Studie zur Geschäftsprognose DAX-Unternehmen informieren Anleger mangelhaft

Anlegerschützer haben in die Geschäftsberichte der DAX-Unternehmen geguckt und die Frage gestellt: Werden die Anleger ausführlich zur Geschäftsentwicklung im kommenden Jahr informiert? Die Auswertung dürfte bei Anlegern für Ernüchterung sorgen.

Kein Beispiel für transparente Prognoseberichterstattung im Geschäftsbericht: Die BMW Group. Quelle: dpa

Die Mehrheit der Dax-Unternehmen informiert ihre Aktionäre in ihren Geschäftsbericht sehr schlecht. Dies hat die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) am Dienstag in Frankfurt mitgeteilt, die ihre Analyse zur Prognoseberichterstattung im DAX-30 gemeinsam mit der Beratungsagentur Kirchhoff Consult veröffentlicht hat. In Bezug auf den Ausblick der Geschäftsberichte erfülle eine Vielzahl der Dax-30-Unternehmen nur unzureichend ihre Informationspflicht gegenüber dem Anleger. „Die Prognosen sind oft wenig aussagekräftig und damit für Anleger schlicht nutzlos.“, sagte der DSW-Präsident Ulrich Hocker.

„Der Kauf einer Aktie ist auch immer eine in die Zukunft gerichtete Investition“, so Hocker. Zukunftsbezogene Daten hätten also in der Regel eine hohe Relevanz für die Erwartungsbildung des Käufers. Ohne diese Informationen kann ein Aktionär die Unsicherheit mit Blick in die Zukunft nicht reduzieren: Kapitalgeber müssen erkennen können, ob die Unternehmensführung nicht nur die eigenen Ziele erreicht hat, sondern ob sie auch Chancen und Risiken am Markt realisieren. 

Welche Unternehmen ihre Aktionäre (nicht) ausreichend informieren

Die DSW hat bei ihrer Analyse den Blick auf den Prognosebericht der DAX-30 konzentriert. Die Prognosefähigkeit der Geschäftsberichte teilt sie in drei Transparenzkategorien ein: hohe, mittlere und niedrige.

Transparenzkategorien

Die Auswertung dürfte bei Anlegern für Ernüchterung sorgen. Nur sechs von 30 Dax-Unternehmen seien nach Angaben der DSW in der Lage in ihrem Geschäftsbericht ausreichend Informationen bereitzustellen, damit ein Anleger sich für die jeweilige Aktie entscheiden könne. 15 Dax-Konzerne schaffen es in die Kategorie „mittlere Transparenz“; neun Unternehmen kritisiert die DSW wegen ihrer niedrigen Transparenz. Dabei seien Letztere nicht in einer spezifischen Branche vorzufinden, sondern seien gleichermaßen in allen Branchen vertreten.

Ein dicker Geschäftsbericht hat nicht viel Aussagekraft

In der obersten Kategorie befinden sich Fresenius Medical Care, Fesenius SE, adidas, Münchner Rück, RWE und die Deutsche Post; in der Kategorie „niedrige Transparenz“: BASF, BMW, Beiersdorf, Deutsche Bank, HeidelbergCement, Lufthansa, Linde, Thyssen Krupp und Merck.

Dabei ist nicht die Länge der Prognoseberichte ausschlaggebend, sondern die Qualität. Ein Beispiel: Adidas schafft es auf sechs Seiten einen quantitativen und qualitativen Ausblick für 2012 zu geben, sowie eine Prognose zur Konzernentwicklung und generelle Angaben zur Gesamtwirtschaft, sowie Ergebnis, F+E, Umsatz, Finanzierung, Dividende, 2-Jahres-Ausblick, Entwicklung der Branche und des Segments. Das Gegenbeispiel: ThyssenKrupp schreibt sieben Seiten Prognosebericht voll, kommt aber über die Angaben über Gesamtwirtschaft, Branchenentwicklung und Finanzierung nicht hinaus.

DSW-Präsident Hocker dazu: „Ein Drittel der DAX-Unternehmen sind nicht zu einem klaren Ausblick ihres Geschäftes fähig. Das ist eine Katastrophe“. Ein kundiger Anleger dürfte das gleiche empfinden.

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