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Tech-Aktien Nasdaq-Ausverkauf bietet Einstiegschancen

Der US-Technologiebörse Nasdaq hat im Wochenverlauf massiv verloren und verschonte selbst Schwergewichte nicht. Ist das der Auftakt eines Abwärtstrends? Einiges spricht eher für kurzfristige Korrektur.

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Nasdaq-Logo Quelle: AP

Der weltweit wichtigste Index für Technologiewerte, der Nasdaq 100, ist zum Ende dieser Woche jäh eingebrochen. Der Auswahlindex der 100 größten US-Techwerte, darunter sind so illustre Namen wie Apple, Amazon, Google und Intel, fiel auf den tiefsten Stand seit Anfang Februar. Allein am Donnerstag verlor der Index zwischenzeitlich fast vier Prozent, schloss mit einem Minus von 3,4 Prozent.

Charttechnisch hat der Nasdaq dabei wichtige Unterstützungslinien gerissen; Aktienstrategen befürchten daher weitere Kursverluste, vor allem Momentum-getriebene und Trendfolge-orientierte Anleger wie zahlreiche Hedgefonds könnten nun weitere US-Tech-Titel verkaufen. Auch in Europa riss der weltweit wichtigste Technologieaktienindex Nasdaq Technologiewerte mit in die Tiefe, am Freitagvormittag litt besonders der Münchner Chiphersteller Infineon, dessen Aktie mit einem Minus von rund drei Prozent das Dax-Schlusslicht bildete.

Bereits zu Beginn der Handelswoche hatten einige der davor besonders hochgejubelten, jungen Tech-Aktien in den USA massive Verluste erlitten; relativ gut halten sich bislang die Großen, wie Apple, IBM, Google und Microsoft.

„Was sich hier im März bei den Technologiewerten abspielt, besonders bei den kleinen und mittelgroßen, ist anderes als ein veritabler Crash“, sagte der auf Techwerte spezialisierte Fondsmanager Peter Dreide von TBF Global. „Viele sogenannte High Flyer, also Werte mit überdurchschnittlich hohem Wachstumspotenzial, verloren im Monat März zwischen 15 und 35 Prozent an Wert.“ Auch er selbst sei deswegen gezwungen, bestimmte Aktien zu verkaufen, weil sie interne Stopp-Loss-Kurse gerissen hätten, sagte der ehemalige Aktien-Handelschef Nordamerika von Barclays, der abwechselnd am Bodensee und im Silicon Valley lebt.

Das sind Deutschlands Internetriesen
Platz 10: YouTubeUmsatz 2013: 147 Millionen Euro*Der Video-Kanal schafft es mit zwei Millionen Euro Umsatz Vorsprung auf den elftplatzierten Mobile.de gerade noch in die Top Ten. Diese zehn größten Internetunternehmen generieren gemeinsam bereits 42 Prozent des gesamten Marktumsatzes der Top 1000. Dabei sind Film, Video & TV-Anbieter absoluter Vorreiter beim mobilen Traffic. Fast 56 Prozent der Visits kommen hier von mobilen Endgeräten. Zweitstärkstes Segment mit weitem Abstand sind Nachrichten mit 30,6 Prozent. Quelle: Statista 1000 Top-Internetunternehmen in Deutschland: Die Marktanalyse von Statista erfasst erstmals wesentliche Teile der Netto-B2C Wertschöpfung aus werbefinanzierten Angeboten, bezahlten digitalen Inhalten und Services auf Anbieterebene und bildet auf dieser Basis ein Umsatzranking der 1000 größten digitalen Anbieter ab. Im Vorfeld wurden hierzu mehrere tausend Websites auf ihre Relevanz untersucht. Quelle: dpa
Platz 9: Immoscout 24Umsatz 2013: 155 Millionen EuroSuchportale wie der Wohnungs- und Immobilienvermittler Immoscout, Reise-Vermittler, Kleinanzeigen und digitale Güter von Generalisten sowie Preisvergleiche, treiben den Markt und generieren 66 Prozent des erfassten Gesamtmarktvolumens. Quelle: Screenshot
Platz 8: Google PlayUmsatz 2013: 155,6 Millionen EuroMit iTunes, GooglePlay und YouTube bestimmen drei internationale Player das Spielfeld „Digitale Güter“. Das Segment Film, Video & TV (23 Prozent) wird von Senderablegern sowie internationalen Anbietern beherrscht, die verstärkt in den Markt drängen (z. B. Lovefilm, Watchever). Quelle: AP
Platz 7: Check24Umsatz 2013: 157 Millionen EuroVergleichsportale zählen zu den beliebtesten Inhalten im deutschen Internet. Mit 18,9 Prozent legt das Segment „Digitale Güter“ das stärkste jährliche Wachstum seit 2011 vor, gefolgt von digitalen Services mit 11,1 Prozent sowie den digitalen Content-Angeboten mit 8,9 Prozent. Quelle: Screenshot
Platz 6: bwinUmsatz 2013: 169,1 Millionen EuroBwin ist Deutschlands führender Anbieter von Sportwetten und Online-Gaming. Das Unternehmen wurde 1999 unter dem Firmennamen Simon Bold (Gibraltar) Ltd. gegründet und 2001 von der in Wien ansässigen, börsennotierten bwin Interactive Entertainment AG zu 100 Prozent erworben. Nach einer Fusion mit PartyGaming Plc im März 2011, ist dieses Unternehmen jetzt Teil der bwin.party Gruppe. Das Mutterunternehmen der Gruppe ist bwin.party digital entertainment plc, ein in Gibraltar registriertes und an der Londoner Börse notiertes Unternehmen. Quelle: dpa
Platz 5: Booking.comUmsatz 2013: 189,1 Millionen EuroBei Booking.com handelt es sich um ein ursprünglich niederländisches Reiseportal, das 1996 auf den Markt kam und seither wächst und wächst. Die deutschen Anbieter digitaler Dienstleitungen erwirtschaften nur 13 Prozent des Umsatzes der Top Ten des Segments Digitale Services. Quelle: Screenshot
Platz 4: FacebookUmsatz 2013: 228 Millionen EuroDas von Mark Zuckerberg erdachte soziale Netzwerk gehört zu den absoluten Riesen im Internet mit derzeit rund 1,2 Milliarden Mitgliedern. Quelle: dpa

