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Südkorea Hacker und Betrüger erschüttern Bitcoin-Eldorado

Südkorea ist derzeit einer der heißesten Handelsplätze für virtuelle Währungen. Doch eine durch möglicherweise nordkoreanische Panzerknacker ausgelöste Börsenpleite und ein Betrugsfall erschüttern die Kryptowährungen.

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A pedestrian walks past a monitor showing the prices of virtual currencies at the Bithumb exchange office in Seoul, South Korea, on Friday, Dec. 15, 2017. South Korea will restrictively allow cryptocurrency trading on only qualified exchanges and review a possible capital gains tax on crypto trading as a way to restrain the nation's frenzied speculation. Photographer: SeongJoon Cho/Bloomberg Quelle: Bloomberg

Tokio Einer der wichtigsten Handelsplätze für virtuelle Währungen liegt derzeit in Ostasien, genauer gesagt: in Südkorea. Doch der Handelsplatz ist erschüttert. Am Dienstag musste die dort ansässige Bitcoin-Börse Youbit Konkurs anmelden. Hacker raubten zuvor 17 Prozent der Einlagen. Der Kurs sackte ab. Am Mittwoch folgte der zweite Schlag für die Fans der jungen Währungen. Die Staatsanwaltschaft der südkoreanischen Stadt Incheon hob einen globalen Betrug durch ein in den USA gemeldetes Unternehmen aus, das den Bitcoin-Rivalen Ethereum münzt. Die Ermittler werfen der amerikanisch-koreanischen Ethereum-Mine Mining Max vor, seit September 2016 insgesamt 270 Millionen US-Dollar von weltweit 18.000 Investoren eingeworben und veruntreut zu haben.

Mit dem Versprechen hoher Renditen wurde den Opfern Geld für Computer abgenommen, die durch bestimmte Rechenoperationen die neuen Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum erzeugen. Doch die Firma kaufte laut der südkoreanischen Staatsanwaltschaft nur für 80 Millionen US-Dollar Rechner. Den Rest zweigten die Eigner für sich ab oder überschütteten ihre größten Investoren mit Geschenken. Das konnten Geld-Geschenke sein oder auch Rolex-Uhren und Mercedes-Autos. Nach bisherigen Erkenntnissen sind wohl 110 Millionen US-Dollar aus diesen Geschäften auf ausländischen Konten versteckt.

Gedeckt wurde der Schwindel mit einem aggressiven Schneeballsystem. Jeder Investor musste mindestens 3200 US-Dollar in die Firma stecken. Gleichzeitig wurde mit einem steil gestaffelten System von Erträgen und Boni für deutlich höhere Investitionen geworben. Zusätzlich wurden die Investoren mit einer Kopfprämie von 200 US-Dollar für jeden neuen Teilhaber belohnt, den sie anlockten. Durch Rechentricks gaukelten die Besitzer ihren Kunden dann vor, mehr Münzen zu erzeugen als tatsächlich erzeugt wurden. Aus den Einnahmen wurden die versprochenen Erträge ausgezahlt. Erst als das Geld knapp wurde und die Kleininvestoren immer öfter auf die versprochene Renditen warten mussten, flogen die Betrüger auf. Jetzt zeigt sich: Der Ring ist groß.

Die Ermittler klagten am Mittwoch bereits 21 Personen wegen Betrugs und Verstoß gegen den Haustürhandel an, drei wegen Veruntreuung. Unter den Angeklagten ist auch ein koreanischer Schlagerstar, der seine beste Zeiten in den 1990er-Jahren hatte.

Sieben weitere Koreaner und Bürger nicht näher genannter anderer Nationalitäten schrieb die Staatsanwaltschaft international zur Fahndung aus. Darunter sind der Chef des Betrügerrings und sein Vize. Sie waren rechtzeitig aus Korea geflohen. Ihre Opfer fanden die Betrüger vor allem in Südkorea. Dort hatten die Kryptowährungen nach dem Verbot von Bitcoin-Börsen in China einen Aufschwung erlebt. 14.000 Investoren stammen aus dem Land, 2600 aus den USA, 600 aus China. Der Rest verteilt sich auf 51 weitere Nationen. So gesehen ist es kein Wunder, dass Südkoreas Regierung zu den lautesten Warnern vor negativen Folgen des wilden Währungsbooms gehört.

Die südkoreanische Regierung drohte den Börsen bereits, sie könne Finanzinstituten und Ausländern den Handel verbieten. Das zeigte Erfolg: Vorigen Freitag erklärte der Verband der 14 Währungsbörsen Südkoreas sich nach einer Dringlichkeitssitzung mit der Regierung bereit, härtere Kontrollen einzuführen.

Der neue Fall stärkt die Kritiker weiter. Denn mit besseren Regeln hätte der Schaden vielleicht begrenzt werden können. Bereits Mitte des Jahres kursierte die Frage im Internet, ob es sich bei Mining Max nicht um eine riesigen Abzocke handeln würde. Warnzeichen gab es wie fehlende Angaben zum Management. Doch das Versprechen auf hohe Gewinne schaltete bei vielen Menschen offenbar einen kritischen Blick auf Mining Max aus.

Die Pleite der Börse Youbit wiederum könnte sogar eine weit brisantere internationale Reichweite haben als der Betrug. Zwar ist die Herkunft der Hacker offiziell noch unbekannt. Aber Experten sehen Ähnlichkeiten mit Hackerattacken aus Nordkorea. Überraschend wäre das nicht. Einige digitale Diebstähle werden dem abgeschotteten Land bereits zugeschrieben. Zuletzt mehrten sich die Medienberichte, dass sich die Staatshacker zur Devisenbeschaffung auf Bitcoin-Börsen fokussieren würden. Denn die Sicherheitssysteme sind nicht immer die Besten. Gleichzeitig steigen die Währungen rasant im Wert.

Youbit ist der inzwischen nicht mehr lebende Beweis für die oben genannte These. Südkoreas Geheimdienst mache Nordkoreas Staatshacker bereits für einen ersten Angriff auf Youbit und andere Börsen verantwortlich, berichtete die südkoreanische Tageszeitung Chosun am Wochenende.

Im April erbeuteten die digitalen Panzerknacker 3816 Bitcoins allein bei der Börse Youbit, die damals Yapizon hieß. Der Wert dieses Raubes ist seither von fünf Millionen auf mittlerweile rund 70 Millionen US-Dollar gestiegen.

Hier geht es zur Seite mit dem Bitcoin-Kurs, hier können Sie aktuelle Wechselkurse berechnen.

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