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Star-Investor Marc Faber "Tesla kann auf null fallen"

Der berühmte Investor Marc Faber rechnet mit einem Absturz des S&P 500 und dem Ende des Elektroauto-Pioniers Tesla. Er hat schon oft richtig gelegen.

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Das Rekordhoch an der Wall Street ist für Faber vor allem eine Folge der ungezügelten Gelddruckerei der Notenbanken. Quelle: Egill Bjarki für WirtschaftsWoche

Und monatlich grüßt das Murmeltier. Jeden Monat, nachdem er seinen „Gloom, Boom & Doom Report“, fertiggestellt hat, ist der berühmte Investor Marc Faber gefragter Interviewpartner im Börsenprogramm von CNBC. So auch wieder vor einigen Tagen.

Das Rekordhoch an der Wall Street ist für Faber vor allem eine Folge der ungezügelten Gelddruckerei der Notenbanken. Aktuell sei das nicht an erster Stelle die US-Notenbank Fed, sondern die Europäische Zentralbank, die Bank of Japan und die Bank of England. Die von den Notenbanken geschaffene Liquidität kreise um die Welt und treibe mal hier mal dort die Vermögenspreise in die Höhe. „Wenn Geld gedruckt wird, geht immer irgendwas im Preis nach oben“, sagt Faber. Das betreffe nicht nur die Aktienmärkte. So seien in diesem Jahr etwa Edelmetalle stark gestiegen, Gold um 27 Prozent, Silber um 46 Prozent, Minenaktien gar um mehr als 100 Prozent. Mit seiner Prognose vom Jahresende 2015, dass Minenaktien aus dem Stand 100 Prozent zulegen können, landete Faber übrigens wieder einen Volltreffer.

Selbst seine schärfsten Kritiker müssen in der Rückschau zugeben, dass er mit seinen Marktprognosen oft richtig lag. So warnte Faber 1987 seine Kunden rechtzeitig vor dem Schwarzen Montag an der Wall Street, er sagte das Platzen der japanischen Blase im Jahr 1990 ebenso korrekt voraus wie den Zusammenbruch der US-Casinoaktien 1993 und die Asienkrise von 1997/98.

Das ist der neue Tesla-Masterplan

Zu früh war Faber mit der Warnung vor dem Platzen der Technologieblase. Das sagt er selbst. Er riet schon zum Ausstieg, bevor es an Nasdaq und Neuen Markt erst richtig losging nach oben. Aber wer Fabers Rat folgte, hat später nichts verloren und kam auch ungeschoren durch die 2007 ausbrechende globale Schuldenkrise. Und als im März 2009 niemand Aktien haben wollte, riet ausgerechnet „Dr. Doom“ allein auf weiter Flur in einem Bloomberg-Interview zum Einstieg in den Aktienmarkt. Der US-Aktienindex S&P 500 legte seither um mehr als 220 Prozent zu. Es sei ja schön, akademisch zu argumentieren, aber man müsse auch praktisch handeln, sagte Faber damals. Er sei schließlich Anleger.

Aktuell halte er Aktien, Anleihen, Cash, Edelmetalle und Immobilien. Regional bevorzugt Faber Anlagen in Schwellenländern. Etwa 40 Prozent seines Portfolios seien dort investiert. Aktienanlegern empfiehlt er, den Fokus auf Schwellenländeraktien zu legen. Diese seien seit 2011 schlechter gelaufen als US-Aktien. Doch die lange Phase relativer Schwäche endete in diesem Jahr. Inzwischen laufen Schwellenländeraktien besser als US-Aktien. Auch absolut legen die Kurse zu. In Dollar gerechnet liegt etwa die Börse Sao Paulo seit Jahresanfang 65 Prozent vorne, Moskau, Bangkok und Manila rückten jeweils um mehr als 22 Prozent vor.

