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Schlechte Zeiten für Fiat-Aktionäre Auf welche Auto-Aktien ein Blick lohnt

Nach der vollständigen Übernahme von Chrysler will der italienische Autohersteller Fiat die Tochter Alfa Romeo stärken. Schafft er das nicht, wird 2014 kein gutes Jahr für Fiat. Welche Papiere sich statt dessen lohnen.

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Die größten Autobauer der Welt
Volkswagen-Chef Martin Winterkorn hat gut Lachen: "Wir werden in diesem Jahr wahrscheinlich erstmals mehr als zehn Millionen Fahrzeuge verkaufen, dieses große Ziel hatten wir eigentlich erst für 2018 angestrebt", sagte Winterkorn der „Bild am Sonntag“. "Unser großer Wachstumsmarkt ist natürlich China. Dort werden wir in diesem Jahr voraussichtlich 3,6 Millionen Autos verkaufen, von denen übrigens weit über 90 Prozent vor Ort in China gebaut werden." Erreicht VW dieses Ziel, stiegen die Wolfsburger dadurch zum größten Automobilhersteller der Welt auf. Doch noch sieht das Ranking der größten Autobauer wie folgt aus... Quelle: dpa
BentleyDer britische Luxuswagen-Hersteller Bentley hat im abgelaufenen Jahr so viele Autos verkauft wie noch nie. Die Volkswagen-Tochter mit Sitz in Crew lieferte 2013 genau 10.120 Wagen aus. 2012 waren es 8510. Im bisherigen Rekordjahr 2007 waren 10.014 Bentleys verkauft worden, wie Vorstandschef Wolfgang Schreiber sagte. „2013 ist das vierte Jahr in Folge, in dem der Absatz zweistellig steigt“, so Schreiber. Der weltweite Marktanteil im Preissegment über 150.000 Euro liege bei 25 Prozent. 86 Prozent der Produktion geht in den Export, vor allem in die USA, China und Nahost. Der europäische Markt läuft schleppender. Allerdings stieg auch der Absatz in Deutschland deutlich. 544 Bentleys wurden den Angaben zufolge 2013 nach Deutschland geliefert, ein Plus von 22 Prozent zum Vorjahr. Kunden warten derzeit im Schnitt 45 Monate auf ihren bestellten Bentley. Schreiber will den Absatz bis 2018 auf 15.000 Autos hochschrauben und dafür in den nächsten Jahren mehrere hundert Millionen Euro in den Standort Crew investieren. Die Mannschaft von derzeit 3700 Mitarbeitern soll allein um 400 zusätzliche Leute aufgestockt werden, um bis 2016 einen luxuriösen Geländewagen auf den Markt zu bringen. Von den Absatzzahlen der Autohersteller wie Audi, BMW oder Daimler kann Bentley allerdings nur träumen... Quelle: REUTERS
AudiAudi hat auch im Dezember deutlich mehr Autos verkauft und damit erneut ein Bestjahr perfekt gemacht. Im vergangenen Jahr verkaufte der Konzern weltweit rund 1,57 Millionen Autos, ein Plus von 8,3 Prozent. Bereits im November hatte Audi die Rekordwerte von 2012 erreicht. „Unser strategisches Etappenziel von 1,5 Millionen Auslieferungen haben wir zwei Jahre früher als geplant erreicht und sogar komfortabel übertroffen“, sagte Vorstandschef Rupert Stadler. Quelle: REUTERS
DaimlerDie Schwaben haben und im vergangenen Jahr 1,32 Millionen Autos ihrer Top-Marke Mercedes verkauft. Das entspricht einem Plus von 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Quelle: dapd
BMWVon ihrer Kernmarke setzten die Bayern im vergangenen Jahr 1,54 Millionen Fahrzeuge ab. Das entspricht einem Plus von 12 Prozent gegenüber 2011. Quelle: dpa
Fiat-ChryslerDer Fiat-Konzern lieferte im vergangenen Jahr 4,2 Millionen Fahrzeuge weltweit aus - sechs Prozent mehr als 2011. Fiat profitiert dabei vom guten Geschäft der US-Tochter Chrysler. Denn ähnlich wie die Kollegen von PSA Peugeot Citroen litten die Italiener massiv unter der Absatzkrise in Europa, sie verkauften dort 16 Prozent weniger als im Vorjahr. Quelle: dpa
Nissan RenaultCarlos Ghosn - Chef der französisch-japanischen Allianz - kann zufrieden mit sich sein. Bei Nissan lief es hervorragend, Partner Renault litt unter der Schwäche des europäischen Markts. Die Renault-Gruppe setzte weltweit 2,55 Millionen Fahrzeuge und damit 6,3 Prozent weniger als im Vorjahr. In Europa sank der Absatz um volle 18 Prozent. Die Marke Renault verkaufte weltweit 2,1 Millionen Fahrzeuge, Dacia knapp 360.000 Autos. In Deutschland setzte Renault inklusive der Marke Dacia im Jahr 2012 mit 170.000 Einheiten rund 11.000 Fahrzeuge weniger ab als 2011. Die Marke Renault allein verkaufte 2012 in Deutschland 123.779 Pkw und leichte Nutzfahrzeuge. Der Marktanteil sank um knapp 0,4 Prozentpunkte. Quelle: REUTERS

