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Stabilität fürs Depot Welche europäischen Aktien besonders viel Dividende versprechen

Europäischer Telekommunikationsriese Telefonica Quelle: imago images

Europas Unternehmen schütten 2020 laut einer aktuellen Studie mehr Dividende aus als je zuvor. Warum das für Anleger spannend ist und welche Aktien aus der ersten Reihe in Europa und Deutschland vorn liegen.

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Die Konjunkturlage hat sich verfinstert, Strafzölle der USA erschweren den Außenhandel und geopolitische Risiken wie im Mittleren Osten oder durch den Handelsstreit erschweren – trotz sich abzeichnender Entspannung – den Welthandel. International tätige Unternehmen tun sich in diesem Umfeld schwer, Kursgewinne für Aktionäre sind alles andere als sicher.

Auch deshalb rücken Dividenden bei Anlegern wieder in den Fokus. Allianz Global Investors (AGI), einer der größten Vermögensverwalter der Welt, rechnet in einer aktuellen Studie mit einem Ausschüttungsrekord europäischer Unternehmen. Das erwartete Gesamtvolumen der Dividendenzahlungen für 2020: 359 Milliarden Euro. Gegenüber dem bisherigen Rekordjahr 2019 wäre das nochmal ein Plus von 3,6 Prozent beziehungsweise zwölf Milliarden Euro.

Jörg de Vries-Hippen, oberste Anlagestratege für europäische Aktien bei AGI, sieht darin ein starkes Signal für die wirtschaftliche Konstitution Europas. „Die erwartete Ausschüttungssumme in Höhe von 359 Milliarden Euro übertrifft den Bundeshaushalt im vergangenen Jahr“, beschreibt er die Größenordnung. Sein Kollege Hans-Jörg Naumer, Director Global Capital Markets und einer der Studienautoren, hält den absehbaren Dividendenregen für eine gute Nachricht für Anleger. „Alternativ zu fehlenden Zinsen können Dividenden ein Anleger-Depot dreifach stabilisieren: als regelmäßige Einkommensquelle, als Indikator für ein robustes Geschäftsmodell und zur Diversifikation des Depots“, sagt er.

Dividenden gewinnen vor allem vor dem Hintergrund der niedrigen Zinsen an Bedeutung. Schon vor Abzug der Inflation weisen 60 Prozent der Staatsleihen der Eurozone eine negative Rendite aus, in Deutschland sind es sogar 90 Prozent. Zwar sind die Dividenden der Unternehmen kein gleichwertiger Ersatz für festverzinste Geldanlagen mit einem Industriestaat als Schuldner, aber auch sie haben einen stabilisierenden Effekt auf ein Aktiendepot. AGI hat anhand des Aktienindex MSCI Europe für den Zeitraum vom 1974 bis heute errechnet, dass die ausgeschütteten Dividenden im Durchschnitt pro Jahr 38 Prozent zur Gesamtrendite von Aktienanlagen beigesteuert haben. Und das die Kurse langfristig deutlich stärker schwanken als die Dividenden, stabilisieren letztere das Anlagedepot. Der 38-prozentige Renditebeitrag europäischer Aktien zeigt zudem, dass europäische Unternehmen besonders ausschüttungsfreudig sind. In Nordamerika liegt dieser Dividendenbeitrag bei 29 und im asiatisch-pazifischen Raum bei 32 Prozent.

Mit Dividenden mehr Stabilität im Depot

Aktien von Unternehmen, die eine aktive Dividendenpolitik verfolgen, zeigen sich immer wieder als Stabilitätsanker für Anleger an der Börse. So schwankten etwa die Unternehmensgewinne im breiten US-Aktienindex S&P 500 im vergangenen Jahrzehnt pro Jahr im Durchschnitt um 27 Prozent während die Dividenden lediglich um drei Prozent pro Jahr abwichen. Zudem stehen Unternehmen mit hoher Dividendenrendite in der Regel finanziell solide da, verfügen über viel Eigenkapital und stabile Einnahmen. Aber welche Unternehmen genau versprechen Anlegern die höchsten Renditen aus Dividendenzahlungen? Um das herauszufinden, hat die WirtschaftsWoche die durchschnittlichen Analystenschätzungen zu den Dividenden der europäischen und deutschen Top-Aktien durchforstet. Die prognostizierten Dividenden haben wir ins Verhältnis zum aktuellen Börsenkurs gesetzt. Unsere Charts zeigen: Treffen die Analystenschätzungen im Durchschnitt zu, sind bei den Top-Ten-Zahlern im Dax Dividendenrenditen von mehr als 3,5 Prozent und im EuroStoxx50 sogar von mehr als 5,5 Prozent drin – immer gemessen am Kurs vom 15. Januar. Wer eine Aktie billiger kauft, hat eine entsprechend höhere Rendite, wer teurer kauft, eine niedrigere.

Die höchsten Dividenden im EuroStoxx50

Beim Blick auf die Spitzenreiter im EuroStoxx50 fällt auf: Banken sind überproportional vertreten. Unter den zehn Top-Dividendenzahlern sind allein sechs europäische Großbanken. Dazu passt, dass sich Banken wie UniCredit nach einer jahrelangen Konsolidierungs- und Umstrukturierungsphase im Anschluss an die Finanzkrise ab 2008 endlich wieder solide genug aufgestellt sehen, um die Dividenden zu erhöhen. Eine deutsche Bank ist allerdings nicht darunter. Die Deutsche Bank hofft zwar auch, nach ihrer Umstrukturierung ab 2022 wieder fünf Milliarden Euro für Aktienrückkäufe und Dividenden aufbringen zu können, aber bis dahin wird es keine Ausschüttungen geben.

Uneinheitliche Dividendenregeln in Europa

Die Aktien, die im Dax für die höchsten Dividendenrenditen prädestiniert sind, ergeben ein gemischteres Bild. So ist in den Top-Ten die Chemiebranche dreimal sowie die Autohersteller und Versicherungsbranche je zweimal vertreten. Insgesamt fallen die Dividendenrenditen jedoch etwas geringer aus als im EuroStoxx50. Deutlich mehr Rendite als festverzinsliche Geldanlagen bieten sie jedoch allemal.

Diese Dividenden dürfen Dax-Anleger erwarten

Übrigens: Um die Dividende für eine Dax-Aktie zu bekommen, müssen Anleger das Papier am Tag vor der Hauptversammlung des Unternehmens im Depot haben. Die Ausschüttung erfolgt in der Regel drei Bankarbeitstage nach der Aktionärsversammlung, die die Dividende erst genehmigen muss. In den übrigen europäischen Ländern gelten andere Regeln, oft müssen die Aktien weit früher ins Depot gebucht worden sein und die Ausschüttung erfolgt deutlich später nach der Hauptversammlung oder zu einem Stichtag. Das sollten Anleger im Einzelfall prüfen.

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