Steinhoff Banken müssen um viele Milliarden Euro zittern

Nach dem Kurssturz der Steinhoff-Aktie und dem Abgang des Vorstandschefs Markus Jooste tagen am kommenden Montag die Banken. Sie haben dem schwankenden Möbelriesen insgesamt 18 Milliarden Euro geliehen.

In mehreren Ad-hoc-Meldungen hatte der Konzern ab Mittwoch Investoren davor gewarnt, mit Aktien des eigenen Konzerns zu handeln. Quelle: dpa

Die Chaostage sind für den im MDax notierten Steinhoff-Konzern noch lange nicht zu Ende. Nachdem der Aktien-Kurs binnen drei Tagen um 80 Prozent eingestürzt ist, müssen nun auch die Banken um ihre Kredite fürchten. Laut dem letzten Halbjahresbericht haben sie dem Konzern 12,1 Milliarden Euro langlaufende Kredite und weitere 5,9 Milliarden Euro kurzlaufende Darlehen gewährt. Doch das könnte noch nicht alles gewesen sein. Denn Steinhoff hatte auch eine größere Zahl von Beteiligungen und Engagements, die nicht im Abschluss stehen.

Der Steinhoff-Konzern mit einem erwarteten Jahresumsatz von 13,5 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2015/16 und erwarteten 20 Milliarden Euro Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr musste am Mittwoch die Bekanntgabe seiner Jahreszahlen absagen, weil die Wirtschaftsprüfer sie nicht testieren wollten. Der langjährige Vorstandschef Markus Jooste trat zurück. Die Aktie, die zuvor noch rund drei Euro wert war, ist jetzt nur noch ein Penny-Stock.

„Die Firmenkonstrukte jenseits des konsolidierten Abschlusses sind die große Unbekannte“, sagte Fondsmanager Adrian Savill von Cannon Asset Managers der Nachrichtenagentur Bloomberg. Vor allem die kurzlaufenden Darlehen könnten platzen, wenn Geschäfte zusammenbrechen. Der Steinhoff-Konzern besteht aus einem riesigen Firmengeflecht mit unzähligen Zwischengesellschaften, Investmentfirmen und Minderheitsbeteiligungen. Dem Handelsblatt hatte Jooste in einem Interview gesagt, er verstehe sich als „Bilanzen-Manager“, nicht als einer, der die Geschäfte führt.

In mehreren Ad-hoc-Meldungen hatte der Konzern ab Mittwoch Investoren davor gewarnt, mit Aktien des eigenen Konzerns zu handeln. Wirtschaftsprüfer von PwC seien hinzugerufen worden, um das gesamte Zahlenwerk zu überprüfen. Der Konzern kündigte an, dass möglicherweise auch ältere, bereits testierte Abschlüsse neu aufgestellt werden müssten.

Vorstandschef Jooste hatte den Konzern 20 Jahre lang geleitet und den von Bruno Steinhoff gegründeten Möbelhandel aus Westerstede zu einem Weltkonzern gemacht, zu dem Ketten wie die deutsche Möbelkette Poco, die österreichischen Möbelketten Kika/Leiner, der französische Möbelriese Conforama und zuletzt auch die US-Matratzenkette First Matress gehören. Steinhoff war unter Jooste zuerst in Johannesburg an die Börse gegangen, vor zwei Jahren folgte der Börsengang in Frankfurt.

Wie aus dem letzten testierten Geschäftsbericht von 2015/16 hervorgeht, hat Steinhoff in dem Jahr allein für den Zukauf des US-Matratzenherstellers First Matress vier Milliarden Euro Schulden aufgenommen. Über eine neu begebene Wandelanleihe flossen dem Konzern weitere 1,1 Milliarden Euro zu. Außerdem handelte Steinhoff einen Brückenkredit über 680 Millionen Euro aus. Für die britische Billigkette Poundland machte der Konzern Kredite in Höhe von 460 Millionen britischen Pfund locker. Ergibt neue Kreditaufnahmen in Höhe von rund sechs Milliarden Euro in einem einzigen Geschäftsjahr. Weitere 2,9 Milliarden Euro haben die Banken zu besseren Konditionen refinanziert.

Bei dem Bankentreffen am Montag wird es nach Informationen von Bloomberg um die vier Milliarden Euro für das US-Geschäft und die 2,9 Milliarden Euro schwere Refinanzierung gehen. Steinhoff gab dazu keine Stellungnahme ab.

Mit in den Strudel könnten auch Darlehen geraten, die Steinhoff-Großaktionär Christo Wiese für seine eigenen Investmentvehikel aufgenommen hat. Sie waren mit 628 Millionen Steinhoff-Aktien besichert. Deren Wert ist binnen eines Monats von 2,2 Milliarden Euro auf 365 Millionen Euro gesunken. Ob diese Darlehen in Teilen bereits zurückgeführt sind, ist unbekannt. Die Kredite sollten den Kauf von Matress Firm und Poundland ermöglichen. Der 76-jährige Wiese hat provisorisch die Geschäftsführung des Konzerns übernommen.

Zu den Geldgebern der Steinhoff-Gruppe gehören internationale Großbanken wie Nomura, Citigroup, HSBC oder Goldman Sachs. Auch die Commerzbank hat dem MDax-Mitglied Geld geliehen. In einer Ad-hoc-Mitteilung hatte Steinhoff bekannt gegeben, er wolle Randgeschäfte verkaufen und seine Einzelhandelstochter Star günstiger refinanzieren. Damit hofft er insgesamt drei Milliarden Euro locker zu machen. Eine weitere Bankensitzung ist für den 19. Dezember anberaumt.

Mit Material von Bloomberg.

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