In diesem Jahr lohnt ein Blick auf die Aktien der Automobilhersteller. Die Branche startete mit einem Indexplus von rund 1,1 Prozent ins neue Jahr. Für die gute Entwicklung sorgt unter anderem die Automesse in Detroit. Allerdings ist Aktie nicht gleich Aktie. Von einigen Herstellern sollten langfristig orientierte Anleger lieber die Finger lassen.

BrancheAktienentwicklung Januar 2013 bis Dezember 2013
Auto34,66 Prozent
Medien29,49 Prozent
Versicherung29,24 Prozent
Technologie26,54 Prozent
Einzelhandel26,52 Prozent
Finanzdienstleister25,86 Prozent
Industrie24,87 Prozent
Bank24,76 Prozent
Bau22,05 Prozent
Telekommunikation20,87 Prozent
Tourismus, Hotels, Airlines19,65 Prozent

Euro STOXX

19,62 Prozent

Euro STOXX 50

17,10 Prozent

Zu den Kandidaten, von denen Aktionäre besser die Finger lassen sollten, gehört laut Jürgen Pieper, Analyst beim Bankhaus Metzler, der italienische Hersteller Fiat. Am ersten Januar kündigte CEO Sergio Marchionne an, die restlichen Anteile an seiner US-Tochter Chrysler für 3,16 Milliarden Euro zu übernehmen. Nach Bekanntgabe der Übernahme schoss die Aktie - zumindest kurzfristig - um rund 14 Prozent in die Höhe. Bei einer kurzfristigen Reaktion wird es allerdings auch bleiben, so Pieper. "Fiat ist derzeit in der schwächsten Position", sagt er gegenüber WirtschaftsWoche Online.

Die Übernahme bringt das Unternehmen zwar kurzfristig weiter, zieht aber auch negative Konsequenzen nach sich: So droht beispielsweise die Ratingagentur Moody's mit der Herabstufung. Die bisherige Bewertung "Ba3" werde überprüft. Die angekündigte Übernahme werde die Liquidität der Italiener erheblich schwächen, führte der führende Fiat-Analyst bei Moody's, Falk Frey, zur Begründung an. Hinzu kommen mögliche Standort-Schließungen in Italien, die an der Börse höchstwahrscheinlich negativ aufgefasst werden dürften.

