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Schuldenkrise Die EZB wird zum Inkassobüro

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Selbst erstellte Statistik

Die Einlassungen Schäubles kann man durchaus sehen als Warnung an Draghi. Dieser wartet mit immer neuen und riskanteren Ideen auf, für die überwiegend Deutschland haftete.

Unter Draghi hat sich die EZB weit von ihrem eigentlichen Mandat, der Wahrung von Preisstabilität in der Eurozone, entfernt. Inzwischen kümmert sich die EZB auch um Fiskalpolitik, die Finanzierung von Staaten und Privaten, sie betreibt einen Hedgefonds für hochverzinsliche Staatsanleihen und Kreditverbriefungen sowie ein Inkassobüro, das den deutschen Haftungsanteil in Höhe von 27 Prozent an ihren absehbaren Spekulationsverlusten eintreiben wird.

Mit dem geplanten Ankauf von forderungsbesicherten Wertpapieren (Asset Backed Securities, ABS) will die EZB neue Liquidität schaffen, sagt sie. Dabei ist der Verbriefungsmarkt viel zu klein dafür. Das konnten die Frankfurter Währungshütchenspieler im Mai gar in einer selbst erstellten Statistik feststellen. Für die Verschleierung der einen oder anderen Bankenpleite dürfte es aber gewiss reichen.

Mit dem Aufkauf verbriefter Unternehmenskredite steigt die EZB direkt in die Unternehmensfinanzierung ein. Die Ankündigung hat dazu geführt, dass die Investoren den europäischen ABS-Markt leer gekauft haben - auch eine Art von Frontrunning. Die EZB zahlt die Kursgewinne von Spekulanten, aber sie wird dadurch das weitgehend insolvente europäische Bankensystem nicht in ein solventes verwandeln.

Zypriotischer Kredit-Crash

In Juni erhöhte sich zum Beispiel der Anteil notleidender Kredite im zypriotischen Bankensystem auf 45 Prozent. Damit wird fast jeder zweite Kredit auf der Mittelmeerinsel nicht mehr ordentlich bedient. Vielleicht hat ja Blackrock eine zündende Idee, wie sich diese faulen Kredite geräuschlos in der EZB-Bilanz unterbringen lassen.

In Arbeit
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Blackrock Solutions, eine Sparte des weltweit größten Vermögensverwalters und Hedgefonds soll der EZB bei deren geplanten ABS-Ankäufen beratend zur Seite stehen. Das hat was: Europas größter öffentlicher Hedgefonds engagiert den weltweit größten privaten Hedgefonds, um in Europa die Probleme zu regeln. Über die Beratung durch Blackrock ist die EZB auch gleich im Schattenbankensystem der USA angekommen. Blackrock steht dort zum Beispiel für die Verbriefung flüchtiger Mieteinnahmen aus eigenen Immobilienbeständen und hochgradig ausfallgefährdeter Studentenkredite.  

Mit dem Engagement von Blackrock schließt sich für Draghi in gewisser Weise ein Kreis. Seit 30 Jahren ist der Italiener bestens verdrahtet mit führenden US-Investmentbanken. Seine Rolle im Zusammenhang mit den dubiosen Währungsswapgeschäften zur Verschleierung der tatsächlichen Staatsverschuldung, mit denen sich die italienische und später die griechische Regierung Einlass in die Eurozone verschaffen konnten, wurde bis heute nie aufgeklärt. Zwischen 1991 und 2001 war Draghi Generaldirektor im italienischen Finanzminister. In sein Aufgabengebiet bei Goldman Sachs International, wo er zwischen 2002 und 2005 arbeitete, fiel unter anderem das Geschäft mit europäischen Regierungen. Goldman Sachs meets Blackrock -  im Eurotower in Frankfurt!

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