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Stelter strategisch

Explosiver Mix aus Rezession, Handelskrieg und Rekordbörse

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Smart money steigt aus

Gerade die chinesische (Welt-) Konjunkturlokomotive droht ins Stottern zu geraten. Schon vor dem Beginn des Handelskriegs kühlte sich die chinesische Wirtschaft deutlich ab, eine Folge der Abkehr vom schuldenbasierten Wachstum. Die chinesische Regierung versucht zur Zeit, die Unternehmen zu einem Abbau der Verschuldung zu bewegen und geht zugleich gegen das Schattenbankensystem vor. Das Wachstum der Sachanlageinvestitionen ging daraufhin auf 6,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück, der geringste Wert seit Beginn der Datenerhebung 1998.

Fällt China in eine Rezession, strahlt das auf die Welt aus. Davon wären Deutschland und die Euro-Zone zusätzlich zu den Sanktionen aus den USA stark getroffen. Auch die global agierenden Konzerne aus den USA müssten spürbare Gewinneinbußen verzeichnen. Damit würde eine wesentliche Stütze für den US-Markt entfallen, nämlich die Aktienrückkäufe. Die Wall Street würde den anderen Märkten folgen und vermutlich nicht nur das. Es wäre der Auftakt für eine weltweite Baisse. Entschließt sich die EU zudem die FAANGs effektiver zu besteuern, wäre das Szenario perfekt.

Spekulieren mit 670-Milliarden-Dollar-Kredit

Die Stimmung kann schnell umschlagen. Nicht nur sind die US-Unternehmen so hoch verschuldet wie noch nie, weshalb sogar der IWF dort eines der Hauptrisiken für eine erneute Finanzkrise sieht. Auch die Spekulanten sind so hoch verschuldet wie noch nie. Rund 670 Milliarden Dollar haben sich Investoren an der Wall Street geliehen, um mit Aktien zu spekulieren. Diese „Margin Debt“, so genannt, weil sie einen bestimmten Prozentsatz des Portfolios beleiht, die Margin, liegt damit zum ersten Mal seit 1929 wieder bei über drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP), präzise gesagt bei 3,27 Prozent. Kommt es zu einem Einbruch an der Börse ergeht es den Spekulanten wie denjenigen, die auf fallende Kurse bei den FAANGs gesetzt haben. Sie müssen um jeden Preis verkaufen, um ihren Verpflichtungen nachzukommen. Führt der „short squeeze“ zum Kurssprung, führt der „margin call“ zum Crash.

Klingt negativ? Mag sein. Zu denken geben sollte den Optimisten allerdings, dass das Smart Money aus den Märkten aussteigt. Gemessen wird das am sogenannten „Smart Money Flow Indicator“. Dieser stellt die Entwicklung des Dow Jones in den ersten 30 Handelsminuten eines Tages der Entwicklung in den letzten 30 Minuten desselben Tages gegenüber. In der ersten halben Stunde sind es vor allem die Laien, die handeln, während die Profis die Situation erst mal beobachten. In den letzten 30 Minuten sind die Profis unter sich. Seit Monaten neigt der Markt in den ersten 30 Minuten zu Stärke und in den letzten 30 Minuten zur Schwäche. Ein Signal dafür, dass sich das „smart money“ aus dem Markt tendenziell zurückzieht. Die Profis haben noch immer richtig gelegen.

Margin call ohne uns

Wenig spricht für einen neuen Bullenmarkt. Viel spricht für fallende Kurse und deutlich höhere Volatilität. Deshalb sollten wir bei der bewährten Strategie der Risikoverringerung bleiben. Es passt nicht zusammen: Rekordbewertung und Weltrezession.

Wer aggressiver ist, kann den Empfehlungen der Bank of America folgen. Diese empfiehlt Kaufoptionen auf Gold und langlaufende US-Staatsanleihen.

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