Hinzu kommt, dass Fiat seine Autos vor allem in Europa und Lateinamerika verkauft, während Chrysler in Nordamerika stark ist. Chrysler schreibt seit mehr als zwei Jahren Gewinne, was Fiat schwarze Zahlen bescherte. Doch damit werde demnächst Schluss sein. Chrysler entwickele sich zwar recht gut, aber in den USA habe es in den letzten vier Jahren ein Marktwachstum gegeben. "Fünf Jahre sind normal, insofern kann man sagen, dass das Beste hinter uns liegt", so Pieper. "Ich würde daher nicht zu stark darauf hoffen, dass Chrysler da noch viel holen kann." Wenn es Fiat nicht gelingt, seine Tochter Alfa Romeo zu stärken, fällt Fiat über kurz oder lang - und zwar dann, wenn bei der Chrysler der Absatz krankt. "Fiat hat keinen richtigen Masterplan", resümiert Pieper. Davon abgesehen hat Fiat auch nicht das beste Markenimage. Spottnahmen wie "Fehler In Allen Teilen" oder auch "Fix It Again, Tony" sprechen Bände.

Ende der Unterschiede

Diese neuen Autos kommen 2014
Mercedes-Benz GLADer GLA wird der kleine Bruder des GLK. Auf der A-Klasse basierend, ist er der erste Kompakt-SUV aus der Stuttgarter Autoschmiede. Deshalb wird der GLA intern auch als SUC, Sports Utility Cruiser, bezeichnet. Der GLA ist als Konkurrent zum Audi Q3 und Range Rover Evoque gedacht. Der kleine mit dem Stern beeindruckt mit formschönem Design: Die sportliche Linienführung sorgt für den besten Luftwiderstandsbeiwert im betreffenden Segment. Wenn der GLA wie erwartet 2014 auf den Markt kommt, können potenzielle Käufer aus sieben verschiedenen Motorisierungen wählen - vier Diesel und drei Benziner. Die Leistung reicht von 136 bis 211 PS. Bei der 136 PS-Variante (Diesel) verbraucht der GLA durchschnittlich 4,3 l/100 km, beim 211 PS-Benziner rund 6,5 Liter. Preis je nach Motorisierungen mit Standardausstattung: 29.300 bis 39.250 Euro. Quelle: REUTERS
Porsche MacanDer neue kleine SUV hatte seinen großen Auftritt auf der LA Motorshow, im April 2014 soll er im deutschen Handel sein. Der kleine Bruder des Cayenne wird mit einem Einstiegspreis von etwa 58.000 Euro das günstigste Modell des Sportwagenherstellers, der damit auch eine neue Baureihe begründet. Der Namensgebung - Macan stammt vom indonesischen Wort für Tiger - rechtfertigen die Modelle Macan Turbo, Macan S und Macan S Diesel, die mit bis zu 400 PS Leistung aufwarten. Das Einstiegsmodell Macan S treibt ein neuer 6-Zylinder Biturbo-Motor mit drei Litern Hubraum und 340 PS an. Das ermöglicht Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 254 km/h. Quelle: dpa
BMW X4BMW bezeichnet den X4 als ein Sports Activity Coupé. Die Basis des neuen SUV stellt der Markenbruder X3, dessen Ladevolumen von etwa 500 Litern und Palette an Motorisierungen der X4 übernimmt. Dementsprechend reichen die Leistungen der verfügbaren Motoren von 184 bis 313 PS. Bisher nur als Concept vehicle bekannt, soll der X4 auf dem Genfer Autosalon 2014 offiziell vorgestellt werden und anschließend möglichst schnell in Serie gehen. Quelle: REUTERS
