie „Aufmerksamkeit“ fallen Showgrößen wie Stargeiger David Garrett, mit dem Angermayer gut bekannt ist, aber auch Moderatorin Sonya Kraus oder Filmstar Uma Thurman. „Seriosität“ bietet neben Rüttgers bei CFC auch Ex-BDI-Chef Hans-Olaf Henkel, der bis vor Kurzem im Aufsichtsrat der ABL-Firma Heliad saß. Seit 2008 berät Angermayer Ruandas Präsidenten Paul Kagame, zeitweise zusammen mit dem britischen Ex-Premier Tony Blair, dem ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton, dem früheren Weltbank-Präsidenten Paul Wolfowitz und Management-Guru Michael Porter. Mit Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und dem CDU-Politiker Philipp Mißfelder saß er bis 2011 im Kuratorium des Quadriga-Preises.

Die Bank, die keine ist

Übersicht zum Firmengeflecht der ABl-Gruppe (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

Sein mit Abstand wichtigster Promi-Kontakt aber ist Golo Quandt. Ihm hat Angermayer zu verdanken, dass er sein Investmenthaus nach Golos Mutter benennen durfte. Die Silvia Quandt & Cie. AG, die den Namen der bekannten Industrie-Dynastie nutzt, ist ein Kernstück von ABL. Ein Investmenthaus ist eine Bank, die sich so nicht nennen darf, weil sie keine Lizenz hat, aber alle möglichen Geschäfte einer Bank macht: Kapital besorgen, Aktienanalysen schreiben, Unternehmen beim Verkauf von Beteiligungen beraten. Sie braucht dafür nur einen Partner mit Lizenz. Bei Silvia Quandt ist dies die biw Bank aus Willich.

Das vor 13 Jahren von Angermayer und den Kaufleuten Peter Brumm und Andreas Lange gegründete Finanzkonglomerat ABL besteht aus mehr als 40 Gesellschaften. An der Spitze steht der Vermögensverwalter Altira mit der Beteiligungsgesellschaft Heliad. Zweite wichtige Beteiligung ist die Aragon AG, unter deren Dach sich diverse Finanzvertriebe tummeln, deren 22.000 Berater Versicherungen, Fonds und dergleichen verkaufen. Das Angermayer-Reich, dem Kunden 2011 noch mehr als fünf Milliarden Euro anvertraut haben, wird jetzt erschüttert von Glaubwürdigkeitsverlusten und Ärger über massive Interessenkonflikte. Aragon, Altira und Heliad, die Mitte 2007 an der Börse noch über 600 Millionen Euro kosteten, haben heute nur noch gut 50 Millionen Euro Marktwert. Verlierer dürften oft die Anleger sein.

Enge Bande

Paul Kagame Quelle: dapd

Und so entlädt sich in Dortmund eine Menge Unmut über den gequält dreinschauenden Rüttgers. So mancher CFC-Anteilseigner hegt den Verdacht, dass die Bande zwischen der Silvia Quandt & Cie. und CFC zu eng gewesen sein könnte – zum Nachteil der Anleger. Bis vor Kurzem hielt Silvia Quandt & Cie. Aktien der CFC, zudem hat die Bank, die keine ist, CFC an die Börse gebracht, Kapitalerhöhungen platziert, CFC beraten, Kaufstudien geschrieben und so über die Jahre mehrere Millionen Euro Gebühren kassiert. Die Aktionäre wollen auf der HV nun wissen, welche Verträge und welche Gegenleistungen es gab – und warum Quandt-Analysten die Zukunft der CFC in rosigen Farben gemalt haben.

Zweifel an der Unabhängigkeit und Neutralität der Silvia Quandt & Cie. sind durchaus angebracht. Unterlagen, die der WirtschaftsWoche vorliegen, legen nahe, dass die Quandt & Cie. den Auftrag erhielt, den Aktienkurs des gruppeneigenen Finanzdienstleisters Aragon im Sinne des Großaktionärs ABL zeitweise nach oben zu treiben, was die Beteiligten bestreiten.

