Stimmung an den Börsen Gewinne meist hui, Kurse meist pfui

Noch ist die Quartalssaison jung, doch zumindest sind große Enttäuschungen bisher ausgeblieben. Den Aktienkursen hilft das trotzdem nicht - im Gegenteil.

Noch ist die Quartalssaison sehr jung, doch zumindest sind bisher große Enttäuschungen bei den meisten Unternehmen ausgeblieben. Quelle: dpa

Lange hatten sich die Kurse deutscher Dividendenpapiere resistent gezeigt, gegen eine schwächere Entwicklung der Weltwirtschaft, gegen die mit dem Ukraine-Krieg einhergehenden Russland-Sanktionen, gegen die Kriege im Nahen Osten und gegen die Ängste, die die Ebola-Epidemie mit sich bringen. 

Obwohl Aktien so teuer bewertet waren, wie schon seit knapp eineinhalb Dekaden nicht mehr, schwangen sich viele Kurse auf. Die 50 Nebenwerte im MDax etwa schafften dieses Jahr Rekord-Kurs-Höhen, die Kurse der Dax-Unternehmen näherten sich immerhin bis auf 20 Prozent ihrem alten Gipfel – jeweils ohne Dividenden berechnet. Und die bisher letzte größere Korrektur im weltwichtigsten Aktienindex S&P 500 liegt bereits drei Jahre zurück.

Wo der Dax am Ende des Jahres stehen wird
Deutsche BankDie Analysten der Deutschen Bank stechen mit ihrem unerschütterlichen Optimismus hervor. Trotz Ukraine-Krise und schwächelndem Wirtschaftswachstum in Europa hält die Bank an ihrer Prognose für den Dax von 11.000 Punkten fest. Frei nach dem Motto: Politische Börsen haben kurze Beine. Sollte die Prognose stimmen, wird der Dax noch um ganze 18 Prozent in diesem Jahr steigen. Prognose am Jahresanfang: 11.000 PunkteAktuelle Prognose: 11.000 Punkte Quelle: REUTERS
BarclaysAn seiner vorherigen Einschätzung hält die britische Bank Barclays nicht fest, gehört aber immer noch zu den optimistischsten Dax-Beobachtern. Die 100-Punkte Korrektur der Prognose hat angesichts des Dax-Absturzes von 1000 Punkten im Juli allerdings wohl nur eine symbolische Wirkung. Prognose am Jahresanfang: 11.000 PunkteAktuelle Prognose: 10.900 Punkte Quelle: dpa
SantanderDie Analysten der größten Bank Spaniens halten an ihrer Prognose fest und zeigen sich verhalten optimistisch. Damit der Dax den Stand von 10.500 Punkten noch in diesem Jahr erreicht, muss der Leitindex noch rund 1.200 Punkte zulegen. Keine leichte Aufgabe bei geopolitischen Krisen und schwachem Wachstum in Europa. Prognose am Jahresanfang: 10.500Aktuelle Prognose: 10.500 Quelle: REUTERS
CommerzbankEin Bulle, das Symbol für steigende Kurse, wurde im Juli aufgeknüpft: Der Dax brach wegen der Ukraine-Krise ein. Die Analysten der Commerzbank bleiben jedoch bei ihrer Einschätzung von 10.200 Punkten für den Dax. Langfristig werden die Fundamentaldaten entscheiden – so lang ist die Frist aber nicht mehr bis zum Jahresschluss. Prognose am Jahresanfang: 10.200 PunkteAktuelle Prognose: 10.200 Punkte Quelle: dpa
Baader BankDie gleiche Meinung vertreten auch die Anlagestrategen der Baader Bank und sehen den Dax zum Ende des Jahres ebenfalls bei 10.200 Punkten. Beim aktuellen Stand von 9.330 Punkten hat der Dax ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 17,3. Der Dax kostet damit das 17fache eines Jahresgewinns aller Dax-Konzerne. Das KGV von 17 ist zwar hoch und doppelt so hoch wie vor fünf Jahren, aber noch kein Zeichen für eine Überbewertung. Denn Aktien bleiben in der Niedrigzinsphase beinahe alternativlos. Prognose am Jahresanfang: 10.200 PunkteAktuelle Prognose: 10.200 Punkte Quelle: dpa
MacquarieDie größte Korrektur in seiner Prognose hat die Bank Macquarie vorgenommen: Ganz 700 Punkte tiefer sieht sie den Dax nun zum Ende des Jahres. Dass viele Banken ihre Prognosen senken liegt allerdings nicht nur an der Ukraine-Krise: Auch die schwächelnde Wirtschaft in Europa und speziell in Deutschland bereitet Sorgen. Prognose am Jahresanfang: 10.700 PunkteAktuelle Prognose: 10.000 Punkte Quelle: AP
Saxo BankDie dänische Saxo Bank zeigt sich verhalten optimistisch und korrigiert ihre Prognose um 500 Punkte nach unten, was allerdings immer noch rund 500 Punkte über dem Jahresstart des Dax ist. Fast alle Analysten knüpfen ihre Prognosen an eine Bedingung: Es dürfe kein Krieg zwischen der Ukraine und Russland ausbrechen. Prognose am Jahresanfang: 10.500 PunkteAktuelle Prognose: 10.000 Punkte Quelle: dpa
M.M. WarburgZurückhaltender zeigen sich nun auch die Experten von M.M. Warburg. Portfoliomanager Daniel Hupfer (nicht im Bild) nennt dafür nicht die Ukraine-Krise als Grund, sondern die sinkenden Gewinnaussichten der Dax-Firmen. Das ist allerdings nicht sonderlich neu: Seit 2010 stagnieren die Gewinne der Dax-Konzerne bereits. Prognose am Jahresanfang: 10.400 PunkteAktuelle Prognose: 10.000 Punkte Quelle: dpa
DekabankDie Dekabank hält an ihrer Einschätzung zum Jahresschluss fest. Mit Bundesanleihen lässt sich nach Inflation und Steuern nun mal keine Rendite erwirtschaften. Gleiches gilt für Sparbücher und Tagesgeld. Anleger, die ihr Geld zumindest erhalten wollen, kommen deshalb an Aktien nicht vorbei. Langfristig dürften Aktien deshalb konkurrenzlos bleiben. Prognose am Jahresanfang: 10.000 PunkteAktuelle Prognose: 10.000 Punkte Quelle: dpa
DZ BankPessimistischer ist die DZ Bank geworden. In ihrer aktuellen Studie spielt sie vier Szenarien in der Ukraine durch. An wahrscheinlichsten hält die DZ Bank die „allmähliche Beruhigung“. Die Situation in der Ostukraine werde sich beruhigen, ohne dass der Konflikt gelöst ist. Spannungen zwischen Russland und der Ukraine werden andauern. Deshalb werde die Stimmung wohl noch eine Weile getrübt bleiben. Allerdings werde nach Ansicht des DZ-Experten Christian Kahler (nicht im Bild) der Dax das alte Ziel von 10.200 Punkten noch erreichen – allerdings etwa sechs Monate später. Prognose am Jahresanfang: 10.200 PunkteAktuelle Prognose: 9.800 Punkte Quelle: dpa
Nord LBSchwierigere Zeiten für den Dax sieht auch die Nord LB. Die Experten der Bank haben die Prognose für den Dax um 200 Punkte nach unten korrigiert und reihen sich in den Senkungsreigen ein. Prognose am Jahresanfang: 9.800 PunkteAktuelle Prognose: 9.600 Punkte Quelle: REUTERS
Bankhaus LampeNur leicht über dem aktuellen Stand sieht das Bankhaus Lampe den Dax zum Jahresschluss. Ein Szenario, von dem einige Börsianer ausgehen: Der Leitindex wird eine Berg- und Talfahrt erleben – getrieben von geopolitischen Krisen. Am Ende dürfte er dann wieder wie am Jahresanfang bei rund 9.500 Punkten stehen. Prognose am Jahresanfang: 9.750 PunkteAktuelle Prognose: 9.500 Punkte Quelle: dpa
HelabaDie einzige Bank, die den Dax unter dem aktuellen Stand von rund 9.300 Punkten sieht, ist die Helaba. Dabei war sie schon zu Jahresbeginn sehr skeptisch und muss bei den aktuell aufkeimenden Problemen ihre Prognose nicht einmal nach unten korrigieren. Wenn die Analysten recht behalten, wird der Dax auf Jahressicht rund 600 Punkte verloren haben. Prognose am Jahresanfang: 8.900 PunkteAktuelle Prognose: 8.900 Punkte Quelle: dpa

