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Studie zu Finanzwissen Wer interessiert sich für Finanzen?

Etwas mehr als die Hälfte aller Deutschen interessiert sich für Finanzwissen, zeigt eine neue Studie. Regional aber gibt es große Unterschiede. Wo das Finanzinteresse groß ist - und wo geringer.

Etwas mehr als die Hälfte aller Deutschen interessiert sich für Finanzwissen, zeigt eine neue Studie. Quelle: dpa

„Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen.“  Mit dieser Nachricht auf dem Kurznachrichtendienst Twitter prangerte die 17-jährige Schülerin Naina vor etwas mehr als einem Jahr die mangelnde Thematisierung wichtiger Finanzthemen im Unterricht an – und löste damit eine deutschlandweite Bildungsdebatte aus.

Doch wie stark interessieren sich Deutsche überhaupt für Finanzwissen? Genau dies wollte eine GfK-Studie im Auftrag der AVL Finanzvermittlung herausfinden. Die Gesellschaft für Konsumforschung befragte dazu bundesweit rund 1.000 Personen ab 14 Jahren.

Mehr Interesse in den neuen Bundesländern

Gut 56 Prozent aller Befragten gaben an, sich für das Thema Finanzwissen zu interessieren. Das Interesse ist dabei umso größer, je höher das Einkommen. Dabei lag erstaunlicherweise aber im Durchschnitt der Ja-Anteil in den einkommensschwächeren neuen Bundesländern mit fast 62 Prozent höher als in den alten Bundesländer mit 54 Prozent. Am größten ist das Interesse laut Studie mit jeweils fast 80 Prozent in Sachsen-Anhalt und Hamburg. Nur halb so viel Interesse zeigten die Befragten dagegen in Schleswig-Holstein.

Insgesamt wurden 1.088 Bürger befragt. Vergleiche zwischen den Bundesländern sind daher zwar spannend, angesichts der Größe der Stichprobe aber teilweise mit Vorsicht zu interpretieren.

Das Finanzwissen der Deutschen

Altersvorsorge im Mittelpunkt

Jeder dritte Befragte interessiert sich unter den Finanzthemen für Altersvorsorge, gefolgt von Geldanlage ganz allgemein und privaten Versicherungen mit je knapp 25 Prozent.

„Vor dem Hintergrund der immer schmaler werdenden gesetzlichen Rentenansprüche gewinnt die private Vorsorge zunehmend an Bedeutung. Das ist etwas, das jeden direkt betrifft“, sagt Uwe Lange, Gründer und Geschäftsführer des Finanzvermittlers AVL und Auftraggeber der Studie.

Auch bei dieser Frage zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Ländern. Während in Thüringen nur jeder Vierte Interesse an der Altersvorsorge signalisierte, waren es in Sachsen-Anhalt mit 64 Prozent mehr als doppelt so viel. Eine deutliche Diskrepanz zeigte sich beim Thema Immobilien.  Das persönliche Interesse an diesem Bereich lag in den alten Bundesländern mit 16 Prozent fast doppelt so hoch wie in den neuen mit 8,5 Prozent.

Förderung wichtig, Ethik weniger

Ebenfalls wissen wollten die Studienautoren, welche Rolle Chancen und Risiken, Kosten, Fördermöglichkeiten oder ethische Aspekte beim Finanzwissen spielen. Hierbei zeigte sich, dass Förderungen, wie zum Beispiel Zulagen und Steuervorteile, bei fast zwei Dritteln der Befragten im Vordergrund stehen. Chancen und Kosten sind jeweils für rund die Hälfte der Befragten von Bedeutung.

Besonders kostenbewusst scheinen die Hamburger Bürger zu sein. Dort gaben alle finanzinteressierten Befragten an, das Thema sei für sie wichtig, während in Thüringen nur gerade 11,5 Prozent Interesse daran zeigten. Das Thema Kosten bei der Geldanlage fragt die AVL Finanzvermittlung auch aus eigenem Interesse ab: Sie lockt Kunden vor allem mit dem Vertrieb von Investmentfonds, die ohne Ausgabeaufschlag angeboten werden.

Die ethische Komponente, also beispielsweise wie Gewinne gemacht werden oder wie grün ein Investments ist, stieß noch bei rund einem Viertel der Teilnehmer auf Interesse. Spitzenreiter in dieser Hinsicht sind Hamburg und Hessen mit je 35 Prozent, das Schlusslicht bildet Mecklenburg-Vorpommern mit lediglich 6,5 Prozent.

Deutliche Mehrheit für mehr Finanzbildung

Einigkeit herrscht unter den Teilnehmern darüber, dass generell mehr Finanzbildung nötig wäre. Im Durchschnitt befürworteten über 80 Prozent der Befragten diesen Ansatz, wobei der Anteil der Befürworter jedoch mit steigendem Einkommen deutlich sinkt. Lediglich in Berlin scheiden sich die Geister. In der Hauptstadt sprachen sich nur 56 Prozent der Befragten für zusätzliche Finanzbildung aus.

Doch wer soll diese Aufgabe wahrnehmen? Geht es nach den Studienteilnehmern, sind allen voran die Lehrer an den öffentlichen Schulen in der Pflicht. Aber auch Praktikern aus der Finanzbranche und spezialisierten Hochschullehrern wird eine größere Rolle zugedacht. 

Ob die eingangs zitierte Schülerin sinnbildlich für ihre Altersklasse steht und folglich ein Mehr an Finanzbildung tatsächlich Anklang finden würde, bleibt allerdings fraglich. Die Studie ergab nämlich ebenfalls, dass 87 Prozent der 14- bis 19-jährigen sich überhaupt nicht für Finanzthemen interessieren. Nur wenn sich mit mehr Finanzbildung also auch das Finanzinteresse wecken ließe, würden entsprechende Angebote wohl viel bringen.

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