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Seltene Erden Heiße Wette für Anleger

Anleger sollten Experten zufolge erst mittelfristig bei Förderunternehmen seltener Rohstoffe einsteigen. Direktinvestments sind riskant, denn die Kurse schwanken stark. Einige Blasen sind bereits geplatzt.

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Tagebau im chinesischen Ganxian: Seltene Erden sind für viele High-Tech-Produkte wichtig. Quelle: dpa

Frankfurt Die Rohstoffmärkte haben ihre eigenen Gesetze. Erwarten die darauf spezialisierten Investoren Engpässe zum Beispiel bei bestimmten Technologiemetallen, setzen sie ihr Kapital verstärkt ein und sorgen sowohl für steigende Preise dieser Rohstoffe als auch für höhere Kurse der Aktien hier tätiger Unternehmen.

Doch solche Blasen platzen Monate oder Jahre später, wenn Lieferengpässe verschwinden, weil die Rohstoffwirtschaft Geld investiert hat und die Produktion hochfährt.

Wer als Anleger erfolgreich sein will, sollte gerade bei engen Rohstoffmärkten sehr früh im Zyklus investieren und den sich später bildenden Hype konsequent zum Ausstieg nutzen. Dabei hilft ein Blick auf die bisherige Entwicklung.

Zu den Rohstoffspezialitäten zählen Seltene Erden. Sie sind im modernen Technologiezeitalter nicht mehr wegzudenken. Sie sind in Computern, Mobiltelefonen, medizinischen Geräten, Batterien und zahlreichen anderen modernen High-Tech-Produkten zu finden.

Rund 90 Prozent der Seltenen Erden liefert China. Als die Volksrepublik vor Jahren erklärte, die Exporte von Seltenen Erden beschränken zu wollen, fürchtete man im Westen um die Versorgung von Technologie-Unternehmen. Und so kam es an den Börsen zu einem von Hysterie bestimmten Kaufrausch bei solchen Aktien.

Inzwischen hat sich aber gezeigt, dass die Seltenen Erden gar nicht so selten sind. Sie kommen allerdings im Erdboden nur selten in einer so hohen Konzentration vor, dass ihre Gewinnung wirtschaftlich ist. Das staatliche chinesische Informationsbüro hat jüngst eine Studie veröffentlicht, in der davon ausgegangen wird, dass China lediglich über 23 Prozent der weltweiten Vorkommen an Seltenen Erden verfügt und es auch in anderen Erdteilen große Vorkommen gibt.


Qualität der Lagerstätten wichtig

An den Börsen werden die Seltenen Erden nicht gehandelt, sondern nur direkt zwischen den Kontraktpartnern. Anders ist das natürlich mit den Aktien der Fördergesellschaften. Einen Überblick über die Aktienkursentwicklung der entsprechenden Unternehmen gibt der Bloomberg-Rare-Earth-Mineral-Resources-Index.

Er vervielfachte sich von 24 Indexpunkten Ende 2008 bis auf rund 350 Punkte im April 2011. Danach aber kam das große Erwachen, wie der Indexsturz auf nur noch rund 100 Punkte zeigt. „Erst wenn die Wirtschaft wieder stärker wächst, werden die Preise für Seltene Erden anziehen“, sagt Peter Kausch, Professor an der TU Bergakademie in Freiberg in Sachsen.

„Wichtig für Anleger ist bei Rohstoff-Investments neben dem mittel- und langfristigen Zeithorizont vor allem die Qualität der Lagerstätten“, meint Professor Kausch. Die Direktinvestments in einzelne Aktien von Förderunternehmen gelten aber als riskant, da die Kurse oft stark schwanken und die Unternehmen für hiesige Anleger vergleichsweise unbekannt sind. Der größte Förderer Seltener Erden ist die amerikanische Molycorp.

Investitionsmöglichkeiten für Kleinanleger bieten zum Beispiel Zertifikate der UBS, der Royal Bank of Scotland oder der Société Générale. Die UBS hat zudem einen börsengehandelten Indexfonds aufgelegt, der in Aktien von Unternehmen investiert, die mindestens 30 Prozent ihres Umsatzes mit der Förderung und Verarbeitung Seltener Erden machen.

Ähnlich starke Preis- und Kursschwankungen wie bei Seltenen Erden gab es auch bei den Technologiemetallen Lithium und Vanadium und den Aktien der auf diesem Feld tätigen Unternehmen. Lithium und Vanadium sind bei der Produktion effizienter Batterien der neuen Generation unverzichtbar - zum Beispiel als Kernelemente von Batterien für Elektroautos.


Anhaltendes Interesse an Graphit


Der Byron Capital Markets Lithium Index, der die Aktienkursentwicklung von Lithiumförderern widerspiegelt, hatte sich von Mitte 2010 bis Anfang 2011 auf 3,9 Indexpunkte fast vervierfacht, bis es zum Absturz kam. Inzwischen liegt er bei rund 1,8 Punkten.

Wer dem Megatrend Elektromobilität folgen will und auf eine positive Wertentwicklung von Lithium und den entsprechenden Unternehmen setzen will, kann zum Beispiel ein Zertifikat der UBS auf einen Lithiumaktienkorb kaufen. Für mittelfristig interessant hält Hans-Jürgen Klisch vom US-Finanzhaus Raymond James & Associates darüber hinaus die Aktie des chilenischen Marktführers Sociedad Quimica y Minera de Chile (SQM), der relativ kostengünstig Lithium in den Salzseen Lateinamerikas gewinnt.

Deas neuestes Thema bei Rohstoff-Spezialitäten ist Graphit - eine Modifikation des Kohlenstoffs. Auch dort bildete sich eine Blase, die laut Jon Hykaway von Byron Capital Markets in Toronto allerdings bereits geplatzt ist. Zunächst hatten Durchbrüche in der technologischen Forschung für eine weltweit extrem steigende Nachfrage und steigende Preise und Aktienkurse gesorgt. Das anhaltende Interesse der Wirtschaft an Graphit zeigt sich aber unter anderem daran, dass der deutsche Autokonzern BMW vor einigen Monaten seine Beteiligung an SGL Carbon - einem Kohlenstoff- und Graphitproduzenten - aufgestockt hat.

Hykaway glaubt, dass es außerhalb Chinas in naher Zukunft nur Platz für eine kleine Anzahl von Naturgraphit-Produzenten geben wird, die dann auch in der Lage sein würden, die steigende Nachfrage des Westens nach diesem Rohstoff zu befriedigen. Anleger sollten nach Meinung von Professor Kausch zunächst grundsätzlich zurückhaltend sein: „Der große Durchbruch an diesem Markt wird noch viele Jahre auf sich warten lassen.“

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