Mit Promi-Bonus

Kuriose Börsenpannen

Blick zurück: Wer in Frankfurts Finanzwelt etwas werden will, darf nicht kleckern. Angermayer klotzte gewaltig: mit markigen Aussagen – 2007 verkündete er, ein Unternehmen wie Goldman Sachs formen zu wollen – und mit bekannten Namen.

Vor allen anderen half ihm der Name Quandt: Zwar bekam er den nicht von der BMW- und Altana-Linie um Johanna Quandt, der dritten Frau des Industriellen Herbert Quandt – dieser Familienzweig soll über die Nutzung des Namens nicht erbaut sein –, aber doch von Silvia, einer Tochter aus Herbert Quandts erster Ehe.

Mit Quandts auf Werbetour

2006 gründeten Angermayer und Co. mit Golo Quandt, Mutter Silvia und dem Banker Joachim Paech die Silvia Quandt & Cie. AG. Angermayer wurde Vorstand und ging mit dem Namen der Quandts auf Werbetour. Er wurde nicht nur für das Investmenthaus gemietet. Auch die Vermögensmanagement-Tochter Altira wies darauf hin, dass die Vermögensverwaltung von Silvia Quandt langjähriger Investor des Unternehmens sei. Die Beteiligungsgesellschaft Heliad pries Quandt als Teil des Netzwerks, beim Immobilienentwickler Squadra fand sich der Name in Präsentationen, die Filmhouse AG führt aus, dass die Familie Silvia Quandt „strategischer Partner“ des Mehrheitseigners ABL sei.

Die Familie Silvia Quandt hielt bei Gründung 25 Prozent der Quandt & Cie., bei Altiras Börsengang 2007 war die damals von Angermayer geführte Vermögensverwaltung von Silvia Quandt mit zehn Prozent an Altira beteiligt, Golo Quandt hielt zeitweise zehn Prozent an Heliad. Ohne Quandt passierte wenig im Angermayer-Reich.

Doch das Band scheint zumindest auf der geschäftlichen Ebene gekappt. Ein Anwalt der Familie bestätigt, dass Silvia und Golo Quandt nicht mehr an Unternehmen der ABL-Gruppe beteiligt sind.

Das Misstrauen ist groß

Zwölf prominente "Verzocker"
Vince McMahon Quelle: AP
Eike Batista Quelle: dpa
Kweku Adoboli Quelle: REUTERS
Nick Leeson Quelle: REUTERS
Nelson Bunker Hunt; Herbert William Hunt
Jerome Kerviel Quelle: REUTERS
John Paulson Quelle: REUTERS

Auch eine andere Superreiche tritt nicht mehr in Erscheinung. José Marie Kolb, ein Mitglied des Milliardärs-Clans Werhahn (Diamant-Mehl, Zwilling), war 2009 bei Altira eingestiegen. 2010 taucht Kolb noch im Geschäftsbericht auf („Unsere Großaktionäre sind uns auch in diesem Jahr treu geblieben“), heute ist sie nicht mehr beteiligt. Allianz Global Investors, die seit 2008 auf die Altira-Aktie setzten, sind 2011 ebenfalls ausgestiegen. „Das Misstrauen ist groß. Vielen ist die ABL-Gruppe zu undurchsichtig“, sagt ein Insider.

Wie groß das Misstrauen ist, lässt sich an den Börsenkursen ablesen. Die Altira-Aktie, in der Spitze 60 Euro wert, kostet jetzt 2,50 ; der Finanzvertrieb Aragon fiel von 32 auf 2,40 Euro. Die Kursentwicklung von Heliad und dem Fondsanbieter FIHM (früher SHB) ist ähnlich grauenvoll. Eine CFC-Aktie, in der Spitze 18 Euro wert, notiert heute unter 15 Cent.

Schlechte Geschäfte

Seit zwei Jahren nur noch abwärts - Kursentwicklung der Aragon-Aktie (in Euro), wichtige Unternehmensmeldungen und Empfehlungen von Silvia Quandt Research (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

Dass Anleger zurückweichen, ist verständlich: Vielen ABL-Beteiligungen geht es schlecht. Aragon hat in den vergangenen drei Geschäftsjahren auf Konzernebene insgesamt einen Verlust von 13,7 Millionen Euro gemacht. Altira verzeichnet für den Zeitraum einen Verlust von 22,2 Millionen, der Solarfinanzierer Ecolutions ein Minus von 17 Millionen Euro, Heliad machte 30,5 Millionen Euro Verlust. Eine Dividende erhielten Aktionäre bislang nur von Altira – und das auch nur in einem einzigen Jahr.

