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Stelter strategisch
USA: Der Börsenboom ist vorbei Quelle: imago

Das letzte Hurra

Daniel Stelter Quelle: Presse
Daniel Stelter Unternehmensberater, Gründer Beyond the Obvious, Kolumnist Zur Kolumnen-Übersicht: Stelter strategisch

Der Aufschwung an der US-Börse basiert auf immer weniger Aktien. Die Weltmärkte haben sich schon lange vom amerikanischen Markt abgekoppelt. Bald dürften auch die USA dem Welt-Trend nach unten folgen.

Nach Apple ist es nun auch Amazon gelungen, die magische Marke von 1000 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung zu durchbrechen. Beeindruckende Werte, die als solches nichts darüber aussagen, ob Apple und Amazon nun teuer oder billig sind. Unzweifelhaft sind beide Unternehmen hochgradig erfolgreich. Unzweifelhaft prägen sie dabei die Märkte, in denen sie tätig sind, nachhaltig. Apple ist sicherlich mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis in der Größenordnung von rund 17 und gigantischen Cash-Beständen anders zu beurteilen als Amazon, die fast keinen Gewinn ausweisen und bei erheblichen Investitionen mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von weit über 100 notieren.

Beide gehören zur Gruppe der FAANGS, die wie ich bereits mehrfach an dieser Stelle diskutiert habe, einen immer größeren Anteil am Aufschwung an den Märkten haben.

FAANGS alleine zuhause

Während der Dow-Jones-Index und der breitere NYSE Composite Index, der 2000 Werte umfasst, noch deutlich unter ihren Höchstständen vom Jahresanfang notieren, liegen die spekulativere Technologiebörse Nasdaq und der S&P 500 auf neuen Höchstständen. Allerdings ist dies keine breite Aufwärtsbewegung, sondern eine Entwicklung, die von immer weniger Werten abhängt. So stehen hinter dem Rekord im S&P 500 vor allem sechs Aktien: Facebook, Apple, Amazon, Netflix, Microsoft und Google (Alphabet). Immerhin ein Drittel der Kursgewinne seit dem Tief vom Februar gehen auf diese Werte zurück. Beim Nasdaq ist die Entwicklung noch extremer. Nach Daten von Bloomberg haben alleine Amazon, Apple, Netflix und Google einen Anteil von 48 Prozent am Durchbruch über 8000 Punkte.

Damit hat die Marktbreite des Aufschwungs, ohnehin schon seit Monaten rückläufig, noch weiter abgenommen. Ein eindeutiges und überzeugendes Warnsignal.

Am 26. Januar, als der S&P 500 den letzten Höchststand vermeldete, notierten immerhin 25 Prozent der im Index enthaltenen Aktien auf neuen Höchstständen. Am 24. August, als der Index den Höchststand vom Januar erstmals übertraf, verzeichneten nur acht Prozent der Indexaktien neue Rekorde. Der breite Markt hat sich schon lange vom Bullen verabschiedet, während immer weniger Aktien den Markt noch auf neue Indexhöchststände treiben.

Technologiewerte fallen zuletzt

Schon in der Vergangenheit waren es die spekulativeren Märkte und Aktien, die am Ende des Aufschwungs an der Börse noch einmal richtig Gas gaben:

- In den 1960er Jahren erreichte der Dow Jones im Jahre 1966 den Höchststand, der Vorläufer der Nasdaq, der OTC-Index („Over the counter“, steht für kleinere und spekulativere Aktien) erst im Jahre 1969. Kurz danach ging es deutlich nach unten.

- Im Jahre 2000 dauerte es nicht mehr so lange. Die Nasdaq stieg noch bis Mitte März, während der Dow Jones schon im Januar den Höchststand erreichte.

- 2007 war es ähnlich: Während Dow und S&P am 11. Oktober die Höchststände verzeichneten, war das bei der Nasdaq 20 Tage später der Fall.

Natürlich kann man auf dieser Basis keine zeitlichen Prognosen abgeben, doch zumindest die deutliche Warnung, dass wir uns rasch einem dramatischen Wendepunkt nähern könnten. Dramatisch, weil wir es angetrieben vom billigen Geld der Notenbanken mit einer Blase zu tun haben. Die hat faktisch alle Vermögensmärkte erfasst, wenngleich einige bereits in die Baisse abgetaucht sind, wie beispielsweise die Schwellenländer, die mit einem Minus von über 20 Prozent gegenüber den Höchstständen nun auch ganz offiziell im Bärenmarkt sind.

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