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Schlechte Geschäfte mit Namen Quandt Ein Investment-Star stürzt ab

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Verlierer sind die Anleger

Wie viel Dividende Deutschlands Großaktionäre kassieren
Herz Quelle: dpa/picture-alliance
Celesio-Gebäude Quelle: dapd
Peter-Alexander Wacker Quelle: dpa/picture-alliance
August Baron von Finck und seine Frau Francine Quelle: dpa/picture-alliance
Metro-Fahnen Quelle: dapd
Günter Fielmann Quelle: dpa
Dietmar Hopp Quelle: dpa/picture-alliance

Ein Beispiel für Interessenverquickungen und überoptimistisches Research liefert der Fall der heute von Rüttgers beaufsichtigten CFC: Silvia Quandt brachte sie 2006 an die Börse. Anteile hielten zeitweise gleich vier ABL-Unternehmen: Silvia Quandt, Altira, Heliad und Themis. Groenemeyer brannte förmlich für CFC. Nach einer Talfahrt der Aktie von 18 auf 3 Euro blieb er im September 2009 dennoch „optimistisch“ und pries die Aktie weiterhin an. CFC-Chef Marcus Linnepe versichert, die Empfehlungen nicht beeinflusst zu haben. Ob er den Optimismus des Analysten nachvollziehen konnte? Kein Kommentar. Wer von den positiven Analysen profitierte, ist unklar. Klar ist nur, dass Anleger, die oben eingestiegen waren, massiv verloren.

Der Aragon-Skandal

Sehr viel klarer werden die Motive der ABL-Beteiligten im Fall Aragon. Im Sommer 2008 bekam Silvia Quandt nach Recherchen der WirtschaftsWoche den Auftrag, den Kurs des Vertriebsunternehmens zu pushen. Damals hält der Schiffsfondsanbieter HCI Capital ein Viertel der Aragon-Aktien, will aber verkaufen. ABL will die Aktien mit Gewinn weiterreichen. Silvia Quandt soll dafür sorgen, dass der neue Investor die Aktien möglichst teuer bezahlt. Das geht aus Unterlagen hervor, die der WirtschaftsWoche vorliegen.

Aragon-Chef Sebastian Grabmaier erklärt darin, dass Versicherer wie HDI Gerling oder Deutscher Ring für eine Beteiligung an einem Finanzvertrieb einen Aufschlag von 30 Prozent auf den aktuellen Aktienkurs zahlen würden. Die Aragon-Aktie steht damals bei 20 Euro. Die Aufgabe der Silvia Quandt bestehe darin, den Kurs in Richtung 24 bis 25 Euro zu bewegen, damit der Verkaufspreis dann um die 30 Euro liege. Wenn ihr das gelinge, solle sie einen Bonus erhalten. Die Aragon-Vorstände und ABL-Partner Grabmaier und Ralph Konrad streiten den Vorgang gegenüber der WirtschaftsWoche ab. Die Silvia Quandt AG habe den Kurs mangels eigener Handelsabteilung gar nicht bewegen können. Darüber hinaus habe sich der Kaufpreis nicht am Börsenkurs orientiert, sondern sei „aufgrund der individuellen Bewertungsmodelle der Kaufpreisinteressenten“ zustande gekommen. Ein Bewegen des Kurses hätte folglich keinen Sinn gemacht.

Übersicht zur Aktienkursentwicklung ausgewählter ABL-Unternehmen (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

Dagegen sprechen nicht nur die Unterlagen, sondern auch die Kurse der Aragon-Aktie: Bis zum Herbst macht sie einen Sprung von knapp 20 auf 27,50 Euro. Am 10. September verkündet Aragon den Einstieg des Versicherungskonzerns Axa mit 25,01 Prozent. Direkt danach stürzt der Kurs bis Anfang Dezember auf unter 10 Euro. Aragon erklärt dies mit den Verwerfungen an der Börse infolge der Lehman-Pleite.

Kurstreibend war etwa eine wunderbare Erfolgsmeldung, die Aragon selbst produzierte. Dem Finanzdienstleister gehörten damals 62 Prozent der biw Bank. In jenem Sommer 2008, als der Verkauf an Axa eingefädelt wird, meldet Aragon den Verkauf von 15 Prozent ihrer Anteile an der biw an die Christ Capital AG, für sagenhafte zwölf Millionen Euro. Sie hätte damit für die 15 Prozent an der biw mehr bekommen, als sie selbst für ursprünglich 75 Prozent gezahlt hatte. Angermayer klassifiziert den Deal intern als einen „der wichtigsten Milestones der Aragon“, weil hierdurch hohe stille Reserven aufgedeckt worden seien. „The growth story goes on and on and on...“, schreibt er.

Die Research-Truppe hat die Neuigkeit bereitwillig verbreitet. In seiner Analyse zu Aragon vom 15. Juli 2008 beschreibt Groenemeyer den Verkauf auf der ersten Seite als „smart move“ und erklärt, dass Aragon ein interessantes Ziel für institutionelle Investoren sei. Das Kursziel sieht er bei 40 Euro.

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