Sorgen um Chinas Wachstum Chinesische Börsen im freien Fall

Kurssturz an Chinas Börsen: Die massiven Eingriffe der Regierung haben offenbar keinen Effekt mehr - das zieht auch den Handel in Frankfurt und New York ins Minus. Die Sorgen um Chinas Wachstum bleiben.

Die chinesischen Börsenkurse. Quelle: dpa

Nach drei Wochen vorläufiger Erholung sind Chinas Aktienmärkte wieder in den freien Fall übergegangen und haben die Sorgen um das künftige Wachstum in dem Riesenreich erneut verstärkt. Der Shanghaier Composite Index verlor am Montag 8,48 Prozent - der größte Tagesverlust seit acht Jahren. Der Component Index in Shenzhen stürzte um 7,59 Prozent ab. Die massiven Eingriffe der Pekinger Regierung, die den Markt mit frischem Geld geflutet hatte, drohen nach Einschätzung von Marktbeobachtern zu verpuffen.

Weil die Börsen des Landes Anfang Juli zeitweise um mehr als ein Drittel an Wert verloren hatten, versuchen Behörden und Notenbank seitdem massiv gegenzusteuern. Laut Analysten sorgen sich Investoren, dass das Stützungsprogramm langfristig keine Wirkung haben könnte.

Zehn interessante Fakten über China
Täglicher Griff zur ZigaretteUngesunder Rekord: In jeder Sekunde werden 50.000 Zigaretten in China angezündet. Das berichtet die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die Zahl der Raucher ist in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen. Inzwischen zünden sich 66 Prozent der männlichen Chinesen täglich mindestens eine Zigarette an. Bei den Frauen raucht nur jede Zwanzigste täglich. Quelle: rtr
Künstliche TannenbäumeKlar, China ist ein großes Land. Fast jeder fünfte Mensch lebt in dem Riesenreich, China ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde. Doch in einigen Statistiken liegt das Land überproportional weit vorne. So ist das Riesenreich nicht nur der größte Textilproduzent, sondern auch weltweit führend in der Herstellung von künstlichen Tannenbäumen. 85 Prozent alle unechten Tannenbäume – so National Geographic – stammen aus China. Texte: Tim Rahmann Quelle: dpa
SchweinereichIn China leben nicht nur die meisten Menschen, sondern auch die meisten Schweine. 446,4 Millionen Eber und Säue lebten 2008 im Reich der Mitte, so die UN. Damit leben dort mehr Schweine als in den 43 nächst größten Ländern, gemessen an der Zahl der Tiere, zusammen. Zum Vergleich: In Deutschland werden aktuell rund 26,7 Millionen Schweine gehalten. Quelle: dpa
Geisterstädte im ganzen LandIn China wurde in den letzten Jahren massiv gebaut – auch in ländlichen Gegenden. Doch die Landflucht ließ vielerorts Geisterstädte entstehen. Mehr als 64 Millionen Wohneinheiten stehen im ganzen Land leer. Auch das größte Einkaufszentrum der Welt, … Quelle: dpa
McDonald’s allein auf weiter Flur… die "New South China Mall", hat reichlich Gewerbeflächen zu vermieten. 1500 Geschäfte finden dort Platz, 70.000 Käufer sollten täglich nach Dongguan pilgern. Doch die Realität sieht anders aus: 99 Prozent der Flächen sind unbenutzt, berichtete die britische Zeitung "Daily Mail". Nur ein paar Restaurants befinden sich in dem Gebäude, unter anderem Mc Donald’s. Quelle: AP
Bauboom geht weiterDennoch bauen die Chinesen fleißig weiter. Die Folge: Kein Land verbaut mehr Zement als China. 53 Prozent der weltweiten Nachfrage stammt aus dem Reich der Mitte, so Michael Pettis, China-Experte und Ökonom der Peking-Universität. Quelle: dpa
Barbie ist zu sexyWenn in China gerade nicht gebaut wird, werden in den zahlreichen Fabriken Güter produziert. Neben Textilien vor allem Spielwaren. Rennautos, Barbie-Puppen und Kuscheltiere: Fast 80 Prozent der deutschen Spielwaren stammen aus China. Vor Ort selbst sind Barbie-Puppen übrigens kein Verkaufsschlager. Für die Chinesen ist die kurvige Blondine zu sexy. Dort verkaufen sich vor allem niedliche Puppen. Quelle: AP

Neue Börsengänge wurden ausgesetzt und die Papiere von bis zu 1400 Unternehmen aus dem Handel genommen. Vom Tiefstand am 8. Juli waren die Kurse daraufhin bis zum vergangenen Freitag zunächst wieder kräftig gestiegen. Frederik Kunze von der NordLB sah in der Talfahrt vom Montag auch eine Gegenreaktion auf die „verabreichten Beruhigungspillen“ seitens der Regierung.

Nicht nur die Börse, auch Chinas Wirtschaft lief zuletzt nicht rund. Die Gewinne großer chinesischer Unternehmen gingen im Juni im Vorjahresvergleich um 0,3 Prozent zurück, wie das nationale Statistikamt am Montag in Peking mitteilte. Bereits am Freitag hatte es schlechte Nachrichten für die Konjunktur gegeben: Die Stimmung chinesischer Produzenten war laut einer Umfrage auf den niedrigsten Stand seit 15 Jahren gefallen.

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Das Reich der Mitte hat immense globale Bedeutung. Ökonomen befürchten, dass die Börsenturbulenzen das Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft bremsen könnten - mit Folgen für die gesamte Weltwirtschaft.

Der Kursrutsch in China hatte auch heftige Auswirkungen auf die Börsen in New York und Frankfurt. Der US-Leitindex Dow Jones stand zwischenzeitlich so tief wie zuletzt im Februar. Die Verluste in China seien vor allem für internationale Konzerne mit einem hohen Umsatzanteil ausländischer Kunden Grund zur Sorge, warnten Beobachter.

Der deutsche Leitindex Dax sackte noch weiter ab und setzte seine Talfahrt aus der vergangenen Woche fort. Am Freitag hatte das Börsenbarometer mit einem Wochenabschlag von knapp 3 Prozent geschlossen. Diese Entwicklung treibe den Anlegern die Sorgenfalten auf die Stirn, schrieb Analyst Stephen Schneider von der WGZ Bank.

Auch weitere Börsen in Asien gerieten in den Abwärtssog - darunter der Sammelindex Stoxx 600 Asia/Pacific und der japanische Nikkei. Händler verwiesen auf Aussagen des Vizegouverneurs der japanischen Notenbank, Hiroshi Nakaso. Er habe gewarnt, dass Chinas verlangsamtes Wirtschaftstempo Einfluss auf Japans Exporte haben könnte.

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