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Ausgaben werden gesteigert

In diesen Inflationsdruck hinein steigern die Staaten ihre Ausgaben. In Europa, weil sie vom Sparen der vergangenen Jahre genug haben (wobei die Krisenländer nicht wirklich gespart haben, sie haben nur langsamer Kredite aufgenommen), in Deutschland, weil die auf 53 Prozent geschrumpfte Groko sich die Zustimmung der nicht-steuerzahlenden Mehrheit der Gesellschaft durch soziale Wohltaten (zu Lasten der steuerzahlenden) erkauft und in den USA, weil Donald Trump mit einem Infrastrukturprogramm die USA tatsächlich aus der Eiszeit bomben will, wie hier prophezeit.

Auf der anderen Seite integrieren sich immer mehr Länder in den globalen Arbeitsmarkt, die Lebensarbeitszeiten nehmen zu, wie auch die Erwerbsbeteiligung der Frauen. Nicht zu vergessen die Automatisierungsrevolution, die viele Arbeitsplätze vernichten wird. Es ist also keineswegs ausgemacht, dass die derzeitigen Knappheitssymptome von Dauer sind. Gut möglich, dass sie nur den Wendepunkt der Erholung seit 2009 markieren.

Boden weg unter Märkten und Schuldenturm

Persönlich neige ich zur Auffassung, dass die Rückkehr der Inflation ein vorrübergehendes Phänomen ist. Für eine wirkliche Inflationswelle müsste das Vertrauen in die Geldordnung zerrüttet werden. Anzeichen dafür gibt es reichlich, allerdings dürfte es noch nicht so weit sein.


Diese US-Aktien trifft der Crash am stärksten


Dennoch werden die Inflationsdaten und damit die Zinsen in den kommenden Monaten nach oben gehen. Damit einhergehend wird sich die Lage an allen Märkten, die vom billigen Geld abhängen, verschärfen - von Unternehmensanleihen über Aktien bis hin zu Immobilien und Kunst. Die Vermögenswerte weltweit werden unter dem zunehmenden Druck auf die Schuldner leiden. Pleiten wie Steinhoff und Carillion könnten da nur die berühmten Kanarienvögel in der Kohlemine sein.

Erreichen wir die drei Prozent im US-Treasury? Vermutlich. Übersteigen wir die drei Prozent? Denkbar. Wäre das die Zinswende und wir befinden uns auf dem Weg zurück in die „Normalität“ von fünf bis sechs Prozent? Schwer vorstellbar in einer Welt, die noch nie so hoch geleveraged war wie die unsere. Schuldentürme und Vermögensblasen hängen am tiefen Zins. So einfach kommen wir da nicht heraus.

Drei Prozent und zurück

Steigende Zinsen tragen den Keim der Zinssenkung in sich. Je höher der Leverage einer Wirtschaft, desto geringer die Toleranz für einen Zinsanstieg. Spielen die Märkte Zinsanstieg, ist es nur eine Frage der Zeit bis zum Crash. An Börsen und in der Realwirtschaft. Beides würde erneut die Notenbanken auf den Plan rufen, zu einer wohl letzten Runde der Systemrettung. Nullzinsen für alle lautet dann das Programm.

Müßig zu sagen, dass die endgültige Zerrüttung des Geldsystems der logische nächste Schritt ist. Wenn 2007 ein Anstieg des Zinses für zehnjährige US-Staatsanleihen auf fünf Prozent zu viel war und heute bei 2,7 Prozent Schluss ist, dann braucht man nicht viel Phantasie um vorherzusagen, dass die Zinsen beim nächsten Mal nicht mehr über Null steigen dürfen. Das Spiel auf Zeit von Staaten und Notenbanken nähert sich dem Endspiel.

Meine Empfehlung für Anleger bleibt unverändert: Risiko rausnehmen.

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