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ThyssenKrupp Stahlkocher am Boden

ThyssenKrupp wird offenbar die verlustreichen Stahlwerke in Übersee nicht los, mit den Bietern konnte keine Einigung erzielt werden. Die Aktie rauschte daraufhin in den Keller und wird immer mehr zum Zockerpapier.

Die Zentrale von ThyssenKrupp in Essen Quelle: AP

Gestern konnte Siemens dank Gewinnwarnung den Kampf um die rote Laterne im Dax für sich entscheiden - heute hat dagegen ThyssenKrupp die Nase klar vorn. Grund dafür sind Berichte des "Wall Street Journal Deutschland", denen zufolge der Verkauf zweier riesiger Stahlwerke in Brasilien und im US-Bundesstaat Alabama offenbar geplatzt ist.

Eigentlich sollten die Werke an den brasilianischen Stahlkonzern CSN verkauft werden. Wie Insider berichteten, seien sich beide Unternehmen aber nicht über den Preis einig geworden, schreibt das Wall Street Journal Deutschland. Noch am Dienstag hatten sich Vertreter der Konzerne in New York getroffen, um den Deal doch noch zu retten.

ThyssenKrupp steht seit langem für seine verlustreichen Übersee-Geschäfte in der Kritik und wäre dringend auf die Verkaufseinnahmen angewiesen. Käme der Deal zustande, würden sich die Anteile des Essener Stahlkonzern am Brasilienwerk von derzeit 73 auf nur noch 33 Prozent verringern. Mehr Uneinigkeit herrscht allerdings beim Werk in Alabama, hier fordert ThyssenKrupp von CSN ein höheres Angebot. Ein Sprecher von ThyssenKrupp erklärte gegenüber dem Wall Street Journal Deutschland, es würden intensive Gespräche geführt und man wolle die Werke innerhalb einer angemessenen Zeit verkaufen.

Bereits jetzt haben viel zu hohe Investitionen in beide Werke den deutschen Konzern an den Rand der Existenz gebracht. Je nach dem, wie verlustreich der Verkauf ausfällt, gehen Analysten bereits jetzt davon aus, dass der Konzern um eine Kapitalerhöhung nicht herumkommen dürfte. Entsprechend wird jede schlechte Nachricht aus Essen mit einem deutlichen Kursrutsch quittiert.

Papier für Zocker

Nach Beginn des Dax-Handels brach das ThyssenKrupp-Papier um satte sechs Prozent ein. Zwar konnte die Aktie einen Teil ihrer Verluste wieder wettmachen, war aber mit einem Minus von 3,8 Prozent bei einem Kurs von 16,70 Euro weiterhin größter Dax-Verlierer (Stand 15.40 Uhr). Insgesamt mutiert die Aktie von einem einst zwar konjunkturabhängigen, aber soliden Investment immer mehr zum Zockertitel.

Sollten sich die Spekulationen um den Verkauf aus korrekt herausstellen, sei das ein großer Rückschritt für den Konzern, schreibt Dirk Schlamp, Analyst bei der DZ Bank. Sollte der Stopp des Verkaufs eine Änderung der aktuellen Konzernstrategie nach sich ziehen, wäre das sehr negativ für das Unternehmen.

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