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Unternehmensanleihen als Gefahr

Vor allem im Bereich der Unternehmensanleihen droht Gefahr. Die Qualität der Schuldner ist in den vergangenen Jahren dramatisch gesunken. US-Unternehmen haben im vorigen Jahr 1,14 Billionen US-Dollar neue Schulden gemacht und waren noch nie so hoch verschuldet wie heute. Die Hälfte der im Russel-2000-Index enthaltenen Unternehmen geben schon heute mehr als 30 Prozent des Gewinns vor Steuern und Zinsen (EBIT) für den Zinsendienst aus.Die Ratingagentur Standard & Poor befand bei 13.000 untersuchten Unternehmen immerhin einen Anteil von 37 Prozent als „highly leveraged“ verglichen mit einem Anteil von 32 Prozent zum letzten Höhepunkt im Jahre 2007.

Unternehmen auf Junk-Niveau zahlen durchschnittlich weniger als sechs Prozent Zins. Immer mehr Kredite werden gegen geringe oder keine Sicherheit vergeben. Die EZB hat den Markt so weit verzerrt, dass kreditschwache europäische Unternehmen weniger zahlen als die größte Militärmacht der Welt. Aus vergangenen Kreditzyklen wissen wir, dass die Gläubiger von Unternehmensanleihen im Falle einer Schieflage nur rund 35 Prozent ihres Einsatzes wiedersehen. Eigentlich ein guter Grund, deutlich höhere Zinsen zu fordern.

Anleihenmarkt zeigte Warnsignal

Seit einem Jahr haben sich die Hoch-Risikoanleihen vom Aktienmarkt in den USA entkoppelt. Während die Börse deutlich zulegte, stagnierten die High-Yield Fonds auf hohem Niveau. Ein erstes Warnsignal. Seit Jahresanfang fielen die Anleihen schlechter Schuldner. Ein weiteres Warnsignal. Die Investoren nehmen die Risiken wieder wahr und wetten zugleich im Rekordvolumen auf weiter fallende Anleihekurse.


Setzt sich dieser Trend fort, dürften Aktien noch stärker in den Sog geraten. Steigende Zinsen entziehen den Bewertungen endgültig den Boden. Spekulation auf Kredit wird teurer, Anleihen wieder eine attraktive Alternative zu Aktien.

Alle Augen auf zehnjährige Treasuries

Kein Wunder, dass die Marktteilnehmer gespannt auf den „Spareckzins“ des Weltfinanzsystems blicken: die zehnjährige US-Staatsanleihe. Diese befindet sich in seit Anfang der 1980er Jahre in einem Bullenmarkt. Unter Schwankungen ging der Kurs kontinuierlich nach oben, die Zinsen sanken.

Die Frage ist: dauert der Trend noch an oder wurde die Zinswende eingeleitet? Charttechniker streiten über die entscheidende Hürde für einen Wendepunkt.

Nun mag man von Charttechnik halten was man will. Klar ist, dass, sollte die Rendite über drei Prozent steigen, ein selbstverstärkender Zinsanstieg einsetzen würde. Dazu orientieren sich zu viele Investoren an dieser Hürde.

Inflation als Treiber?

Voraussetzung für einen weiteren Anstieg wäre wohl die nachhaltige Rückkehr der Inflation. In der Vergangenheit habe ich mich mehrfach mit dem Thema der Inflation an dieser Stelle beschäftigt. Blickt man auf die vergangenen 50 Jahre, so muss man konzedieren, dass es zwar eine größere Inflationsphase in den 1970er Jahren gab, unmittelbar nachdem die Bindung des US-Dollars zum Gold aufgehoben wurde. Seit Ende der 1980er Jahre ist die Inflation jedoch auf einem nachhaltig tiefen Niveau. Folge der Globalisierung, des stark gestiegenen weltweiten Arbeitskräfteangebots und der technologischen Revolution, die per Definition deflationär wirkt.

Wer also eine Rückkehr der Inflation erwartet und damit steigende Zinsen, der muss eine nachhaltige Veränderung des Arbeitsmarktes und der Technik erwarten. In der Tat zeigen sich zunehmend Spannungen im Arbeitsmarkt ab. Mitarbeiter werden knapp und Kapazitäten sind zunehmend ausgelastet. Die Löhne beginnen zu steigen, nicht nur bei uns in Deutschland, sondern auch in den USA und sogar in Japan! Der höhere Ölpreis dürfte ebenfalls dazu beitragen, dass in der Welt höhere Inflationsraten gemessen werden. Die Dollarschwäche kaschiert letzteres in der Eurozone noch, erhöht aber zugleich die Inflation in den USA.

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