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Schlechte Geschäfte mit Namen Quandt Ein Investment-Star stürzt ab

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Verkaufstalent Angermayer

Abseits des Finanzalltags
Villa Kennedy Quelle: Presse
Airport Club Quelle: Presse
Frankfurter HofEssen im Zentrum der Macht, das Luxushotel am Kaiserplatz steht im Schatten der höchsten Wolkenkratzer Frankfurts. Gäste: Der ehemalige EZB-Präsident Jean-Claude Trichet floh hierher gern vor der faden Küche des eigenen Hauses, sein Nachfolger Mario Draghi dürfte es ihm gleichtun. Auch die Banker der internationalen Investmentbank JP Morgan nehmen hier gerne Platz. Ansonsten zählen zu den Gästen die üblichen Verdächtigen: Private-Equity-Leute, Unternehmensberater und Anwälte. Adresse: Am Kaiserplatz, 60311 Frankfurt am Main http://www.steigenberger.com/Frankfurt/
Schlosshotel Kronberg Quelle: Presse
Union Club Quelle: von Brauchitsch - Bloomberg
Opera Quelle: Presse
Villa RothschildKönigsteiner Hotel mit spektakulärer Aussicht. Gäste: Taunuselite aus Falkenstein, Kronberg und Co., etwa Klaus Mangold, Vorsitzender des TUI-Aufsichtsrats. Adresse: Im Rotschildpark 1, 61462 Königstein www.villa-rothschild.com Quelle: Presse

Wenig später scheint sich die Geschäftslage stark verbessert zu haben – womöglich haben anziehende Umsätze und Börsenkurse die Lage entschärft. Im ersten Halbjahr 2012 hat Ostermair einen Vorsteuergewinn von 0,8 Millionen Euro erzielt.

Angermayer aber, so scheint es, hat an dem Konglomerat die Lust verloren. Von Goldman Sachs ist keine Rede mehr. Er konzentriert sich auf Projekte wie die kurs- und gewinnmäßig noch nicht abgesoffene ADC, die in Afrika investiert, und die Berliner Filmhouse. Die plant einen Paganini-Film, in dem Angermayers Geiger-Kumpel David Garrett den Titelhelden geben soll. Angermayer hat geholfen, dafür zehn Millionen Euro bei Investoren einzusammeln.

Wie das Verkaufstalent so etwas macht, zeigt das Beispiel Ecolutions, eine heute völlig abgestürzte Solarbude: „Hallo, hoffe es geht euch gut“, schreibt er 2007 an potenzielle Investoren. „Wir haben mal wieder ein spannendes Friends&Family Programm: ecolutions.“ Auf 13 Zeilen folgt das Geschäftsmodell des Unternehmens, das von der ABL-Tochter Altira gemanagt wird. „IPO wird dann im zweiten Halbjahr 2007 sein, angepeilter Emissionspreis liegt zwischen 2,75 und 3,1 Euro.“ Das reicht. Keine neun Stunden später antwortet der Adressat. „Herzlichen Dank für die Einladung zur Zeichnung. Ich finde dies eine super Sache“ – und verspricht zu zeichnen.

Investoren schlagen zurück

Der Börsengang kam nie. Die Anteilsscheine sind heute nahezu wertlos. Im Juni 2012 schlägt Altira vor, die Gesellschaft zu liquidieren. Einige Aktionäre können es nicht fassen. „Bei der letzten Hauptversammlung im November wurde uns noch erzählt, dass 24 Millionen Euro Cash da sind und Ecolutions 2011 einen Gewinn machen wird“, sagt Fady Khallouf, Chef des Investors Theolia aus Aix-en-Provence. Wie das letzte Jahr tatsächlich gelaufen ist, wissen die Aktionäre nicht. Es gibt bislang keinen Geschäftsbericht – was Altira zu verantworten hat. Durch deren Liquidationsantrag fehlte Ecolutions plötzlich die Fortführungsprognose. In einem solchen Fall sind Vermögensgegenstände ganz anders zu bewerten, als wenn ein Unternehmen weitergeführt werden soll. Die bis dahin errechneten Zahlen taugten nicht mehr.

Und wieder gibt es eine unerfreuliche Hauptversammlung eines maroden Angermayer-Unternehmens. Um kurz nach elf am 10. September haben die Ecolutions-Aktionäre ihre Plätze im Ballsaal des Westin Grand Hotels in Frankfurt eingenommen. Auf dem Podium nur Namensschilder der Aufsichtsräte. Dann platzt die Bombe: Ein Ecolutions-Geschäftsführer verkündet, Altira sei am Wochenende ausgestiegen, die HV falle flach, er bitte um Verständnis. Doch das geht den Aktionären ab. Die Theolia-Vertreterin stellt sich ans Mikro und will einen Versammlungsleiter wählen lassen, als man ihr den Ton abdreht. Die Botschaft ist klar: Aktionäre haben nichts zu sagen. Doch die organisieren einen Notar und ziehen die HV durch. Das Ergebnis ist brutal für die Angermayer-Truppe: Mit Mehrheit beschließt die HV, Aufsichtsrat und Geschäftsführer abzuberufen und einen Sonderprüfer zu engagieren, der die Geschäftsbeziehungen zwischen Ecolutions, der Silvia Quandt und der ABL-Gruppe unter die Lupe nehmen soll. Er werde nicht zulassen, dass sich Altira und Ecolutions aus der Verantwortung stehlen, sagt Khallouf. Ob die Beschlüsse gültig sind, werden wohl Gerichte klären müssen.

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