Die nicht börsennotierte Silvia Quandt & Cie. allerdings blieb über Jahre profitabel. Angermayer sagte 2007, die Stärke der Gesellschaft bestehe darin, dass sie nicht um Fusionen oder Börsengänge kämpfen müsse, die Mandate bekomme sie von ABL. Sie platzierte Kapitalerhöhungen für Altira oder Ecolutions und brachte Beteiligungen wie CFC an die Börse.

Der Nukleus der Gruppe mit dem großen Namen „Quandt“ warb fleißig Investoren und schrieb eifrig Researchberichte. Das fällt dem Unternehmen nun auf die Füße. Weil die Silvia Quandt & Cie. sie in die heute strauchelnden ABL-Unternehmen lockte, will so mancher Investor mit Silvia Quandt nichts mehr zu tun haben. Dabei steht oft der Verdacht im Raum, dass sie weniger für externe Aktionäre als vielmehr zum Vorteil der ABL-Gruppe agiert, den eigenen Grundsätzen („Stelle Anleger und Kunden an erste Stelle“, „Setze ethische Maßstäbe an“) zum Trotz.

Zweifelhafte Studien

Silvia-Quandt-Analysten schreiben Aktienstudien und verbreiten sie. Solche Studien können bei kleinen Werten Kurse bewegen. Analysten sollen deshalb unabhängig entscheiden, ob sie eine Aktie zum Kauf oder Verkauf empfehlen, auf keinen Fall darf der Arbeitgeber Einfluss nehmen. So ist das laut Geschäftsführer Ralf Groenemeyer auch bei Silvia Quandt Research.

Die von Quandt öffentlich verbreiteten Studien lassen aber, gelinde gesagt, genau daran Zweifel aufkommen. Denn sie kennen für Aktien aus dem ABL-Reich im Wesentlichen nur eine Empfehlung: Kaufen! Und das unabhängig davon, wo der Aktienkurs gerade steht und wie sich das Unternehmen operativ entwickelt.

Meist wurden hohe Kursziele angesetzt. Doch die Werte fielen ins Bodenlose. Groenemeyer sieht darin keinen Fehler: Die Verschlechterung des Marktumfelds habe bei einer Vielzahl von Unternehmen zu einer schlechteren Kursentwicklung als vorher angenommen geführt. Kursziele für Unternehmen der ABL-Gruppe seien auch teilweise deutlich nach unten angepasst worden. Den Rat, Aktien aus dem ABL-Reich zu verkaufen, haben die Analysten aber nicht ein einziges Mal erteilt.



Verlierer sind die Anleger

Wie viel Dividende Deutschlands Großaktionäre kassieren
Herz Quelle: dpa/picture-alliance
Celesio-Gebäude Quelle: dapd
Peter-Alexander Wacker Quelle: dpa/picture-alliance
August Baron von Finck und seine Frau Francine Quelle: dpa/picture-alliance
Metro-Fahnen Quelle: dapd
Günter Fielmann Quelle: dpa
Dietmar Hopp Quelle: dpa/picture-alliance

Ein Beispiel für Interessenverquickungen und überoptimistisches Research liefert der Fall der heute von Rüttgers beaufsichtigten CFC: Silvia Quandt brachte sie 2006 an die Börse. Anteile hielten zeitweise gleich vier ABL-Unternehmen: Silvia Quandt, Altira, Heliad und Themis. Groenemeyer brannte förmlich für CFC. Nach einer Talfahrt der Aktie von 18 auf 3 Euro blieb er im September 2009 dennoch „optimistisch“ und pries die Aktie weiterhin an. CFC-Chef Marcus Linnepe versichert, die Empfehlungen nicht beeinflusst zu haben. Ob er den Optimismus des Analysten nachvollziehen konnte? Kein Kommentar. Wer von den positiven Analysen profitierte, ist unklar. Klar ist nur, dass Anleger, die oben eingestiegen waren, massiv verloren.

