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Schlechte Geschäfte mit Namen Quandt Ein Investment-Star stürzt ab

Unbezahlte Rechnungen, hoch gestiegene und dann wieder abgestürzte Kurse, flüchtende Aktionäre: Christian Angermayer, einst eine der glamourösen Figuren der Finanzszene, wird entzaubert – und das gründlich. Ein Lehrstück für Anleger.

Christian Angermayer Quelle: Laif

Raumtemperatur und Stimmung sind auf Eisschrank-Niveau, als Jürgen Rüttgers kurz vor elf seinen Platz im Tagungsraum des Dortmunder Hotels Pullman einnimmt. Der Ex-Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen lehnt sich zurück, blickt gedankenverloren in den Raum, seine Mundwinkel hängen tief. Ein bitterer Tag: Als Aufsichtsrat der CFC Industriebeteiligungen AG muss Rüttgers eine außerordentliche Hauptversammlung (HV) abhalten. CFC musste für einige seiner Töchter Insolvenz anmelden, die frustrierten Aktionäre – die CFC-Aktie hat binnen eines Jahres 85 Prozent an Wert verloren – stellen eine Menge unangenehmer Fragen.

CFC (Eigenwerbung: „Companion for Companies“) gehörte lange zur Angermayer, Brumm und Lange Gruppe (ABL), also zum Reich des Christian Angermayer. Kurz vor der Schreckens-HV stiegen seine Unternehmen im Februar bei CFC aus.

Der 34-jährige Angermayer galt lange Zeit als einer der aufstrebenden Sterne am Frankfurter Finanzhimmel. Allzu gern umgab er sich mit Prominenten, die ihm Aufmerksamkeit verschafften und die nötige Seriosität verliehen, um an Investoren für seine Projekte zu kommen.

Prominente Freunde

In die Kategorie „Aufmerksamkeit“ fallen Showgrößen wie Stargeiger David Garrett, mit dem Angermayer gut bekannt ist, aber auch Moderatorin Sonya Kraus oder Filmstar Uma Thurman. „Seriosität“ bietet neben Rüttgers bei CFC auch Ex-BDI-Chef Hans-Olaf Henkel, der bis vor Kurzem im Aufsichtsrat der ABL-Firma Heliad saß. Seit 2008 berät Angermayer Ruandas Präsidenten Paul Kagame, zeitweise zusammen mit dem britischen Ex-Premier Tony Blair, dem ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton, dem früheren Weltbank-Präsidenten Paul Wolfowitz und Management-Guru Michael Porter. Mit Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und dem CDU-Politiker Philipp Mißfelder saß er bis 2011 im Kuratorium des Quadriga-Preises.

Die Bank, die keine ist

Übersicht zum Firmengeflecht der ABl-Gruppe (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

Sein mit Abstand wichtigster Promi-Kontakt aber ist Golo Quandt. Ihm hat Angermayer zu verdanken, dass er sein Investmenthaus nach Golos Mutter benennen durfte. Die Silvia Quandt & Cie. AG, die den Namen der bekannten Industrie-Dynastie nutzt, ist ein Kernstück von ABL. Ein Investmenthaus ist eine Bank, die sich so nicht nennen darf, weil sie keine Lizenz hat, aber alle möglichen Geschäfte einer Bank macht: Kapital besorgen, Aktienanalysen schreiben, Unternehmen beim Verkauf von Beteiligungen beraten. Sie braucht dafür nur einen Partner mit Lizenz. Bei Silvia Quandt ist dies die biw Bank aus Willich.

Das vor 13 Jahren von Angermayer und den Kaufleuten Peter Brumm und Andreas Lange gegründete Finanzkonglomerat ABL besteht aus mehr als 40 Gesellschaften. An der Spitze steht der Vermögensverwalter Altira mit der Beteiligungsgesellschaft Heliad. Zweite wichtige Beteiligung ist die Aragon AG, unter deren Dach sich diverse Finanzvertriebe tummeln, deren 22.000 Berater Versicherungen, Fonds und dergleichen verkaufen. Das Angermayer-Reich, dem Kunden 2011 noch mehr als fünf Milliarden Euro anvertraut haben, wird jetzt erschüttert von Glaubwürdigkeitsverlusten und Ärger über massive Interessenkonflikte. Aragon, Altira und Heliad, die Mitte 2007 an der Börse noch über 600 Millionen Euro kosteten, haben heute nur noch gut 50 Millionen Euro Marktwert. Verlierer dürften oft die Anleger sein.

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