Honda NSXDie erste Generation des NSX lief zwischen 1990 und 2005 vom Band. 2014 spendiert Honda dem NSX eine Neuauflage. Und was für eine: Ein Hochleistungshybridmotor und bedarfsmäßig zuschaltbarer Allradantrieb gehören zum 116 Zentimeter hohen NSX Concept. Während der 3,7-Liter V6-Benziner seine Kraft auf die Hinterachse überträgt, haben die Vorderräder ihre eigenen zwei Elektromotoren, die sie antreiben. Produziert werden soll die neue Generation in einem eigens errichteten Werk im US-Bundesstaat Ohio, das sich Honda knapp 70 Millionen US-Dollar kosten ließ. Die Fertigung soll 2015 anlaufen. Quelle: dpa
Peugeot RCZ RMit dem RCZ R präsentiert der französische Traditionshersteller einen neuen Sportwagen, der als stärkstes Serienmodell der Marke neue Maßstäbe setzen soll. Aus nur 1,6 Litern Hubraum generiert der RCZ R erstaunliche 270 PS, die Geschwindigkeit wird bei 250 km/h elektronisch abgeriegelt. Turbolader, tiefergelegte Karosserie und Spoiler lassen direkt auf ein Sportmodell schließen. Dazu gesellen sich noch ein flacher Heckspoiler und die zwei Auspuffrohre links und rechts am Heck. Zur Markteinführung, die für Anfang 2014 geplant ist, sollen mindestens 41.500 Euro für den Top-Sportler fällig werden. Quelle: REUTERS
BMW M4 CoupéDer neue Hochleistungssportwagen von der BMW M GmbH heißt M4 Coupé und soll Anfang 2014 auf den Markt kommen. Basierend auf dem 4er Coupé hat BMWs hauseigene Tuningschmiede ein klassisches M-Modell entwickelt. Das gewohnt sportliche Design wird durch eine neue Doppelniere und neue Doppelrundscheinwerfer verfeinert. Zusätzlich wurde das Gewicht im Vergleich zum Vorgänger um 80 Kilogramm auf rund 1500 Kilogramm reduziert, man kann also mit recht von einem Leichtbausportler sprechen. Der drei Liter große Turbomotor des Münchners bringt eine Maximalleistung von etwa 450 PS auf die Straße und muss sich damit in dieser Kategorie dem aktuellen C 63 AMG von Mercedes (507 PS) geschlagen geben. Die 250 km/h Höchstgeschwindigkeit können Käufer vermutlich ab dem frühen Sommer 2014 ausfahren. Quelle: obs
Audi A3 e-tronAudi möchte bei den Hybridantrieben den Anschluss halten. Als neue Waffe im Kampf um die Vorreiterposition in Sachen Energieeffizienz und Umweltfreundlichkeit haben die Ingolstädter den A3 e-tron auserkoren. Anders als die Konkurrenzmodelle anderer Hersteller ist im A3 e-tron zwar immer noch ein Verbrennungsmotor verbaut, doch erscheint Audi der Weg des alltagstauglichen Plug-In-Hybriden als der aussichtsreichste. Der Verbrenner ist der bereits bekannte 1,4 Liter Motor der TSI-Baureihe mit 150 PS während der E-Motor mit bis zu 102 PS eine neue Entwicklung ist. In Kombination sollen die beiden Antriebe einen Verbrauch von lediglich 1,5 Litern auf 100 Kilometern ermöglichen. Mitte 2014 lässt sich das dann auch vom Kunden testen. Quelle: AP/dpa

