WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Sit-Ups statt Lobster Investmentbanker dealen im Fitnessstudio

Die Broker der New Yorker Wallstreet werden immer gesundheitsbewusster. Statt zum edlen Dinner oder zum golfen laden Sie ihre Kunden mittlerweile zu Fitness-Dates ein.

Gemeinsamer Fitnesskurs: Broker gehen lieber mit ihren Kunden zum Sport, als mit ihnen Essen zu gehen. Quelle: obs

In Manhattan entscheiden sich die Banker für frühmorgendliche oder nachmittägliche Trainingseinheiten in Fitness-Studios wie SoulCycle, Barry's Bootcamp und Flywheel Sports - statt für Alkohol und fettreiches Essen bei abendlichen Einladungen. John Abularrage, Leiter der Amerika-Sparte von Tullett Prebon Plc, geht mit seinen Kunden um 5 Uhr morgens zu Barry's Bootcamp im Stadtteil Tribeca, wo sie auf dem Laufband und mit Gewichten zu lauter Musik trainieren.

“Einige sind richtig scharf darauf, statt zu einem schweren Essen oder einem Bier ins Fitnessstudio eingeladen zu werden”, sagt der 35-Jährige. “Wenn man im Rahmen der Arbeit häufig einladen muss, kann man sehr schnell aus der Form kommen.”
Banker, die Aktien oder Anleihen verkaufen, laden seit langem Händler von Investmentfonds und Hedgefonds-Manager zu Sportereignissen, in Restaurants oder Bars ein - in der Hoffnung, damit ihren Umsatz zu erhöhen. Für gesundheitsbewusste Kunden sind solche Steak-Essen zunehmend “eine dreistündige Tortur”, sagt Chelsea Kocis, einst im Bereich Aktienverkäufe tätig. Sie dagegen lud gerne Händler zu einem Fitness-Training um 17 Uhr ein und lockte sie mit der Aussicht, dass sie schon zu Hause sein könnten, bevor ihre Kinder ins Bett müssten. Vergangenen Monat hat Kocis ihre Stelle bei Bank of America Corp. aufgegeben, um ein Cycling-Studio im Flatiron-Bezirk von Manhattan zu eröffnen. Als Kunden hat sie vor allem Banker im Visier, denen sie die Möglichkeit bieten will, Teams zu bilden und auf den Trimm-Dich-Fahrrädern gegeneinander anzutreten.

Wo Investmentbanker gehen müssen
Royal Bank of ScotlandDer Vorstandschef der staatlich kontrollierten britischen Großbank Royal Bank of Scotland (RBS) tritt ab. Stephen Hester werde seinen Posten zum Ende des Jahres räumen, teilte die Bank mit. „Der Verwaltungsrat ist der Meinung, dass ein ordentlicher Nachfolge-Prozess einem neuen Vorstandschef Zeit geben wird, den Privatisierungsprozess vorzubereiten und die Bank in die kommenden Jahre zu führen“, heißt es in einem Statement der RBS. Hester sei es nicht möglich gewesen, ein solches zeitlich unbegrenztes Bekenntnis abzugeben. Die Royal Bank of Scotland gehört zu rund 80 Prozent dem britischen Steuerzahler. Ihre Reprivatisierung gilt als eines der heißesten Eisen in der britischen Regierungspolitik. Quelle: dpa
Goldman SachsBedrohte Stellen: unbekannt Die US-Investmentbank steht offenbar noch in dieser Woche vor einem weiteren Arbeitsplatzabbau. Dabei werde das Aktienhandelsgeschäft diesmal wohl stärker betroffen sein als die im vergangenen Jahr kräftiger gestutzte Sparte für festverzinsliche Papiere, sagten mit den Plänen vertraute Personen am Montag. Das Geldhaus von der Wall-Street trennt sich gewöhnlich jedes Jahr zu dieser Zeit von den fünf Prozent seiner Mitarbeiter, die intern am schlechtesten bewertet wurden. Da das Handelsgeschäft aber weiter unter schwachen Volumen und niedrigen Gewinnen leidet, würden wahrscheinlich hier in einigen Bereichen die Einschnitte tiefer sein, hieß es in den Kreisen. Quelle: dpa
Morgan StanleyBedrohte Stellen: 1600 Die sechstgrößte US-Bank plant angeblich, in den nächsten Wochen den Geschäftsbereich Investmentbanking um 1600 Stellen zu reduzieren. Das entspricht etwa sechs Prozent der Mitarbeiter in dieser Sparte. Rund 800 Investmentbanker sollen in den USA entlassen werden, aber auch Mitarbeiter außerhalb der Vereinigten Staaten werden gehen müssen. Ähnlich wie bei den Entlassungen der Citigroup sollen Mitarbeiter aus allen Ebenen betroffen sein. Quelle: REUTERS
a Citibank branch in New York Quelle: dapd
Deutsche Bank Quelle: dapd
Nomura Quelle: REUTERS
JP Morgan Quelle: REUTERS

Angefangen hat der Boom bei den Fitness-Studios bereits 2006, als SoulCycle eröffnete. Es stellte sich heraus, dass die New Yorker bereit waren, viel Geld für ein 45-minütiges Spinning-Training in Disco-Atmosphäre und mit Motivationstrainern zu bezahlen. Normalerweise kostet ein solches Training 34 Dollar, aber für die frühe Reservierung begehrter Zeiten kann auch rund das Doppelte fällig werden - so viel, wie anderswo die monatliche Mitgliedschaft im Fitness- Studio kostet.

Seit März 2012 sind rund 35 solcher Studios in Manhattan eröffnet worden, berichtet Anita Mirchandani, Mitgründerin von Fitmapped, einer App, mit der sich Fitness-Studios in New York und Los Angeles finden lassen. SoulCycle wurde 2011 von Equinox Holdings Inc. übernommen und ist inzwischen mit neun Studios in New York vertreten.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Allerdings sind noch nicht alle Banker vom Nutzen der Fitness-Einladungen zur Kundenbindung überzeugt. Ein Anleihehändler, der aufgrund unternehmensinterner Richtlinien seinen Namen nicht genannt haben wollte, sieht die altmodischen Essenseinladungen als effizienter an. Eine Bankerin stieß einen Fluch aus, als ein Reporter sie über den Trend informierte, und verlieh ihrem Unglauben gegenüber ihren Kollegen Ausdruck. Sie nehme Händler am liebsten zu Spielen des Baseball-Teams New York Yankees und dann in einen Striptease-Club mit, erklärte sie.

Steve Starker, Mitgründer des Brokers BTIG LLC, ist dagegen ein Anhänger der Fitness-Dates mit Kunden. “Es geht um die Kundenbindung”, betont er. “Man lädt den Kunden ein, gemeinsam zu trainieren und zu schwitzen und danach einen Saft zu trinken”, erläutert er. “Es gibt immer noch Leute, die sich gerne bei einer guten Flasche Wein und einem Steak gepflegt unterhalten, aber heutzutage sind sehr viel mehr Leute gesundheitsbewusst.”

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%