Der Aragon-Skandal

Sehr viel klarer werden die Motive der ABL-Beteiligten im Fall Aragon. Im Sommer 2008 bekam Silvia Quandt nach Recherchen der WirtschaftsWoche den Auftrag, den Kurs des Vertriebsunternehmens zu pushen. Damals hält der Schiffsfondsanbieter HCI Capital ein Viertel der Aragon-Aktien, will aber verkaufen. ABL will die Aktien mit Gewinn weiterreichen. Silvia Quandt soll dafür sorgen, dass der neue Investor die Aktien möglichst teuer bezahlt. Das geht aus Unterlagen hervor, die der WirtschaftsWoche vorliegen.

Aragon-Chef Sebastian Grabmaier erklärt darin, dass Versicherer wie HDI Gerling oder Deutscher Ring für eine Beteiligung an einem Finanzvertrieb einen Aufschlag von 30 Prozent auf den aktuellen Aktienkurs zahlen würden. Die Aragon-Aktie steht damals bei 20 Euro. Die Aufgabe der Silvia Quandt bestehe darin, den Kurs in Richtung 24 bis 25 Euro zu bewegen, damit der Verkaufspreis dann um die 30 Euro liege. Wenn ihr das gelinge, solle sie einen Bonus erhalten. Die Aragon-Vorstände und ABL-Partner Grabmaier und Ralph Konrad streiten den Vorgang gegenüber der WirtschaftsWoche ab. Die Silvia Quandt AG habe den Kurs mangels eigener Handelsabteilung gar nicht bewegen können. Darüber hinaus habe sich der Kaufpreis nicht am Börsenkurs orientiert, sondern sei „aufgrund der individuellen Bewertungsmodelle der Kaufpreisinteressenten“ zustande gekommen. Ein Bewegen des Kurses hätte folglich keinen Sinn gemacht.

Übersicht zur Aktienkursentwicklung ausgewählter ABL-Unternehmen (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

Dagegen sprechen nicht nur die Unterlagen, sondern auch die Kurse der Aragon-Aktie: Bis zum Herbst macht sie einen Sprung von knapp 20 auf 27,50 Euro. Am 10. September verkündet Aragon den Einstieg des Versicherungskonzerns Axa mit 25,01 Prozent. Direkt danach stürzt der Kurs bis Anfang Dezember auf unter 10 Euro. Aragon erklärt dies mit den Verwerfungen an der Börse infolge der Lehman-Pleite.

Kurstreibend war etwa eine wunderbare Erfolgsmeldung, die Aragon selbst produzierte. Dem Finanzdienstleister gehörten damals 62 Prozent der biw Bank. In jenem Sommer 2008, als der Verkauf an Axa eingefädelt wird, meldet Aragon den Verkauf von 15 Prozent ihrer Anteile an der biw an die Christ Capital AG, für sagenhafte zwölf Millionen Euro. Sie hätte damit für die 15 Prozent an der biw mehr bekommen, als sie selbst für ursprünglich 75 Prozent gezahlt hatte. Angermayer klassifiziert den Deal intern als einen „der wichtigsten Milestones der Aragon“, weil hierdurch hohe stille Reserven aufgedeckt worden seien. „The growth story goes on and on and on...“, schreibt er.

Die Research-Truppe hat die Neuigkeit bereitwillig verbreitet. In seiner Analyse zu Aragon vom 15. Juli 2008 beschreibt Groenemeyer den Verkauf auf der ersten Seite als „smart move“ und erklärt, dass Aragon ein interessantes Ziel für institutionelle Investoren sei. Das Kursziel sieht er bei 40 Euro.

