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Stelter strategisch

Deflationärer Schock aus China trifft Anleger weltweit

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Zahlungsausfallrisiko groß

Um Anleihen ist es in der heutigen Zeit nicht viel besser gestellt als um Liquidität. Der Zinsertrag ist geringfügig höher, dafür aber das Risiko von Zahlungsausfällen deutlich größer. Vorausgesetzt der Schuldner ist solide und auch im Umfeld von fallenden Preisen in der Lage, seinen Verbindlichkeiten nachzukommen, können Anleihen im deflationären Szenario jedoch ein sehr attraktives Investment sein. Dies dürfte nur bei den besten Unternehmens- und Staatsschuldnern der Fall sein. US-Treasuries dürften dann deutlich unter einem Prozent notieren, was aus heutiger Sicht einen deutlichen Kursgewinn verspricht. Die Marktreaktion auf die chinesische Abwertung unterstreicht diese These. Die Zinsen auf US-Staatsanleihen sanken deutlich.

Die fünf großen Gefahren für Chinas Wirtschaftswachstum

Meine Meinung zu Gold habe ich an dieser Stelle vor einigen Wochen ausführlich erläutert. Gemeinhin wird angenommen, dass Deflation ein schlechtes Umfeld für Gold ist. Es besteht ja keine Notwendigkeit sich vor Geldentwertung zu schützen. Aber vor Zahlungsausfällen. Da das Geld auf dem Bankkonto nicht mehr sicher ist – übrigens in jedem Szenario! – und die Nutzung von Bargeld zusehends eingeschränkt wird, bliebe physisch gehaltenes Gold und Silber eine Möglichkeit der Diversifikation – einer Systemdiversifikation, gewissermaßen: eine Anlage neben dem bestehenden Finanzsystem, die keinem Kontrahentenrisiko unterliegt.

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Für Aktien ist Deflation ein Risiko. Für gewöhnlich haben Manager keine Erfahrung mit einem allgemein rückläufigen Preisniveau. Hier gilt, dass Unternehmen mit geringer Verschuldung und ausreichender Flexibilität die Herausforderung besser meistern können. Effiziente Kostenstrukturen, geringe Mittelbindung und moderate Verschuldung ermöglichen in einem Umfeld fallender Preise und allgemeiner Kaufzurückhaltung ein „Überwintern“. Unternehmen mit hoher Verschuldung und unflexiblen Strukturen werden hingegen hart getroffen. Für Lebensversicherungen wäre eine Deflation eine erhebliche Herausforderung. Doch auch bei den robusten Unternehmen ist mit fallenden Margen und damit Kursen zu rechnen. Verstärkt würde dieser Effekt durch Verkäufe von anderen Aktionären, die ihren Verbindlichkeiten nachkommen müssen.

Im Szenario einer Deflation kommen auch die Preise für Immobilien tendenziell unter Druck. Mieten müssen gesenkt werden oder fallen komplett aus. Verschuldete Hausbesitzer müssen die Immobilie verkaufen um ihre Verbindlichkeiten zu bedienen. Deshalb ist es wichtig, nicht mit Blick auf das Inflationsszenario mit übermäßigen Schulden zu arbeiten. Es kann Jahrzehnte dauern, bis sich Inflation schließlich einstellt.

Das führt unweigerlich zum Fazit: In Zeiten der Deflation funktioniert ein guter Teil des Portfolios nicht. Immobilien und Aktien kommen unter Druck, Anleihen gewinnen – so der Schuldner solide ist – und Gold bliebe eine Versicherung für den Gau. Liquidität wäre das Mittel der Wahl, wenn, ja wenn nicht das Risiko der Beteiligung bei Bankenpleiten wäre. Dies spricht für eine erhöhte Bargeldquote und das Parken des Geldes in kurzfristigen Anleihen solider Staaten. So weh das auch tut.

Natürlich wird die Politik die Deflation mit allen Mitteln bekämpfen. Die dann zu erwartende hohe Inflation würde das Portfolio ganz anders treffen. Vor allem nach einer längeren Phase der Deflation. Dazu mehr nächste Woche in dieser Kolumne.

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