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Stelter strategisch

Bayer-Aktien sind ein Kauf

Daniel Stelter Quelle: Presse
Daniel Stelter Unternehmensberater, Gründer Beyond the Obvious, Kolumnist Zur Kolumnen-Übersicht: Stelter strategisch

Die Aktien von Bayer sind wegen des Versuches Monsanto zu übernehmen, unter Druck. Eine Kaufgelegenheit für jene, die gerne Qualitätsaktien halten.

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Monsanto Bayer Quelle: dpa

Letzte Woche habe ich an dieser Stelle beschrieben, weshalb der Kolumnist sich auf Glatteis begibt, wenn er sich zu einzelnen Aktien zu äußert. Die Gefahr, sich zu irren, ist einfach viel zu groß. Und überhaupt  sind die grundlegenden Entscheidungen der Assetallokation und regionalen Diversifizierung viel relevanter als die Auswahl einzelner Aktien. Aus diesem Grund haben es bisher auch nur drei Einzelwerte in diese Kolumne geschafft. Glencore –

als ein Beispiel für die Rolle von Insidern bei der Bestimmung des IPO-Zeitpunkts und die Rolle übermäßigen Leverages; Shell

als eine Wette auf Ölpreis und Dollar, sowie VW – als Aktie, die man aus grundlegenden Überlegungen nicht haben sollte, weil Governance und Unternehmenskultur in keiner Weise den Ansprüchen von Qualitätsunternehmen entsprechen.

Die größten Deals deutscher Firmen im Ausland
Bayer will Monsanto kaufen Quelle: AP
Bayer AG und Merck & Co Consumer Care Business Quelle: dpa
Eon Quelle: dpa
Eon Quelle: dpa
Linde und BOC Group Quelle: AP
Merck und Sigma-Aldrich Quelle: dpa
Heidelberg Cement Quelle: dapd

Nun also ein weiterer Sündenfall: meine Meinung zu Bayer. Ich muss dazu sagen, dass ich kein kompliziertes Analysemodell gebaut habe, um über die kommenden 20 bis 30 Jahre den Nutzen der Akquisition von Monsanto durchzurechnen. Davon gibt es genügend – und allen ist gemeinsam, dass sie nur den Zufall durch den Irrtum ersetzen.

Ich will versuchen, mich aus einem anderen Blickwinkel zu nähern. Seit Ankündigung der Kaufabsichten hat die Bayer-Aktie immerhin über zehn Prozent verloren. Damit könnte es sich lohnen, einen Blick auf die Aktie zu werfen. Es könnte nämlich gut sein, dass es auf diesem Niveau mehr Chancen als Risiken gibt.

Da ist zunächst die Möglichkeit, dass der Deal gar nicht zustande kommt. Damit wäre die Last von der Bayer Aktie genommen, die Risiken wären beseitigt. Was bleiben könnte, wäre ein temporärer Imageschaden für das Management-Team um den neuen Vorstandschef Werner Baumann. Doch der wäre nur vorübergehend, vor allem dann, wenn das Bayer Management selbst zu dem Schluss kommt, eine weitere Erhöhung des Kaufpreises von Monsanto würde den Rahmen sprengen, und von dem Deal Abstand nimmt. Auf jeden Fall sollte die Bayer Aktie dann wieder zu den ursprünglichen Bewertungsniveaus zurückfinden.

Ebenfalls denkbar ist, dass ein Wettbewerber von Bayer daran denkt, die temporäre Schwäche der Aktie für einen Angriff zu nutzen. Nach dem gelungenen Konzernumbau der vergangenen zehn Jahre sind viele Teile von Bayer attraktiv und wären gerade auch angesichts des tiefen Zinsniveaus und des Anlagenotstandes leicht an andere weiterzureichen. Das bisherige Haupthindernis aus Sicht von Käufern aus dem Lifescience-Bereich, die Kunsstoffsparte, wurde bereits im vorigen Jahr unter dem Namen Covestro an die Börse gebracht. Der Pharmabereich und der Pflanzenschutz, den Bayer nun mit der Transaktion stärken möchte, wären auch aus Sicht anderer Unternehmen potenziell interessant. Damit gibt es für die Aktie einen natürlichen Boden. Anders als in der großen Krise um das Medikament Lipobay vor 15 Jahren, gibt es keine unbekannten Risiken für die Käufer, was der Aktie ein gutes Netz verschafft.

Kein Vergleich zur Daimler-Chrysler-Übernahme

Doch selbst wenn der Deal zustande kommt, spricht einiges für die Aktie. Zwar wird – gerade in Deutschland – immer wieder der Vergleich mit der Daimler/Chrysler-Übernahme ins Feld geführt. Dieser hinkt jedoch erheblich. Zum einen hat die strategische Logik bei den Stuttgartern nicht gestimmt (Premiumanspruch hier, Kostenfokus dort), zum anderen wurde Chrysler schlichtweg nicht integriert, was an den minimalen Synergien sichtbar wurde.

Bei Bayer/Monsanto dürfte das ganz anders sein. Es handelt sich nicht um Konsumprodukte mit unterschiedlicher Positionierung, sondern um komplementäre Technologien. Hier lassen sich Synergien viel leichter heben. Das einzige, was problematisch ist, ist die Tatsache, dass es sich hier wieder um ein US-Unternehmen handelt, welches gekauft wird. Getrost darf man davon ausgehen, dass wenn der Deal zustande kommt, die Bewertung stattlich und die ungehobenen Potenziale gering sind. Diese Erfahrung mussten nicht nur deutsche Unternehmen in der Vergangenheit machen.

Die Aktien der Agrarchemie-Riesen

Bleibt die Frage der Finanzierung. Es ist nicht das erste Mal in den vergangenen 15 Jahren, dass beim Konzernumbau von Bayer mit viel Fremdkapital gearbeitet wurde. Mehrere Übernahmen waren nur mit umfangreicher Finanzierung möglich – und sind gelungen. Die Vermutung dürfte nicht falsch sein, dass die hohe Verschuldung nach der Transaktion die anhaltende Effizienz der Mittelverwendung im Bayer-Konzern fördert. Befürchtungen, der Konzern könne deshalb an Forschung und Entwicklung und damit an der Zukunft sparen, decken sich nicht mit der Erfahrung der letzten Jahre.

Finanziert wird zu Zinsen, die noch vor wenigen Jahren als absolut undenkbar erschienen. Gelingt den Zentralbanken die gewünschte Inflationierung, sind die Schulden bald entwertet. Gelingt sie nicht, werden die Zinsen noch auf Jahre hinaus auf diesem tiefen Niveau verharren. In beiden Fällen droht Bayer keine Gefahr. Und sollte es wider Erwarten doch zu finanziellen Engpässen kommen, findet sich sicherlich eine Möglichkeit über Umstrukturierungen des Portfolios die Schulden abzubauen.

Bayer nutzt die momentane Schwäche von Monsanto und die Geldschwemme der EZB zu einem ganz großen Schritt – der weitaus weniger Risiken birgt als die Schlagzeilen vermuten lassen. Vor allem: wann, wenn nicht jetzt, sollte Bayer das machen? Pflanzenschutz ist ein recht stabiles Geschäft mit guten Wachstumsaussichten, was zur Zeit passiert ist die letzte Runde in der globalen Konsolidierung und wer hier gewinnt, hat die Aussicht auf ein stabiles Oligopol. Ein Blick auf den Markt der Industriegase genügt, um zu sehen wie attraktiv ein solcher Markt ist.

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