Unerfüllte Forderungen

Welche Mächtigen die Märkte bewegen
UnternehmenstitanenMark Zuckerberg, Gründer von Facebook Inc.Der Börsengang, der vorherige Hype sowie das anschließende Desaster haben den 28-jährigen Zuckerberg ins Rampenlicht der Wall Street gerückt. Jetzt muss er zeigen, dass er mit seinem Netzwerk von etwa einer Milliarde Freunden Werbeeinnahmen erzielen kann. Quelle: Reuters
UnternehmenstitanenCarlos Slim, Chairman Emeritus von America Movil SABDas Vermögen des weltweit reichsten Mannes ist in diesem Jahr bis Mitte August um 12 Milliarden Dollar gestiegen, wozu die Kursgewinne bei großen Beteiligungen beigetragen haben. Der 72-jährige Slim hat zugekauft und über America Movil den größten Anteil am niederländischen Mobilfunkanbieter Royal KPN erworben. Quelle: Reuters
UnternehmenstitanenTim Cook, Vorstandsvorsitzender von Apple Inc.Zwar ist der Marktwert von Apple in Cooks erstem Jahr an der Spitze des Technologiekonzerns kräftig gestiegen. Aber es wird wohl noch einige Jahre dauern, bis der 51-jährige Cook gezeigt hat, dass er ein würdiger Nachfolger für Steve Jobs ist. Er muss außerdem beweisen, dass er sein Vergütungspaket von 378 Millionen Dollar für 2011 verdient hat. Quelle: dapd
Warren Buffett, Vorstandsvorsitzender von Berkshire Hathaway Inc. Quelle: dapd
VermögensverwalterJeffrey Gundlach, Gründer von DoubleLine Capital LPMit jährlichen Durchschnittserträgen von 13,9 Prozent für den Vorzeige-Anleihefonds für den Zeitraum von der Auflegung 2010 bis Juli schlägt der 52-jährige Gundlach seine größten Konkurrenten. Seine Gesellschaft verwaltet etwa 40 Milliarden Dollar.
VermögensverwalterBill Gross, Co-Chief Investment Officer bei der Allianz-Tochter Pacific Investment Management Co.Nachdem Gross 2011 hinter der Konkurrenz herhinkte, hat der 68-jährige in diesem Jahr den weltgrößten Investmentfonds wieder auf Kurs gebracht. Der Pimco Total Return Fund hat in diesem Jahr bis zum 31. Juni und für die vergangenen fünf Jahre 98 Prozent der vergleichbaren Fonds geschlagen. Quelle: dapd
VermögensverwalterLarry Fink, Vorstandsvorsitzender von BlackRock Inc.Der 59-jährige Fink leitet die weltgrößte Vermögensverwaltungsgesellschaft, die zum 30. Juni ein Anlagekapital von 3,56 Billionen Dollar betreute. Er hat Staaten und Unternehmen dabei beraten, wie sie ihre Investments verwalten sollen. Nun möchte er, dass BlackRock auch Privatpersonen berät. Quelle: dapd

Der „smart move“ hat – wie sich heute zeigt – nur einen Haken. Aragon hat für ihren 15-Prozent-Anteil an der biw niemals zwölf Millionen Euro erhalten. Christ Capital zahlte damals nur 1,3 Millionen Euro in cash. Die restlichen 10,7 Millionen Euro verbuchte Aragon als Forderung – die niemals erfüllt wird. Es begann eine Kette von Anteilsverschiebungen, in deren Verlauf 2009 die Axa immerhin rund sieben Millionen Euro für den 15-Prozent-Anteil an der biw zahlte. Auf dem Papier hätten Aragon weitere 4,5 Millionen Euro zugestanden. Doch die musste das Unternehmen am Ende abschreiben. Die Forderung konnte „nicht geltend gemacht werden“, erklärt der Aragon-Vorstand, weil die Zahlung an einen Mehrerlös im Falle eines Verkaufs der Anteile gekoppelt und „der am Ende erzielte Kaufpreis nicht hoch genug war“.

Zahlungen verschleppt

Seit viele ABL-Unternehmen Verlust machen, brauchen sie die Silvia Quandt & Cie. kaum noch. 2011 mussten Mitarbeiter entlassen und Gehälter zeitweise gekürzt werden. Dieter Pfundt, Ex-Kapitalmarktchef von Sal. Oppenheim, 2010 als Berater zur Bank gekommen, musste nach nicht mal einem Jahr wieder gehen. Das Vorstands-Gastspiel von Wolfgang Jensen, früher Bereichsleiter bei Sal. Oppenheim, dauerte nur wenige Wochen. Im September 2011 schied auch Mitgründer Paech aus dem Quandt-Vorstand aus und ist seitdem nur noch Verwaltungsrat der Schweizer Tochter. Seit Angermayer in den Aufsichtsrat wechselte, leistet sich die Boutique mit Johann Ostermair nur noch einen Vorstand.

