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Stelter strategisch
Oktober - der Monat mit erhöhtem Crash-Risiko an der Börse Quelle: imago

Oktober - der Monat mit erhöhtem Crash-Risiko

Daniel Stelter Quelle: Presse
Daniel Stelter Unternehmensberater, Gründer Beyond the Obvious, Kolumnist Zur Kolumnen-Übersicht: Stelter strategisch

"Oktober. Dies ist einer der besonders gefährlichen Monate, um am Aktienmarkt zu spekulieren. Die anderen sind Juli, Januar, September, April, November, Mai, März, Juni, Dezember, August, und Februar.“ Trotz dieser Erkenntnis von Mark Twain dürften nicht wenige Anleger froh sein, wenn der Oktober, traditionell der Monat mit der höchsten Volatilität an den Börsen, in drei Wochen vorbei ist.

Könnte ich Crashs vorhersagen, würde ich nicht diese Kolumne schreiben, sondern stattdessen in einem warmen Steuerparadies von meinen Spekulationsgewinnen leben. Es gehört neben der richtigen Analyse immer auch ein Quäntchen Glück dazu, nicht nur den Kurseinbruch richtig vorherzusagen, sondern auch noch den genauen Zeitpunkt. In meinem letzten Artikel habe ich ausführlich erläutert, dass es allemal besser ist, sich auf unterbewertete und unbeliebte Märkte zu konzentrieren, statt auf einen Einbruch am populären Markt zu wetten. Passendes Beispiel ist meine viel zu früh ausgesprochene Warnung vor den FAANGs. Wohl dem, der auf meine Prognose nicht gehört hat. Er liegt, allen zwischenzeitlichen Einbrüchen zum Trotz 2018 klar im Plus. 

Alles hängt an den USA 

Womit wir erneut bei der vorläufigen Bilanz des Jahres 2018 wären: 

·         S&P 500: + 8%
·         Nikkei: +4,5%
·         Euro Stoxx 50: - 4,5%
·         Dax: - 6,2%
·         Shanghai: -17%
·         Gold: - 8,1% 

Während der Nikkei Hoffnung macht, den jahrzehntelangen Niedergang seit 1990 hinter sich zu lassen und Japan immer noch zu den attraktivsten und billigsten Märkten gehört, ist die Lage in den USA eine andere: ein Markt, getrieben von immer weniger Werten, hoch bewertet, hoch geleveragt (hohe Verschuldung der Unternehmen und hohe Verschuldung der Spekulanten) und gerade mittendrin in einer vielleicht historischen Zinswende. 

Wenn man auf einen Crash setzen sollte, dann wäre es wohl eindeutig an der Wall Street. Das denke nicht nur ich, das schreiben sogar seriöse Adressen wie Goldman Sachs. Deren „Bear Market Probability Model“, welches 1999 und 2007 gut funktioniert hat, liegt mit 80% deutlich über den damaligen Werten. Nur in den 1960er Jahren wurden noch höhere Zahlen erreicht. Was folgte war die Baisse der 1970er Jahre, die Aktien in den USA und weltweit so billig machte, wie schon lange nicht mehr. Man muss kein Schwarzmaler sein, um zu der Schlussfolgerung zu kommen, die Wall Street zu meiden. 

Die magischen drei Prozent 

Dies vor allem vor dem Hintergrund der sich immer deutlicher abzeichnenden Zinswende in den USA. Immer wieder war ich an dieser Stelle skeptisch mit Blick auf das Ausmaß der Zinserhöhung. Meine Logik war und ist dabei eine einfache. Eine so hoch verschuldete Wirtschaft verkraftet keine höheren Zinsen, ohne in eine schwere Rezession zu stürzen. Einem derart fragilen Finanzsystem droht eine Finanzkrise, die jene der Jahre 2008 fortfolgende noch in den Schatten stellt. Nach dem Motto, es kann nicht sein, was nicht sein darf. 

Als magische Hürde wurde von Marktbeobachtern und Charttechnikern ein Satz von über drei Prozent für die zehnjährige US-Staatsanleihe (US-Treasury) genannt. Ab diesem Punkt würde es kritisch. Lange sah es für mich so aus, als ob diese Hürde hielte, vor allem weil es eine Rekordspekulation auf fallende Anleihenkurse gab. Eine derartig einseitige Positionierung in den Märkten führt üblicherweise zu einer technischen Gegenreaktion. Diesmal nicht. Es kam tatsächlich zu einem Überschreiten der Drei-Prozent-Hürde und wir befinden uns auf gefährlichem Terrain. 

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