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Stelter strategisch

Oktober - der Monat mit erhöhtem Crash-Risiko

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An US-Staatsanleihen orientiert sich die Weltfinanz

Die US-Staatsanleihen definieren so etwas wie den Spareckzins für das Weltfinanzsystem:

·         Anleihen werden relativ zu Aktien attraktiver, was die Bewertung von Aktien tendenziell drückt.
·         Die Zinskosten für Unternehmen steigen, was zu geringeren Gewinnen führt. Auch dies spricht für tiefere Aktienkurse.
·         Die höher verschuldeten Unternehmen kommen zusätzlich unter Druck, weil die Zinskosten stärker steigen als das allgemeine Zinsniveau. Das Risiko schlägt sich in höheren Spreads (also Aufschlägen gegenüber den Staatsanleihen) nieder.
·         Spekulation auf Kredit lohnt sich weniger. Dies bringt alle Käufer auf Kredit unter Druck. Sei dies an den Börsen (Wertpapierkredite) oder an den Immobilienmärkten (Hypotheken). Folge ist ein zunehmender Verkaufsdruck, der sich – wie immer wieder anhand der Logik von Margin Calls an dieser Stelle erläutert – rasch in einem deutlichen Einbruch an den Märkten entladen kann.
·         Die Nachfrage in der Wirtschaft geht zurück. Unternehmen und Konsumenten schränken ihre Ausgaben ein. In der Folge sinken die Gewinne der Unternehmen weiter, die Aktien kommen unter Druck.
·         Dies alles gilt nicht nur für die USA, sondern für die Weltwirtschaft. Überall kommen Schuldner unter Druck, vor allem jene, die den Fehler gemacht haben, sich auch noch in US-Dollar zu verschulden. Sie werden doppelt in die Zange genommen, von steigenden Zinsen und einem teureren US-Dollar. Türkei und Argentinien genügen als Stichworte. 

Dünne Aufwärtsbewegung, gestiegene Risiken

Insofern überrascht es nicht, dass der Aufschwung an der US-Börse zunehmend dünner wird. Der Markt beginnt die Rezession zu riechen. Noch immer haben die Zinserhöhungen der Fed zu Rezession, Baisse und Schwellenländerkrise geführt. Hinzu kommt, dass der Blick auf das Zinsniveau alleine keinen vollständigen Eindruck der Liquiditätsverknappung durch die Fed gibt. Wenig beachtet wird, dass die Fed schon seit Monaten dabei ist, den Bestand an aufgekauften Wertpapieren zu reduzieren. Ab Oktober strebt sie an immerhin 50 Milliarden US-Dollar pro Monat abzubauen. Damit verknappt sich die Liquidität mehr als in früheren Zinserhöhungszyklen, die in zehn der letzten 13 Fälle eine Rezession zur Folge hatten, in den übrigen Fällen eine Schwellenländerkrise. Diesmal vielleicht beides? 

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    2007 hatten wir eine ähnliche Situation. Die Zinsen stiegen auf das Niveau des langfristigen Abwärtstrends. Die Börse zeigte sich davon vorerst unbeeindruckt und stieg weiter. Wenig später hatten wir Finanzkrise und Rezession. Nun bedeutet dies nicht, dass es diesmal genauso sein muss. Vieles spricht aber dafür, dass die Risiken deutlich gestiegen sind: 

    ·         Zum einen die bereits diskutierte fehlende Breite der letzten Aufwärtsentwicklung. Immer ein klares Zeichen für technische Schwäche.
    ·         Spiegelbildlich sind viele Aktien in den USA schon deutlich im Minus.
    ·         Das zeigt sich auch am Volumen der gehandelten Aktien. Erhebliche Volumina führen nur zu kleinen Zugewinnen, was ein Zeichen dafür ist, dass es erhebliche Abgabebereitschaft gibt.
    ·         Die US-Börse ist – wie gezeigt – recht einsam mit der Performance in diesem Jahr. Auch der Anstieg seit 2009 war mit über 300 Prozent deutlich über dem Niveau der anderen Märkte in Europa und in Asien.
    ·         Die US-Märkte bleiben teuer, sowohl gemessen am CAPE-Ratio wie auch am Umsatzmultiple des S&P 500.
    ·         Amerika ist vorerst das einzige Land, in dem die Zinsen wirklich steigen.
    ·         Zugleich scheint der Wirtschaftsaufschwung mittlerweile zu Knappheit an den Arbeitsmärkten und damit höheren Löhnen und Inflationsraten zu führen.
    ·         Die US-Konsumenten sind so optimistisch wie seit 1999 nicht mehr. Immer wenn der Optimismus besonders groß war, dauert es nicht mehr lange bis zum Einbruch.
    ·         Während die Unternehmens-Insider, also Mitglieder des Managements im Rekordvolumen Aktien verkaufen. 

    In den letzten Tagen kam die US-Börse schon deutlich unter Druck. Die Volatilität ist wieder erheblich gestiegen. Leicht möglich, dass mehr Investoren kalte Füße bekommen, was wiederum den Abwärtstrend beschleunigt. Durch die hohe Verschuldung im System kann es keinen langsamen Kursrückgang geben. Wenn es rutscht, dann schnell. 

    1987 und 1929 brauchte es keinen exogenen Schock für einen Crash. Diesmal gäbe es genügend mögliche Auslöser. So oder so bin ich froh, wenn der Oktober vorbei ist.

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