Doch nicht nur Pieper rechnet den Italienern keine gute Chancen aus: Auch die Experten von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG zählen Fiat zu den potenziellen Verlierern der Automobilbranche. Hersteller wie Fiat müssten sich anderen anschließen, um im technologischen Wettlauf zu bestehen. Fiat habe seine Überlebenschancen durch die Übernahme von Chrysler immerhin kurzfristig verbessert.

Ob das Herz von Fiat künftig in Italien oder in den USA schlagen soll, dazu hat sich Chef Marchionne noch nicht geäußert. "Über eine Firmenzentrale zu reden, ist fast schon anachronistisch", sagte er. Diejenigen, die etwas zu entscheiden hätten, reisten sowieso um den Globus. "Ich lebe bevorzugt in einem Flugzeug. Ein Flugzeug hat keine Adresse." Aber, so sagt der Manager, ein derart großer Konzern brauche auch "Zugang zu flüssigen, effizienten Kapitalmärkten". Und die größten Investoren sitzen nun mal an der New Yorker Wall Street.

Diese Luxus-Autos kommen 2014 außerdem auf den Markt

"Jetzt müssen harte Entscheidungen getroffen werden", bestätigt auch der Autoexperte Mathieu Meyer von KPMG. Er sei gespannt auf die nächsten sechs bis zwölf Monate. Pieper ist wenig optimistisch: Das Unternehmen habe sein Kerngeschäft vernachlässigt und in Europa zu wenig in neue Produkte investiert. "Fiat hat China total verpasst und in Europa seine Hausaufgaben nicht gemacht." Dabei kann der europäische Markt den Autobauern 2014 durchaus Gewinne bescheren. Denn die Erholung auf dem Markt sei in vollem Gange, wie Autoexperte Pieper vom Bankhaus Metzler sagt. Und die komme dem Massengeschäft zu Gute. 2014 nutze das vor allem den Franzosen - "Peugeot sogar noch stärker, da sich Peugeot am stärksten auf den europäischen Markt konzentriert hatte." Auch von seiner großen Restrukturierung werde der Hersteller Peugeot profitieren. Pieper geht deshalb davon aus, dass die Papiere von Renault und Peugeot eine große Gewinnsteigerung verzeichnen werden. "Auch bei Daimler ist noch eine Gewinnsteigerung möglich." Diese Entwicklung habe sich bereits 2013 an der Börse bemerkbar gemacht.

 

Unternehmen

 

 

 

 

 

 

Kategorie

Volkswagen

BMW

Daimler

Renault

Peugeot

Fiat

Ford

Kursperformance seit Januar 2013

+14,05 Prozent

+12,23 Prozent

+ 45,40 Prozent

+ 44,65 Prozent

+ 78,13 Prozent

+ 75,05 Prozent

+9,29 Prozent

Kurs-Gewinn-Verhältnis (aktueller Stand)

11,7

10,87

9,5

17,28

keine Angaben

59,02

10,17

Dividendenrendite (2013)

2,07 Prozent

3,43 Prozent

5,32 Prozent

2,79 Prozent

0,00 Prozent

0,11 Prozent

2,59 Prozent

Börsenwert (gerundet)

68,7 Milliarden Euro

42,2 Milliarden Euro

48 Milliarden Euro

17,3 Milliarden Euro

3,5 Milliarden Euro

7,44 Milliarden Euro

44,3 Milliarden Euro

 

Bei einem Blick in die Tabelle fällt auf, dass sich an der traditionellen Rolle der starken deutschen Hersteller etwas verändert hat. Und auch Pieper bestätigt, dass "der krasse Unterschied zwischen europäischen und deutschen Autobauern" so nicht bestehen bleiben wird. Anleger sollten sich allerdings darüber im Klaren sein, dass sich eine Erholung nicht immer in einem geraden Aufwärtskurs widerspiegele.

Wer in China den Ton angibt

Fords Focus ist ein wahrer Weltmeister
Die beliebtesten Autos der Welt - Focus vorne Quelle: Ford
Der Toyota Corolla konnte den Spitzenplatz nicht zurückerobern Quelle: Toyota Screenshot
Der VW Jetta - hier die technisch eigenständige US-Version - erreicht Rang drei Quelle: VW
Der Hyundai Elantra ist vor allem in den USA beliebt Quelle: Hyundai
Der Chevrolet Cruze basiert auf dem Opel Astra Quelle: Chevrolet
Der Toyota Camry war der bestverkaufte Pkw in den USA Quelle: Toyota Screenshot
Der VW Golf wird separat gezählt und kommt auf Rang 7 Quelle: VW

"Die Deutschen verdanken ihre Vorreiterrolle ja hauptsächlich ihrem Premium-Geschäft. Abgesehen von Lexus in den USA sind BMW, Audi und Daimler bei Premiumwagen führend", weiß Pieper. Seiner Schätzung nach haben die deutschen Unternehmen in diesem Segment gut 80 Prozent der Marktanteile. "Volvo oder Saab sind, wenn man sie überhaupt nennen will, Exoten", sagt der Experte.