Besonders einige Unternehmen, die Software für die so genannte Cloud herstellen, wurden abgestraft; die Technik gilt als zukunftsweisend, die Aktien hatten in den vergangenen Monaten entsprechend zugelegt.

Cloud-Vertriebssoftware-Spezialist SalesForce.com verlor binnen drei Tagen 20 Prozent, Architekten- und Ingenieurs-Softwarehersteller Autodesk ebenso 20 Prozent, die Cloudsoftware-Spezialisten Fireeye und Splunk büßten gar ein Drittel ihres Börsenwertes ein - dies wohlgemerkt in weniger als einer Woche. Selbst Internet-Schwergewichte wie Facebook und Amazon büßten zweistellig ein.

Aber nicht nur die Internet-Branche kam unter die Räder, auch die an der Nasdaq (nach IT) zweitstärkste Branche, Biotechnologie, geriet in den Verkaufsstrudel. Der Branchen-Teilindex Nasdaq-Biotech liegt hinter seinem Hoch von Ende Februar nun fast 17 Prozent zurück.  „Es war ein regelrechter Ausverkauf von Biotech und Technologiewerten“, urteilt Dreide.

Hedgefonds werden rausgepresst

Tech-Aktien im Check

Die Internet-Spezialisten wie Splunk und Salesforce waren jedoch vor dem Tech-Crash dieser Woche zum Teil auch exorbitant teuer, sie hatten Kurs-Gewinn-Verhältnisse von 50, 60, teilweise über 100.
Gewinnmitnahmen sind angesichts solcher Übertreibungen nichts Ungewöhnliches. Allerdings müssen Anleger befürchten, dass es sich zu einem generellen Ausverkauf der Branche, analog zu 2002/2003 auswächst. Dann wäre bei den meisten der Nasdaq-Werten noch sehr viel Luft nach unten.

Tröstend immerhin: Es sind offenbar vor allem kurzfristig orientierte Anleger wie Hedgefonds, die für den Ausverkauf in dieser Woche verantwortlich sind. Die Geschäftsmodelle der betroffenen Unternehmen sind, anders als viele beim Technologiecrash vor zwölf Jahren, hoch profitabel mit weiterhin reichlich Wachstumspotenzial. Hedgefonds und andere kurzfristig orientierte Anleger hätten in den vergangenen Monaten massiv in kleine und mittelgroße Techwerte investiert, sagte Seth Setrakian, Leiter Globale Aktienmärkte beim Broker New York First. In den ersten beiden Monaten 2014 hätten sie allein über ETFs, also Indexfonds auf den Nasdaq oder Teile des Nasdaq, mehr als eine halbe Milliarde Dollar dort investiert, so Setrakian. "Es musste jedem klar sein, dass das kein langfristig investiertes Geld sein würde", sagt Setrakian. "Außerdem werden viele Hedgefonds, die ihre Investments in der Regel mit Fremdkapital hebeln, von so hohen Tagesverlusten aus dem Markt gejagt. Sie bekommen kalte Füße, weil sie nun Verluste und sogar Nachschusspflichten auf ihre fremdfinanzierten Investments befürchten müssen."

Börse



Viel Geld floss auch in US-Staatsanleihen. Die Rendite der zehnjährigen US-Treasuries etwa sank wegen der daraus resultierenden Kursgewinne auf nur noch 2,628 Prozent. "Es sind viele Trendfolgerfonds draußen sehr, sehr nervös im Moment", sagte Händler Setrakian. "Ihre Finger sitzen sehr locker am Verkaufsschalter, weil sie auf hohen Kursgewinnen sitzen und sie genau wissen, dass die extremen Bewertungen vor allem der kleineren Techwerte und Cloud-Spezialisten nicht von Dauer sein können. Sie nehmen einfach Risiko raus, bis man in Sachen China, Ukraine und weitere Politik der US-Notenbank etwas klarer sieht", meint der Händler.

Im zweiten Quartal wieder mehr Positives

Fondsmanager Dreide geht deswegen davon aus, dass der Ausverkauf langfristig eher eine Kaufchance darstellt. Er beobachte die Kapitalströme genau und habe festgestellt, dass vor allem „kurzfristig und Momentum-orientierte Großanleger, also Hedgefonds, den jungen Techwerten den Rücken gekehrt hätten und in große, eher defensive Dividenden-Techwerte wie Microsoft und Apple umschichteten. Nach einem durchwachsenen und von Belastungen geprägten ersten Quartal (Krise in den Schwellenländern und der Ukraine, Sorgen um Chinas Kreditblase und Wirtschaftswachstum, härtester Winter seit 60 Jahren in den USA), sollten im zweiten Quartal wieder mehr positive Nachrichten kommen .

Triebfeder ist die sich weiter erholende Weltkonjunktur. Die USA sind dabei, sich zu reindustrialisieren; nach dem Winter gibt es zudem einen gewissen Investitionsstau. Zugleich fangen die Unternehmen weltweit an, wieder in Produktionsanlagen und IT zu investieren.

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