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Studie zu Quartalszahlen Schweigen lässt die Kurse sinken

Börsennotierte Konzerne präsentieren gerade wieder ihre Quartalszahlen. Wie Anleger erkennen können, ob die Aktien nach der Verkündung an Wert verlieren.

Twitter-Symbol Quelle: AP

Die Berichtssaison läuft, börsennotierte Konzerne präsentieren ihren Anlegern Umsätze und Gewinne aus dem vergangenen Quartal - darunter Pharmakonzern Pfizer am Dienstag, die Deutsche Bank am Mittwoch und Öl-Riese Royal Dutch Shell am Donnerstag.

Twitter veröffentlicht am Montagabend in San Francisco seine aktuellen Quartalszahlen. Und dabei sollten Anleger nicht nur auf den Gewinn und Nutzerzuwachs der Nachrichtenplattform achten - sondern auch das Telefonat der Twitter-Chefs, in dem sie nach der offiziellen Bilanz-Präsentation noch einmal Details diskutieren.

Denn gibt es dort keine Fragen der Analysten, ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass der Twitter-Kurs in den kommenden fünf Tagen um ein Prozent absackt. Das entspräche zumindest dem Ergebnis einer neuen Studie.

Die Prozedur ist immer die gleiche. Nach der offiziellen Präsentation folgt der Earnings Call. Eine Telefonkonferenz, in der Finanzchefs und Vorstände noch einmal detailliert auf einzelne Zahlen aus dem vergangenen Quartal eingehen. Anschließend können die Zuhörer, darunter ausgewählte Analysten und institutionelle Investoren von etwa Banken oder Pensionsfonds, Fragen stellen.

Welche Unternehmen ihre Prognosen senken
Foto eines BASF-Sitzes Quelle: dpa
Foto von Jeff Benzos vor dem Amazon-Logo Quelle: AP
SAP-Logo Quelle: dpa
Foto des IBM Logos Quelle: dpa
Foto vom Leoni AG Logo Quelle: dpa
Foto eines Lasers von LPKF Quelle: dpa
Foto von einem Lufthansa-Absperrband Quelle: REUTERS

 

Sicherer Kursrutsch

Doch genau dieser Teil ist nicht nur für Berichte und Gewinnprognosen entscheidend, die Analysten anschließend formulieren. Eine Studie von Forschern um Shuping Chen von der Universität Texaszeigt, dass sich der Austausch mit Analysten und Investoren auch direkt auf den Kurs der Aktie auswirkt.

Das Ergebnis: Wenn niemand Fragen stellt, führt das zum sicheren Kursrutsch der Aktie. Kommt hingegen ein reges Frage-Antwort-Spiel zustande, lassen sich solche Kurseinbrüche nicht nachweisen, schreiben die Forscher.

Über einen Zeitraum von acht Jahren zwischen 2002 bis 2010 werteten die Forscher Abschriften von fast 48.000 Quartalszahlen-Telefonaten aus. In ihre Analyse flossen Unternehmen ein, die an der Börse bis zu zehn Milliarden Dollar wert waren.

Dabei fanden sie fast 2000 Telefonate, bei denen Analysten keine einzige Frage stellten. Eine Ausnahme also, die sich aber signifikant im Börsenkurs niederschlägt. Und selbst Telefonkonferenzen mit nur wenigen Fragen könnten sich schon negativ auswirken, so die Studie.

Wer 2014 die höchsten Ausschüttungen einstrich.
Platz 10: Familie WürthUnternehmen/Branche: Würth (Montagetechnik-Handel) Einnahmen (in Mio. €)* : 217 * Brutto-Schätzungen nach veröffentlichten Stimmrechten und Stiftungsanteilen, teilweise umgerechnet; Quelle: Unternehmen, Bundesanzeiger, BaFin, Bloomberg, eigene Berechnungen Quelle: dpa
Models bei der IPO des Kosmetikherstellers Coty Quelle: REUTERS
Susanne Klatten, Vorsitzende des Siftungsrates der Herbert-Quandt-Stiftung, und Ehemann Jan Klatten Quelle: dpa
Die Chefin der Quandt Group, Johanna Quandt Quelle: AP
Platz 6: Brüder SammwerUnternehmen/Branche: Rocket Internet (Internet-Shops) Einnahmen (in Mio. €)* : 287 * Brutto-Schätzungen nach veröffentlichten Stimmrechten und Stiftungsanteilen, teilweise umgerechnet; Quelle: Unternehmen, Bundesanzeiger, BaFin, Bloomberg, eigene Berechnungen Foto: TechCrunch Quelle: Creative Commons
Stefan Quandt Quelle: REUTERS
 Ein Mitarbeiter des Darmstädter Pharma- und Chemiekonzerns Merck KGaA geht über eine Fußgängerbrücke auf dem Gelände des Unternehmens in Darmstadt Quelle: dpa

Der durchschnittliche Börsenwert der Unternehmen, die in ihrer Telefonkonferenz keine Fragen gestellt bekamen, lag in der Analyse bei 451,7 Millionen Dollar. Sie mussten in den Tagen nach der Konferenz einen Kursverlust von bis zu 1,4 Prozent erleiden. Das entspräche einem durchschnittlicher Einbruch der Marktkapitalisierung zwischen 4,3 Millionen und 6,1 Millionen Dollar.

Kernthese der Forscher: Wenn aus den Investorengesprächen zu wenig Informationen nach außen dringen, kommt es zur Informationsasymmetrie. Kleine Investoren können ihr Unternehmen nicht mehr einschätzen - und trennen sich mutmaßlich von ihren Aktien.

Und wenn die Vorstände in ihren Telefonaten so umfänglich berichten, dass keine Fragen offen bleiben? Dann sollte es zu keinen Verzerrungen bei der Informationsaufnahme kommen, so die Forscher, ein Absturz der Aktien würde sich nicht einstellen.

In Arbeit
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Ähnliche Studien gab es bereits zu den Auswirkungen von Gewinnprognosen für die folgenden Quartale. Darin zeigte sich, dass Unternehmen, die diese Prognose für sich behalten (meist, um Anleger nicht enttäuschen zu können, wenn die Vorhersage nicht erreicht wird), nur etwas geringere Kursgewinne einfahren konnten als Unternehmen mit einem Ausblick auf kommende Gewinne.

Twitter-Konferenz heute im Stream

Für Anleger heißt das: Nicht nur die Geschäftsberichte lesen, sondern auch die Abschriften der Telefonkonferenzen studieren – oder live im Internet die Gespräche zu verfolgen. Für nachtaktive deutsche Anleger bietet Twitter heute von 23 Uhr an einen Stream der Konferenz auf seiner Investorenseite an. Wer das Frage-Antwort-Spiel verschläft, kann über Seiten wie SeekingAlpha auch Mitschriften der Konferenzen abrufen - und überprüfen, ob überhaupt Fragen gestellt wurden.

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