Absicherung gegen den Börseneinbruch

Eine Folge der exzessiven Liquiditätsschaffung der Notenbanken sei eine höhere Volatilität an den Märkten. Faber hält einen Einbruch des S&P 500 um 40 Prozent für denkbar. Warum das passieren könne, wisse man nie so genau, sagt Faber. Fakt sei aber, dass der Kursanstieg des S&P 500 vor allem getrieben wurde durch Aktienrückkäufe, Übernahmen und Fusionen. Es sei ja nicht so, dass alle Aktien auf neue Höchststände gestiegen sind. Im Gegenteil. Stark sei nur eine kleine Gruppe von Aktien.

Die schwärzesten Tage der Börsengeschichte
19. Oktober 1987 – der „Schwarze Montag” Quelle: dpa
16. Oktober 1989 – der Dax-Absturz Quelle: AP
23. Mai 1995 – die Asien-Krise Quelle: REUTERS
6. Oktober 2008 – das Lehman-Beben Quelle: dpa
Griechische Flagge Quelle: dpa
24. August 2015 – ein neuer China-Crash Quelle: dpa
07. Januar 2016 – und wieder ein Drachen-Kursbeben Quelle: dpa

Wie sich ein Normalanleger vor einem scharfen Kurseinbruch schützen könne, will der CNBC-Moderator wissen. Faber: „Ein Investor mit starken Nerven, der nachts immer gut schlafen kann, kann sein Portfolio absichern, indem er Short geht in überbewertete Einzelaktien“. Gefragt nach einem geeigneten Shortkandidaten nennt Faber die Aktie des Elektroauto-Pioniers Tesla. Die Aktie könne gar auf null fallen. Faber schiebt die Begründung nach: „Batteriebetriebene Autos können Mercedes, BMW, Toyota oder Nissan vermutlich besser und zu tieferen Kosten herstellen.“

Aktuell sei dieser Markt für die großen Automobilhersteller aber noch nicht groß genug. Wenn der Markt aber eine gewisse Größe erreicht habe, dann hat es Tesla plötzlich mit einer Menge Wettbewerber zu tun. Wer sich traut, die Idee Fabers umzusetzen, dem bietet ein Shortzertifikat mit zweifachem Hebel auf die Tesla-Aktie die Chance dazu (ISIN DE000CR51Y23, Kurs/Stoppkurs: 4,41/2,85 Euro).

Eine solche Short-Spekulation kann durchaus aufgehen. Ende August 2015 hatte die WirtschaftsWoche bereits eine Short-Zertifikat auf die Tesla-Aktie empfohlen (Ausgabe 36/2015). Binnen sechs Monaten stieg dieses dann um 150 Prozent, bevor sich Teslas Aktienkurs vorerst wieder erholte. Heute notiert das Zertifikat 50 Prozent im Minus. Das richtige Timing und der rechtzeitige Ausstieg spielen daher eine große Rolle.

Faber warnt aber davor, ein zu großes Rad zu drehen beim Shorten einzelner Aktien. Tesla sei eine sehr volatile Aktie. Eine alternative Absicherung gegen einen Börseneinbruch präsentiert Faber auch: US-Staatsanleihen. Sollte die US-Börse einbrechen, dann werde das Geld sofort abgezogen aus Aktien und in US-Staatsanleihen geparkt. Das sorgte dort für eine Kursrally. Als Investment seien US-Staatsanleihen zwar nicht sonderlich attraktiv, aber im Vergleich zu Cash und anderen Staatsanleihen eben schon. In Europa wiesen inzwischen Staatsanleihen im Volumen von 12.000 Milliarden Dollar negative Renditen auf. Faber: „Ich kaufe lieber eine zehnjährigen US-Staatsanleihe mit 1,58 Prozent Rendite als eine eidgenössische mit negativer Rendite.“

Jeff Gundlach, Chef des Vermögensverwalters DoubleLine Capital, meine zwar, man solle alles verkaufen. Nur dann stünden Anleger vor der Frage: „Was mache ich jetzt mit dem Cash?“ Bringt man es auf die Bank, ist das Geld futsch, wenn die Bank Bankrott geht. Und wenn die Notenbanken weiter Geld drucken wie verrückt, schwächt das auf Dauer dessen Kaufkraft. Anleger seien besser beraten mit einem diversifizierten Portfolio, sagt Faber.

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