Suche nach Rendite Was den Aktienmarkt 2013 antreibt

Trotz Schuldenkrise und Konjunkturangst läuft die Börse. Zu Recht: Zinspapiere bringen wenig, Unternehmen sind noch günstig bewertet und zahlen attraktive Dividenden. Warum Aktien für Anleger fast alternativlos sind.

Dax-Sieger der vergangenen zehn Jahre
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Wer dieser Tage kurz vor 20 Uhr den Fernseher anmacht, um die Tagesschau zu sehen, könnte glauben, die ARD-Redaktion habe ein paar Beiträge vertauscht. In die gewohnten Krisenbilder von demonstrierenden Spaniern, wütenden Griechen und übernächtigten Brüsseler Politikern mischt sich Seltsames: Vom Frankfurter Parkett berichtet Anja Kohl („erfahrene Anleger wissen längst...“) täglich von neuen Kurs-Hochs, besserer Stimmung und gestiegenen Erwartungen. Fast wie Ende 1999.

Alle Dax-Aktien im Härtetest

Wie passt das zusammen? Eine Lösung der Schuldenprobleme in Europa ist nach wie vor weit entfernt, die faulen Kredite in den Bilanzen spanischer Banken steigen unvermindert, die Griechen brauchen wieder neue Rettungsmilliarden, fast jeder fünfte Südländer ist ohne Job. Auch China, Indien und Brasilien, eben noch gefeiert, schwächeln. Und in den USA droht schon wieder eine Rezession. Sogar Deutschland ist nicht länger die Insel der Seligen. Die Bundesbank hat ihre Wachstumsprognose für 2013 drastisch nach unten korrigiert, nur noch um 0,4 Prozent wird die Wirtschaft demnach zulegen.

Überall grassiert die Krise, nur Anleger wollen davon nichts wissen: Der Dax hat über das Jahr um 33 Prozent zugelegt; dazu schütteten die 30 Dax-Unternehmen rund 28 Milliarden Euro Dividende an ihre Aktionäre aus – so viel wie im bisherigen Rekordjahr 2008. Die Aktien vieler Dax-Unternehmen sind an der Börse sogar so wertvoll wie noch nie.

Dax-Aktien im Check: A bis D

Skeptiker meinen, die Kurse seien reif für einen Einbruch. „Historisch betrachtet nimmt die Börse die wirtschaftliche Entwicklung meist um sechs bis neun Monate vorweg“, sagt Klaus Schlote, Geschäftsführer des Brokers Solventis. Niemand rechne aber mit einer so viel besseren Konjunktur, wie das die Börsenrally suggeriere, meint Schlote: „Wir können froh sein, wenn wir in Europa 2013 mit einer schwarzen Null beim Wachstum davonkommen.“ Die Sparprogramme fordern ihren Tribut; die Staaten kürzen Ausgaben, die Banken knausern mit Krediten – Gift für die Börse, normalerweise.

Schon nähert sich der Index der „magischen Marke von 8000 Punkten“, sagt Vermögensverwalter Jens Ehrhardt, den dabei kein sehr gutes Gefühl beschleicht: Im März 2000 und Ende 2007 stürzte der Dax nach Überschreiten der Marke jeweils um über 50 Prozent ab. Auch Andreas Utermann, oberster Anlagestratege von Allianz Global Investors, ist skeptisch: „Im Dax sind viele Unternehmen mit zyklischem Geschäftsmodell“, warnt er, „deren Bewertung hängt stark von der Entwicklung der Weltwirtschaft ab.“

Dax-Aktien im Check: D bis I

Auf der Habenseite steht zunächst, dass die Börse seit Wochen nicht mehr auf schlechte Nachrichten reagiert. „Die Rücktrittsankündigung Mario Montis etwa hätte vor einem Jahr noch panikartige Reaktionen ausgelöst, die Aktienmärkte in die Tiefe und die Rendite italienischer Staatsanleihen in die Höhe gejagt“, sagt Martin Hüfner, Chefvolkswirt bei Assénagon.

Neben der Dauerkrise um Banken und Staatsschulden drückte zuletzt die „fiskalische Klippe“ in den USA, wo zum Jahresende zahlreiche Steuervergünstigungen und Konjunkturprogramme auslaufen.

Einigen sich Demokraten und Republikaner nicht darauf, die Programme zu verlängern, könnte das die US-Wirtschaft in die Rezession stürzen. Die USA sind außerhalb der EU nach wie vor der wichtigste Absatzmarkt der meisten Dax-Unternehmen. Doch die Börse wettet auf eine Einigung. „Die Chancen darauf stehen gut“, sagt Goldman-Sachs-Strategin Abby Joseph Cohen.

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