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Soziales Netzwerk unter Druck Was Facebook-Anleger wirklich erwartet

Das soziale Netzwerk steht weiter unter Druck: 1,7 Milliarden neue Aktien überschwemmen den Markt. Womit Anleger jetzt rechnen müssen.

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Zuckerbegr bei einer Rede in Harvard Quelle: REUTERS

Normalerweise wird bei Unternehmenschefs, deren Aktienkurs sich binnen zehn Wochen halbiert, kräftig am Stuhl gesägt. Nicht so bei Facebook. Chef Mark Zuckerberg muss keine Aktionärsrebellion befürchten. Er kontrolliert dank Aktien mit zehnfachem Stimmrecht und Stimmrechtsvereinbarungen das Unternehmen weiter. Als das von Zuckerberg gegründete soziale Netzwerk am 18. Mai an die Börse Nasdaq ging, schoss die Bewertung am ersten Handelstag in der Spitze bis auf 96 Milliarden Dollar. Am 3. August erreichte Facebook den vorläufigen Tiefstand mit 42 Milliarden Dollar Börsenwert. Als der Kurs bei zeitweise 19,99 Dollar notierte, gab es beißenden Spott: Facebook erinnere nun tatsächlich an 1999, dem Jahr vor dem Platzen der Dotcom-Blase.

Am Mittwoch (16. August) steht dem Facebook-Gründer nun die nächste Bewährungsprobe bevor. Dann endet die erste Etappe einer Staffel von Haltefristen, nach deren Ablauf Facebook-Mitarbeiter und enge Geschäftspartner ihre Unternehmensanteile verkaufen können. Bis Jahresende werden so zusätzliche 1,7 Milliarden Facebook-Aktien für den Handel verfügbar (siehe Grafik). Derzeit können Investoren an der Börse nur rund 420 Millionen Aktien umschlagen. Es steht also eine wahre Schwemme bevor, die den Kurs auf lange Zeit belasten dürfte.

Kuriose Börsenpannen

Verkauf wäre schlechtes Zeichen

Wie weit die Schleuse tatsächlich geöffnet wird – und das ist die eigentliche Belastungsprobe für Zuckerberg –, entscheiden dessen Mitarbeiter und Geschäftspartner. Wenn diese Insider massenhaft verkaufen sollten, wäre das ein starkes Signal: Zuckerbergs eigene Leute und Verbündete halten das soziale Netzwerk für überbewertet und haben Zweifel an dessen künftigem wirtschaftlichem Erfolg.

Kein Star an der Börse: Kurs der Facebook-Aktie seit dem Börsengang

Für Mitarbeiter, die nach dem 1. Januar 2011 anheuerten und Unternehmensanteile mit beschränkten Rechten erhielten, dürfte ein Verkauf zum jetzigen Zeitpunkt wenig Sinn machen. Denn die ihnen zugeteilten Aktien wurden zu Preisen zwischen 24 und 30 Dollar vergeben, der Börsenkurs liegt aktuell darunter. Deswegen wird im Silicon Valley spekuliert, dass Zuckerberg einen Teil der von Facebook beim Börsengang erlösten Mittel – immerhin rund acht Milliarden Dollar – nutzen könnte, um Aktien zurückzukaufen.

Negative Schlagzeilen

Die größten Börsengänge weltweit
Telekom Quelle: dapd
Platz 10Japans Telekommunikations-Riese Nippon Tel ging bereits 1987 an die Börse und nahm 15,3 Milliarden Dollar ein. 1999 wurde der Konzern umstrukturiert und ging in der NTT Communications Corp auf. Im Bild NTT-Präsident Masanobu Suzuki. Quelle: AP
General Motors Quelle: dpa
Facebook Quelle: dpa
Platz 7Der italienische Energieversorger Enel SpA beschäftigt über 58.000 Mitarbeiter. Bei seinem Börsengang im Jahr 1999 konnte der Konzern 16,5 Milliarden Dollar einsammeln. Quelle: REUTERS
Platz 6Ein Blick auf den AIA-Turm in Hong Kong. Die asiatische Sparte des US-Versicherers AIG nahm bei seinem Börsengang im Oktober 2010 17,8 Milliarden Dollar ein. Quelle: REUTERS
visa Quelle: dapd

Theoretisch wäre das möglich. In der Praxis würde das allerdings weitere Klagen von Anlegern nach sich ziehen, die sich durch den aus ihrer Sicht verpatzten Börsengang ohnehin schon geprellt fühlen. „Facebook hätte schon vor Jahren an die Börse gehen müssen“, sagt Paul Deninger, Geschäftsführer der Investmentbank Evercore Partners. Dann hätte die Bewertung mitwachsen können; so wurden die Lorbeeren schon zum Börsengang auf Jahre im Voraus geerntet.

Und die negativen Schlagzeilen über Facebook reißen nicht ab: wie über Klickbetrug. Tom Mango, auf dessen Web-Seite Limited Run Künstler ihre Werke anbieten können, behauptet, dass 80 Prozent der Klicks auf die von seinem Unternehmen gekauften Facebook-Werbeanzeigen maschinell erzeugt waren, also nicht von Nutzern aus Fleisch und Blut. Facebook bestreitet das. Doch da rund 84 Prozent der Einnahmen von Facebook aus Werbung stammen, sind solche Vorwürfe extrem geschäftsschädigend.

Aktien aus der Technologiebranche und ihre Kurschancen

Auch Spielanbieter Zynga hat Probleme

Börse



Hinzu kommt, dass immer mehr Facebook-Nutzer das soziale Netzwerk über ihre Smartphones nutzen. Rund 100 Millionen inzwischen sogar ausschließlich. Werbung auf Handydisplays ist jedoch weitaus weniger akzeptiert als auf dem heimischen Computermonitor und derzeit auch viel schlechter bezahlt. Zuckerberg will die Klippe umschiffen, indem er die Transaktionserlöse von Facebook ausbaut.

Wenn Spieleanbieter virtuelle Waren für ihre Produkte über Facebook verkaufen, erhält das soziale Netzwerk 30 Prozent der Erlöse. Doch der Großkunde Zynga, dessen Provisionszahlungen und Werbeausgaben 14 Prozent des Facebook-Umsatzes ausmachen, steckt derzeit selber in der Krise. Nur im Verlust schlägt Zynga Facebook: Der Kurs hat sich vom Top gefünftelt.

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