Stimmung gedreht

Die Flucht in Aktien ist aber schon seit längerem nicht mehr mit überbordend starken Unternehmensergebnissen unterfüttert – die Preise, die Anleger gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis und Kurs-Buch-Verhältnis bezahlen, sind entsprechend hoch und weit über ihrem historischem Durchschnitt.

Vielmehr drückte die Nullzinspolitik der Notenbanken Investoren mangels renditeversprechenden Alternativen in den Aktienmarkt. Seit knapp einem Monat hat Stimmung gedreht. Um jetzt einen deutlicheren Absturz als die zuletzt gesehenen rund sieben Prozent Verlust im S&P 500 und 14 Prozent Minus im Dax zu verhindern, bedarf es zumindest überzeugender Unternehmensergebnisse für das am 30. September abgelaufene Quartal und dazu optimistische Ausblicke.

Börsen in Aufruhr - ist die Angst vor der Krise berechtigt?

Pharma und Chips laufen

Noch ist die Quartalssaison jung. Doch zumindest sind bisher große Enttäuschungen bei den meisten Unternehmen ausgeblieben. So haben neue Medikamente das Geschäft des Pharma- und Konsumgüterriesen Johnson & Johnson (Penaten, Listerine) kräftig angeschoben.

Der Gewinn des US-Konzerns legte um 60 Prozent auf 4,8 Milliarden Dollar zu, die Erlöse kletterten um fünf Prozent auf 18,5 Milliarden Dollar. Auch die Prognose stimmt: Das Management hat das alte Gewinnziel für das Gesamtjahr angehoben.

Positiv überrascht hat auch Intel die Börsianer. Nachdem sich der PC-Markt stabilisiert hat, konnte der weltgrößte Chip-Hersteller im dritten Quartal zwölf Prozent mehr Gewinn einfahren. 3,3 Milliarden Dollar blieben bei einem um acht Prozent auf 14,6 Milliarden Dollar gestiegenen Umsatz hängen.

Tablet-Computer hatten in den vergangenen Jahren klassischen Schreibtisch-Rechnern das Leben schwer gemacht, was auf Intels Geschäfte negativ durchgeschlagen war.

Mit ganz anderen Problemen hatte zuletzt die im CAC40 notierte Danone (Actimel) zu kämpfen. In Asien mussten die Franzosen vergangenes Jahr Babynahrungsprodukte aus den Regalen holen. Inzwischen ist dies kein Belastungsfaktor mehr.  Im dritten Quartal legte der Konzern ein Umsatzplus von 6,9 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro hin; Babynahrung wuchs sogar um 19,2 Prozent. Für das Gesamtjahr 2014 erwartet Danone insgesamt über alle Sparten einen Erlös-Zuwachs von 4,5 bis 5,5 Prozent.

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