Aktienkurs der African Development Corporation im Vergleich zum Dax Global Africa Index (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

Sparen war offenbar dringend notwendig: Im Frühjahr 2012 schreibt Ostermair seinem Aufsichtsrat, dass Silvia Quandt & Cie. „in der derzeit schwierigen Liquiditätslage die Möglichkeit, Zahlungen zu verschieben, soweit wie möglich“ ausnutzt. Vertragspartner sind über dieses Gebaren wenig begeistert.

  • Der Personalberater: Er hatte der Silvia Quandt AG den ehemaligen PwC-Berater Ralf Hafner vermittelt. Im Mai 2011 gab Silvia Quandt die Verpflichtung bekannt. Honorar wollte man dem Personalberater dennoch nicht zahlen, der klagte – und bekam recht: Am 8. August 2012 verdonnerte Richter Ralf Barthelmann in der dritten Etage des Frankfurter Landgerichts die Silvia Quandt & Cie. AG dazu, 35.700 Euro plus acht Prozent Zinsen und Anwaltskosten zu zahlen. Quandt-Vorstand Ostermair erklärt hierzu, dass es seiner Ansicht nach keine „rechtsverbindliche Vereinbarung über die Zahlung einer Vermittlungsgebühr gibt“. Ostermair hat Berufung eingelegt.
  • Der Investorenberater: Einen ähnlichen Streit gibt es mit einem Finanzdienstleister aus München, mit dem Silvia Quandt eine Kapitalerhöhung platziert hatte. Das Honorar sollte aufgeteilt werden, doch Silvia Quandt zahlte nicht. Ostermair sagt hierzu, dass die Platzierung allein von der Silvia Quandt AG durchgeführt worden und man deshalb der Meinung sei, dass die „Verkaufsagenten keinen Anspruch auf eine Fee haben“. Der Berater hat inzwischen Klage eingereicht. Er habe mit der Quandt AG als Team zusammengearbeitet und seine „Kunden aufgefordert die Kapitalmaßnahme bei der Silvia Quandt AG zu zeichnen“. Dass man nun sein Honorar nicht zahle, „ist mir unbegreiflich und in meiner 25-jährigen Berufserfahrung“ noch nie passiert.
  • Ein Banker, der der Silvia Quandt Geschäft vermittelt hatte, beschwerte sich im Juni bei Ostermair, dass die von ihm im Dezember eingeforderte Provision bis heute nicht bezahlt sei und Silvia Quandt auf seine Anschreiben nicht reagiere. Ostermair erklärt hierzu, dass „dritte Personen eine unterschiedliche Meinung darüber haben können, ob ein Anspruch gerechtfertigt ist“.
  • Auch die Schweizer Quandt-Tochter scheint Zahlungen zu verzögern. Ebenfalls im Juni weist die Revisionsstelle, eine Art Wirtschaftsprüfer für Schweizer Gesellschaften, den Aufsichtsrat der Mutter in Frankfurt darauf hin, dass sowohl Sozialversicherungsbeiträge als auch Quellensteuern „seit Monaten nicht bezahlt worden sind“. Ostermair erklärt hierzu, dass der Vorgang derzeit geprüft werde, und etwaige offene Zahlungen würden erst „mit Abschluss der Prüfung ausgeglichen“.