Allerdings hat es Volvo im Jahr 2013 - China sei Dank - wieder in die schwarzen Zahlen geschafft. 2012 schrieb Volvo noch rund 56 Millionen Euro Verlust, 2013 legte der Absatz dann wieder um 1,4 Prozent auf 427.840 verkaufte Autos zu. Die Nachfrage nach Schwedenstahl stieg in China, sodass Volvo 2013 seine Verkäufe um 45 Prozent steigern konnte. Seit November baut Volvo auch in Chengdu Autos. "Der Schlüssel für die Autobauer im kommenden Jahr ist China", bestätigt auch Pieper.

Wie sich VW, BMW und Mercedes in China schlagen
Der größte Automarkt der WeltMit mehr als 18 Millionen neuen Pkw alleine im Jahr 2014 ist China der größte Automarkt der Welt. Fast ein Viertel aller Neuwagen weltweit werden hier verkauft. Dabei kommen auf 1000 Chinesen erst 61 Autos. In Deutschland sind es 540 auf 1000 Einwohner. Bei 1,3 Milliarden Chinesen ist das Potenzial noch riesig. Allerdings verlangsamt sich das Wachstum zusehends. Der chinesische Branchenverband geht für 2015 nur noch von drei statt sieben Prozent Wachstum aus. Auch der deutsche Verband der Automobilindustrie (VDA) erwartet, dass sich die Turbulenzen an den chinesischen Finanzmärkten und die Abkühlung der Konjunktur auf den Automarkt auswirken. "China schaltet einen Gang zurück. Für das gesamte Jahr rechnen wir nun mit einem Plus von maximal vier Prozent", sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann dem "Focus". Bisher war der VDA von sechs Prozent ausgegangen. Was das für die deutschen Hersteller bedeutet, sehen Sie in dieser Übersicht. Quelle: dpa
Volkswagen PkwFür die Wolfsburger ist China mit Abstand der wichtigste Markt. 2014 konnten die Wolfsburger 2,76 Millionen Autos im Reich der Mitte verkaufen – genau 35 Prozent aller Autos mit VW-Emblem. Im ersten Halbjahr 2015 setzte VW nur 1,3 Millionen Fahrzeuge ab (-6,7 Prozent). Wegen der schwachen ersten sechs Monate hat die Volkswagen AG ihre Absatzprognose für das gesamte Jahr gesenkt. Bisher war man von "moderatem Wachstum" ausgegangen, jetzt spricht das VW-Management nur noch von einer Zahl "auf dem Niveau des Vorjahres". Quelle: dpa
Noch große PläneTrotz sinkender Kaufleute möchte der Volkswagenkonzern seine Produktionskapazitäten weiter aufstocken. Bis 2019 sollen 22 Milliarden Euro in den Aufbau neuer und verbesserter Werke fließen. Der Absatz soll auf fünf Millionen Fahrzeuge steigen, 30.000 neue Jobs entstehen – dann hätte VW in China über 100.000 Mitarbeiter. Aktuell betreibt VW gemeinsam mit seinen Joint-Venture-Partnern FAW und SAIC 18 Werke in China – in acht rollen fertige Autos vom Band, die anderen stellen Bauteile her. Auf einer China-Reise mit Kanzlerin Angela Merkel im Sommer 2014 kündigte VW-Chef Martin Winterkorn an, in China zwei weitere Standorte eröffnen zu wollen. Quelle: dpa
AudiDie VW-Premiumtochter verkaufte 2014 genau 578.900 (+18 Prozent) Fahrzeuge in China. Mit "nur" 274.000 verkauften Audis nach den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres (+2 Prozent) sieht es für die geplanten 600.000 Verkäufe bis Jahresende schlecht aus. Chinesischen Medien schreiben, Audi habe das Ziel auf das Vorjahresniveau gesenkt, davon berichteten Händler. Seinen rund 400 chinesischen Vertragspartnern hat Audi Ausgleichszahlungen in Höhe von insgesamt 193 Millionen Dollar zugesagt. Wegen der schwachen Nachfrage in China hat Audi hat seine weltweiten Absatzziele für 2015 zurückgeschraubt. Statt einem Plus zwischen fünf und 9,9 Prozent rechnet Audi nur noch mit drei bis vier Prozent. Anfang des Jahres glaubte Audi-Chef Rupert Stadler noch an ein Wachstum von acht bis neun Prozent. Quelle: AP
BMWDie Bayern verkauften im vergangenen Jahr 456.000 Autos in China (+17 Prozent) – ein Fünftel aller weltweit verkauften BMW. Nach dem ersten Halbjahr 2015 ist die große Euphorie verflogen. Nur 230.000 Autos (+2,5 Prozent) schlugen die Händler los. Wegen des schwächeren Geschäfts soll BMW den rund 440 Betrieben eine Kompensation von 685 Millionen Euro zahlen. BMW kommentiert die Zahl nicht. Quelle: dpa
Trotz der "neuen Normalität", wie der ehemalige BMW-Chef Norbert Reithofer das abgeschwächte Wachstum nannte, die Pläne sind längst gemacht. Die Bayern produzieren künftig sechs statt drei Modelle für den lokalen Markt. Die Kapazitäten im Werk Shenyang wachsen um 100.000 auf 400.000 Autos jährlich. Bisher machen die in China gefertigten Pkw knapp 13 Prozent der weltweiten BMW-Produktion aus, 14.000 Mitarbeiter in China sind daran beteiligt. Erst kürzlich hat der Münchener Premiumhersteller die Kooperation mit Joint-Venture-Partner Brilliance bis 2028 verlängert. Der wiederrum hat am 13. Juli 2015 eine Gewinnwarnung veröffentlicht. Für das erste Halbjahr sei ein Einbruch von 40 Prozent zu erwarten. BMW legt am 4. August seine Halbjahresbilanz vor. Quelle: REUTERS
MercedesBei den Schwaben gingen im vergangenen Jahr 281.588 Autos (+29 Prozent) ins Reich der Mitte und damit 15 Prozent aller Fahrzeuge. Im ersten Halbjahr fuhren in China 165.000 Autos mit Stern vom Hof – ein Plus von fast 22 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Ein fantastisches Ergebnis für Mercedes und seinen China-Chef Hubert Troska (im Bild). Die Stuttgarter punkten mit ihrer neuen Modellpalette und profitieren von der Umorganisation ihres Vertriebs. Quelle: REUTERS

