Schlusswort Vom Beginn einer Institutionenökonomik ohne Institutionen

Der Bitcoin ist Risiko, die Blockchain ist Revolution. Vom Beginn einer Institutionenökonomik ohne Institutionen.

Quelle: REUTERS

In Neuseeland gibt es die meisten Schafe je 1000 Einwohner. Das Land lebt von Landwirtschaft und Viehzucht und bringt es damit gemäß Angaben der Weltbank immerhin auf eine Wirtschaftsleistung von 185 Milliarden Dollar. Gegen den Bitcoin sieht es inzwischen sehr alt aus. Dessen Marktkapitalisierung erreicht immer neue Rekorde. Inzwischen übersteigt sie das Bruttoinlandsprodukt von Katar, Ungarn, Rumänien. Oder auch von Neuseeland.

Kritische Betrachter des Bitcoin-Booms sind der Ansicht, in den USA und Deutschland gäbe es die meisten Schafe je 1000 Einwohner. Das sind dann die zweibeinigen, die glauben, sie könnten mit der Kryptowährung reich werden, und zwar dauerhaft.

Mal ehrlich: Hier verkaufen nicht feingezwirnte Herren mit finanziellem Institutionenhintergrund strukturierte Finanzprodukte an Omis, die damit vermeintlich ihre Altersruhe absichern sollen. So kannten wir das aus der Zeit vor der Finanzkrise. Bei Bitcoin investieren Menschen in die höchstmögliche Volatilität. Die Kryptowährung ist unsichtbar, unreguliert und oft auch unverstanden. Wer totales Risiko geht, muss wissen, dass er einen Totalverlust erleiden kann. Das ist dann Pech. Andernfalls ist es Glück.

Solange also die von Schiffs- und Filmfonds enttäuschten Zahnärzte nicht zum Investitionssturm auf den Bitcoin ansetzen, haben wir Zeit nachzudenken. Über die wahre Veränderung. Die liegt nämlich nicht in einer der Kryptowährungen, sondern in der Technologie dahinter. Blockchain ist eine Datenbank, in der finanzielle oder andere Transaktionen ohne eine zwischengeschaltete Instanz eindeutig und transparent verwaltet werden.

Ein bisschen so wie eine unendliche Akte, in die jede Information in ordentlicher Reihenfolge eingeheftet wird. Niemand kann etwas durcheinander bringen. Und niemand kann je wieder etwas rausnehmen. Das müsste uns Deutschen doch eigentlich gefallen. Für solch eine Transaktion braucht es keinen Vertrauensvorschuss, denn alles ist dauerhaft dokumentiert.

Ökonomienobelpreisträger Robert Shiller sieht die Begeisterung für Bitcoin als Teil des neuen Populismus, der Autoritäten infrage stellt und auf die Selbstermächtigung des Einzelnen setzt. Das macht Blockchain zur Technologie unserer Zeit und zum Beginn einer neuen Institutionenökonomik ohne Institutionen.

"Bleiben Sie weg. Das ist tödlich."
Axel Weber, Präsident der Schweizer Bank UBSDer ehemalige Präsident der Bundesbank ist Bitcoin gegenüber sehr skeptisch. „Das kommt wahrscheinlich von meinem Hintergrund als Notenbanker“, sagte er. Eine Währung müsse allgemein akzeptiert sein, als Wertaufbewahrung dienen und als Zahlungsmittel sowie für Transaktionen verwendet werden können. „Bitcoin ist nur eine Transaktionswährung“, sagte Weber. Ihren Kunden rate die UBS bewusst von Bitcoins ab. Sie hätten keinen intrinsischen Wert und die Bank sehe keine darin keine Substanz. Quelle: REUTERS
Jamie Dimon Quelle: dapd
Warren Buffett:Der US-Starinvestor hat vor Bitcoin und anderen Digitalwährungen gewarnt. „Ich kann mit annähernder Sicherheit sagen, dass sie ein böses Ende nehmen werden“, sagte der 87-jährige Börsen-Guru am Mittwoch im Sender CNBC. Wann es soweit sein werde, könne er allerdings nicht sagen. Buffett spekuliert mit seiner Investmentfirma Berkshire Hathaway nach eigenen Angaben bislang noch nicht aktiv auf einen Crash. Die Frage, ob er mit sogenannten Futures gegen Kryptowährungen wette, verneinte Buffett. Er würde aber mit langfristigen Optionsgeschäften - etwa über einen Zeitraum von fünf Jahren - auf Kursverfall setzen, wenn dies möglich wäre. Buffett räumte jedoch auch offen ein, sich mit Bitcoin und Co. nicht sonderlich gut auszukennen. „Doch ich denke, was derzeit abläuft, wird definitiv böse enden“, so die Investorenlegende. Quelle: AP
Lars Rohde, Notenbankchef von Dänemark„Bleiben Sie weg. Das ist tödlich“, so Dänemarks Nationalbankgouverneur Lars Rohde. „Ich sehe Bitcoin als Tulpenmanie, was eine außer Kontrolle geratene Blase ist“, sagte er im Dezember 2017 in einem Interview. Die Tulpenmanie in den Niederlanden gilt als erste dokumentierte Spekulationsblase der Welt. In den 1630er Jahren waren dort die Tulpenpreise auf astronomische Höhen gestiegen, bevor sie 1637 abrupt einbrachen.
Felix Hufeld, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) Quelle: dpa
Deutsche Bundesbank Jens Weidmann Quelle: REUTERS
Valdis Dombrovskis:Die EU-Kommission warnt vor Risiken der Cyberwährung Bitcoin für Investoren und Verbraucher. Es bestehe die Gefahr, dass diese ihr gesamtes Vermögen verlören, sagte der Vizepräsident der EU-Kommission, Valdis Dombrovskis. Die Investoren sollten realisieren, dass der Bitcoin-Kurs jeden Moment fallen könnte. "Virtuelle Währungen wie Bitcoin sind nicht wirklich Währungen." Dombrovskis sagte, er habe die Bankaufseher der EU aufgefordert, ihre Warnungen zu Bitcoin auf aktuellen Stand zu bringen. Quelle: REUTERS

Darin liegt eine Riesenchance. Bevor also die Bitcoin-Blase womöglich platzt und dann alle wieder nur auf das Misslingen schauen, gucken wir doch mal, was die Blockchain als eigentliche Innovation auf Lager hat. Die Einsatzmöglichkeiten gehen weit über die Finanzwelt hinaus.

Nahezu jede Form der Transaktion lässt sich so lückenlos und transparent dokumentieren. Das eröffnete neue Ansätze bei der Deklaration von Gefahrgütern, der Vergabe von Studienplätzen oder der Registrierung von Flüchtlingen. Schlau wäre es, wenn Deutschland als Vorreiter eine Blockchain aufbaute, um in dieser neuen Transaktionswelt voranzugehen. Ein Schaf, wer die Chancen nicht sieht.

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