Verkaufstalent Angermayer

Abseits des Finanzalltags
Villa Kennedy Quelle: Presse
Airport Club Quelle: Presse
Frankfurter HofEssen im Zentrum der Macht, das Luxushotel am Kaiserplatz steht im Schatten der höchsten Wolkenkratzer Frankfurts. Gäste: Der ehemalige EZB-Präsident Jean-Claude Trichet floh hierher gern vor der faden Küche des eigenen Hauses, sein Nachfolger Mario Draghi dürfte es ihm gleichtun. Auch die Banker der internationalen Investmentbank JP Morgan nehmen hier gerne Platz. Ansonsten zählen zu den Gästen die üblichen Verdächtigen: Private-Equity-Leute, Unternehmensberater und Anwälte. Adresse: Am Kaiserplatz, 60311 Frankfurt am Main http://www.steigenberger.com/Frankfurt/
Schlosshotel Kronberg Quelle: Presse
Union Club Quelle: von Brauchitsch - Bloomberg
Opera Quelle: Presse
Villa RothschildKönigsteiner Hotel mit spektakulärer Aussicht. Gäste: Taunuselite aus Falkenstein, Kronberg und Co., etwa Klaus Mangold, Vorsitzender des TUI-Aufsichtsrats. Adresse: Im Rotschildpark 1, 61462 Königstein www.villa-rothschild.com Quelle: Presse

Wenig später scheint sich die Geschäftslage stark verbessert zu haben – womöglich haben anziehende Umsätze und Börsenkurse die Lage entschärft. Im ersten Halbjahr 2012 hat Ostermair einen Vorsteuergewinn von 0,8 Millionen Euro erzielt.

Angermayer aber, so scheint es, hat an dem Konglomerat die Lust verloren. Von Goldman Sachs ist keine Rede mehr. Er konzentriert sich auf Projekte wie die kurs- und gewinnmäßig noch nicht abgesoffene ADC, die in Afrika investiert, und die Berliner Filmhouse. Die plant einen Paganini-Film, in dem Angermayers Geiger-Kumpel David Garrett den Titelhelden geben soll. Angermayer hat geholfen, dafür zehn Millionen Euro bei Investoren einzusammeln.

Wie das Verkaufstalent so etwas macht, zeigt das Beispiel Ecolutions, eine heute völlig abgestürzte Solarbude: „Hallo, hoffe es geht euch gut“, schreibt er 2007 an potenzielle Investoren. „Wir haben mal wieder ein spannendes Friends&Family Programm: ecolutions.“ Auf 13 Zeilen folgt das Geschäftsmodell des Unternehmens, das von der ABL-Tochter Altira gemanagt wird. „IPO wird dann im zweiten Halbjahr 2007 sein, angepeilter Emissionspreis liegt zwischen 2,75 und 3,1 Euro.“ Das reicht. Keine neun Stunden später antwortet der Adressat. „Herzlichen Dank für die Einladung zur Zeichnung. Ich finde dies eine super Sache“ – und verspricht zu zeichnen.

Investoren schlagen zurück

Der Börsengang kam nie. Die Anteilsscheine sind heute nahezu wertlos. Im Juni 2012 schlägt Altira vor, die Gesellschaft zu liquidieren. Einige Aktionäre können es nicht fassen. „Bei der letzten Hauptversammlung im November wurde uns noch erzählt, dass 24 Millionen Euro Cash da sind und Ecolutions 2011 einen Gewinn machen wird“, sagt Fady Khallouf, Chef des Investors Theolia aus Aix-en-Provence. Wie das letzte Jahr tatsächlich gelaufen ist, wissen die Aktionäre nicht. Es gibt bislang keinen Geschäftsbericht – was Altira zu verantworten hat. Durch deren Liquidationsantrag fehlte Ecolutions plötzlich die Fortführungsprognose. In einem solchen Fall sind Vermögensgegenstände ganz anders zu bewerten, als wenn ein Unternehmen weitergeführt werden soll. Die bis dahin errechneten Zahlen taugten nicht mehr.

Und wieder gibt es eine unerfreuliche Hauptversammlung eines maroden Angermayer-Unternehmens. Um kurz nach elf am 10. September haben die Ecolutions-Aktionäre ihre Plätze im Ballsaal des Westin Grand Hotels in Frankfurt eingenommen. Auf dem Podium nur Namensschilder der Aufsichtsräte. Dann platzt die Bombe: Ein Ecolutions-Geschäftsführer verkündet, Altira sei am Wochenende ausgestiegen, die HV falle flach, er bitte um Verständnis. Doch das geht den Aktionären ab. Die Theolia-Vertreterin stellt sich ans Mikro und will einen Versammlungsleiter wählen lassen, als man ihr den Ton abdreht. Die Botschaft ist klar: Aktionäre haben nichts zu sagen. Doch die organisieren einen Notar und ziehen die HV durch. Das Ergebnis ist brutal für die Angermayer-Truppe: Mit Mehrheit beschließt die HV, Aufsichtsrat und Geschäftsführer abzuberufen und einen Sonderprüfer zu engagieren, der die Geschäftsbeziehungen zwischen Ecolutions, der Silvia Quandt und der ABL-Gruppe unter die Lupe nehmen soll. Er werde nicht zulassen, dass sich Altira und Ecolutions aus der Verantwortung stehlen, sagt Khallouf. Ob die Beschlüsse gültig sind, werden wohl Gerichte klären müssen.