Neben Volvo sind auch andere europäische Autobauer stark in China vertreten. Alleine Volkswagen konnte seinen Absatz dort im vergangenen Jahr um 16,2 Prozent steigern. Auch die VW-Tochter Audi konnte 2013 um 21,2 Prozent auf 492.000 Autos zulegen und ihren Vorsprung als Marktführer im Premiumbereich in China ausbauen. BMW verkaufte in China 362.500 und Daimler 218.045 Autos. Daimler sei in China allerdings unterrepräsentiert, wie Pieper sagt. Insofern erwarte er vom dortigen Markt auch keine allzu großen Auswirkungen auf die Zahlen der Stuttgarter.

Größte ausländische Autohersteller in China

Allgemein könnten die Hersteller von Luxusautos aber auf China setzen. "Der dortige Pkw-Markt hat immer noch ein Wachstum von zehn Prozent", sagt Pieper. Das Geschäft mit Oberklassewagen soll sogar um 15 bis 20 Prozent zulegen. "Der Trend, zu einem hochwertigen Auto aufzurüsten, wird immer stärker", sagte der Generalsekretär der chinesischen Personenwagenvereinigung, Cui Dongshu, kürzlich in Peking.

Börse



Anleger, die sich für Autoaktien interessieren, sollten also den chinesischen Markt im Blick haben. Hersteller, die vor Ort sind, und am besten auch noch Oberklassewagen herstellen, versprechen stabile Renditen. Bei den europäischen Autobauern lohnt sich der Blick auf Peugeot, während Fiat nur noch kurzfristig rentabel sein dürfte. Auch die Volkswagenaktie ist durchaus reizvoll - nicht nur, weil das Unternehmen im Boom-Markt China überaus aktiv ist, sondern auch wegen der günstigen Bewertung. Die ist allerdings derzeit ein Merkmal aller deutschen Werte.

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