Verärgerte Investoren

Warum Kunden ihrem Banker misstrauen
Die Finanzkrise hat das Vertrauen der Finanzanleger negativ beeinflusst. Zu diesem kommt die aktuelle Studie der Nürnberger Puls Marktforschung unter 1.000 deutschen Bankkunden. Deren deutliche Mehrheit ist inzwischen der Meinung, sich eigenständig über Geldanlagen informieren zu müssen. Quelle: dpa
74 Prozent der Befragten geben an, dass man bei reinem Vertrauen in den Berater ohne eigene zusätzliche Information „selbst Schuld“ bei Verlusten sei. Dies sehen speziell Männer, Ältere und Besserverdienende so. Quelle: dpa-tmn
Beratungsgespräch in einer Bank Quelle: Fotolia
Auch bei der Frage, welchen Informationsquellen die Bankkunden vertrauen, kommt die Studie zu einem ernüchterndem Ergebnis: Eigentlich keiner so richtig. Aber: „Die persönliche Beratung bei unabhängigen Stellen, wie etwa der Verbraucherberatung, werden von heutigen Kunden noch am ehesten als vertrauenswürdig angesehen,“ fasst Dr. Konrad Weßner, Puls-Geschäftsführer, zusammen. Quelle: picture-alliance
Gerade mal 17 Prozent der Befragten vertrauen dem persönlichen Berater, 15 Prozent unabhängigen Institutionen. Quelle: dpa
Die Weiten des Internets taugen bei der Mehrheit auch nicht für Anlagetipps, sondern als reine Informationsplattform wie etwa zu Aktienkursen. Quelle: dpa
Das Beratungsprotokoll findet bei Anlegern mehr Anklang als vermutet: 95 Prozent derjenigen, die ein Protokoll erhalten haben, lesen es durch. Die Hälfte von ihnen ausführlich, die anderen überfliegen es zumindest. Quelle: dpa


Ähnliche Ansinnen formulierte schon Overseas Asset Management (OAM), ein Großaktionär der Altira-Beteiligung Heliad. Dieser will Schadensersatzansprüche in zweistelliger Millionenhöhe gegen Unternehmen der ABL-Gruppe prüfen lassen und dafür nun vor Gericht ziehen. Die Vorwürfe sind zahlreich. Einer davon geht so: Innerhalb der ABL-Gruppe seien „nicht marktübliche Tätigkeits- und Haftungsvergütungen“ gezahlt worden, was Heliad-Geschäftsführer Andreas Lange auf der Hauptversammlung im August bestritt.

Börse Frankfurt am Abend

Viele Investoren scheuen öffentlichen Rabatz, machen ihrem Ärger aber insgeheim Luft:

  • Ein Multimillionär, der mit Ecolutions viel Geld verloren hat, will mit ABL nie wieder Geschäfte machen: „Man hat viel versprochen, aber nichts eingehalten.“
  • Ein institutioneller Investor beginnt – angesprochen auf sein Investment in ein ABL-Unternehmen – zu stottern und fleht, seinen Namen nicht zu nennen.
  • Ein Banker klagt in einem Report über ein „frustrierendes“ Treffen mit einem Investor, der an ABL-Unternehmen beteiligt ist. Man brauche endlich einen Deal, der aufgehe. Derzeit sehe der Kunde Silvia Quandt als „Garanten für Rohrkrepierer“.

Börse



Für Angermayer dürfte es künftig in Deutschland schwierig werden, neue Investoren zu finden. Der Name Silvia Quandt steht nach den ganzen Misserfolgen längst nicht mehr für erfolgreiches Unternehmertum.

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